Musikalischer Hochkaräter beehrt Hoof

Musikalischer Hochkaräter beehrt Hoof

Ray Wilson, früherer Sänger von Genesis, hat im Kulturhoof Station gemacht. Mit seinem Trio spielte er eigene Songs und Genesis-Hits.

Vom beschaulichen Ostertaldörfchen Hoof nimmt der Rest der Welt eigentlich wenig Notiz. Das war am Sonntag anders. Am Morgen rasten die besten Duathleten Europas im Sattel ihrer High-Tech-Fahrräder an der auf dem Bürgersteig Kaffee trinkenden Bevölkerung vorbei. Am Nachmittag ging es entspannter zu. Ein junger Mann lag mit geschlossenen Augen auf der Rückbank der neben dem Kulturhoof geparkten Mercedes-Limousine. Vorbeigehende Besucher, die Eintrittskarten für das Konzert von Ex-Genesis-Sängers Ray Wilson in Händen hielten, schenkten ihm einen kurzen und verwunderten Blick.

Eine gute halbe Stunde später stand die zuvor bewegungslose Person mit der Akustikgitarre auf der Bühne des bestuhlten und ausverkauften Veranstaltungsraumes. Sänger und Songschreiber Till Bennewitz war hellwach und präsentierte selbstbewusst seine eigenen Lieder und das mit einer Stimme und einem Sound irgendwo zwischen Bruce Springsteen und Bryan Adams. Beim Song "Freedom" rüffelte er US-Präsident Donald Trump, die Geschichte zu "Losing control" könnte jedermann erlebt haben. Als Stimmungsmacher baute Bennewitz noch vertraute Klänge von Ed Sheeran in sein überzeugendes Vorprogramm ein. "Ray Wilson habe ich vor zwei Jahren in Hamburg kennengelernt, ab und zu spielen wir miteinander", berichtete Bennewitz von einer bestehenden Freundschaft mit dem nachfolgenden früheren Genesis-Sänger.

Locker und mit einem Schuss schottischem Humor begrüßte Ray Wilson zur Stippvisite seiner Live-and-Acoustic-Tour das Publikum in Hoof. "Die Halle ist sehr schön, aber ich weiß wirklich nicht, wo ich hier gelandet bin", meinte der 48-Jährige ungläubig. Gefühlvoll intonierte er "In your eyes", ein Song von Peter Gabriel, der lange vor Wilson hinter dem Mikrofon der früheren Progressive-Rockband Genesis gestanden hatte. Von seinem direkten Vorgänger Phil Collins übernahm er den Hit "Another day in paradise".

Wilson, der pro Jahr 120 Konzerte spielt, wusste seine Stimme auch während der differenzierten Vokalpassagen rauchig, aber klar einzusetzen. Stimmlich gab er alles und verbreitete bei dem von ihm geschriebenen Song "Change" eine Botschaft über das Leben. Gelegentlich schnallte Ali Ferguson die elektrische Gitarre um und das Trio schweifte zum Exkurs in die Sphären von Pink Floyd ab. "High Hopes" erzeugte eine betörende Wirkung und "Wish you were here" passte auch ohne Schlagzeug zum Saitengezupfe der akustischen Klampfen. Allerdings, den Alleinunterhalter wollte der Schotte, der inzwischen seinen Lebensmittelpunkt in Polen hat, nicht geben. Keyboarder Kool Lydzek drückte die Finger nach unten, die Tastenklänge von "That's all" kannten alle im Saal und im Takt wurde rhythmisch mitgeklatscht. Die Genesis-Nummer "No son of mine" oder "Follow me, follow you" arrangierte das Trio großartig, deren Mega-Ohrwürmer hatte sich Wilson für den Schluss aufgespart und nach zwei Stunden machte er Feierabend.

Der Ramsteimer Konzertveranstalter Manuel Bücker war zufrieden. "Mein erstes Konzert im Raum St. Wendel und gleich ausverkauft, tolle Sache", freute er sich. Und Bücker hat weitere Konzertpläne. Gut möglich, dass er demnächst mit David Knopfler, dem Bruder des Dire-Straits-Gründungsmitglied Mark Knopfler, wiederkommt.

Zum Thema:

Ray Wilson (48) war Sänger bei der schottischen Band Stiltskin und wurde nach dem Ausstieg von Phil Collins 1996 als Sänger für Genesis engagiert. Er war beim Album "Calling all stations" dabei, dem allerdings keine größeren kommerziellen Erfolge beschieden waren. Seit 2001 ist Ray Wilson als Solokünstler unter seinem eigenen Namen aktiv und tourt mit unterschiedlichen Projekten.