Mit Schwung aufs Land setzen

Die Menschen im St. Wendeler Land werden immer älter. Und sie werden weniger. Diese Entwicklung ist Fakt. Den demografischen Wandel gestalten, das ist eine wichtige Zukunftsaufgabe. Nicht nur für die Politik. Da kommt bundesweite Unterstützung mit dem „Land(auf)Schwung“ gerade recht.

Die Entwicklung des ländlichen Raumes will der Bund mit dem Modellprojekt "Land(auf)Schwung" fördern. 13 Förderregionen gibt es bundesweit. Darunter ist auch der Landkreis St. Wendel . Am Mittwoch hat Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt in Berlin den Förderbescheid übergeben. 1,5 Millionen Euro stehen ab sofort bis Mitte 2018 zur Verfügung.

St. Wendel setzt auf zwei Schwerpunkte: regionale Wertschöpfung und regionale Daseinsvorsorge. Jeweils zwei Starterprojekte aus jedem Bereich sollen möglichst bald umgesetzt werden. Landrat Udo Recktenwald (CDU ), Thomas Gebel, Leiter des Amtes für die Entwicklung des ländlichen Raumes sowie Wirtschaftsförderer Hans-Josef Scholl stellten im SZ-Gespräch das Programm vor.

"Nachhaltige Siedlungs- und Wirtschaftsstruktur - Wertschöpfung neu interpretiert" lautet die exakte Überschrift des Themenschwerpunktes Förderung der regionalen Wertschöpfung. Das erste konkrete Vorhaben hat die Dorf-Innenentwicklung im Blick. Immer mehr Wohn- und Wirtschaftsgebäude stehen leer. Mancherorts werden gar öffentliche Gebäude oder Vereinsanlagen nicht mehr genutzt. "Ziel ist es, die Leerstände zu beseitigen", sagt der Landrat. Brachliegende Gebäude und Flächen sollen möglichst revitalisiert, also wieder mit Leben erfüllt werden. Die Energie-Projektgesellschaft St. Wendeler Land soll hier die Federführung haben.

Das zweite Projekt heißt "Das St. Wendeler Land nimmt an die Hand." Hier geht es darum, die Integration von Flüchtlingen und Zuwanderern mit der Sicherung des Fachkräftebedarfes zu verbinden. "Diese müssen schneller in den Arbeitsmarkt kommen", sagt Recktenwald. Bausteine sind der Aufbau einer zentralen Kontakt- und Koordinationsstelle bei der kommunalen Arbeitsförderung sowie eines Unternehmernetzwerkes.

Im zweiten Schwerpunktthema "Netzwerk Dorf: Mitmacher aktivieren - Miteinander gestalten" geht es um die Daseinsvorsorge. "Was machen wir beim Übergang von allein stehenden älteren Menschen vom Krankenhaus in den Alltag Zuhause?" Antwort auf diese Frage soll das Starterprojekt "Übergangsmanagement in die soziale Verantwortungsgemeinschaft" geben. Träger ist das Marienkrankenhaus. Mit eingebunden werden sollen möglichst viele Ehrenamtliche, die in ihren Dörfern den Kontakt zu den allein lebenden Senioren halten.

Das letzte Projekt heißt "Mitmacher gesucht - Verein(t)". Hier soll die Ehrenamtsbörse die Vereine auf dem Weg zu zukunftsfähigeren Strukturen und Angeboten unterstützen. Denn Vereine und Ehrenamt seien wichtige Stützen des Sozial- und Gemeinschaftslebens in ländlichen Regionen.

Mit diesen vier Initiativen geht es los. "Wir sind aber offen für weitere Bewerbungen", unterstreicht Wirtschaftsförderer Hans-Josef Scholl. Land(auf)Schwung dürfe nicht losgelöst von anderen Förderprogrammen zur Entwicklung des ländlichen Raumes gesehen werden. "Es ergänzt hervorragend die Arbeit der Kulturlandschaftsinitiative St. Wendeler Land (Kulani)", betont Thomas Gebel. Die Kulani erhält für ihr Entwicklungskonzept zwei Millionen Euro von EU und Land.

"Wir werden die vorhandenen Netzwerke mit einbinden", unterstreicht Recktenwald. Zum Beispiel im so genannten Inno-Team St. Wendeler Land. In dieser Ideenschmiede haben schon vor der Bewerbung für das Modellprojekt Vertreter aus Politik, Verwaltung, Unternehmen, Vereinen und Verbänden mitgearbeitet. Insgesamt sind hier mehr als 40 Personen engagiert. Eine Lenkungsgruppe entscheidet über konkrete Vorhaben. Die Geschäftsstelle, die Zukunftsmanufaktur, ist bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft angesiedelt. Dort wird auch ein hauptamtlicher Mitarbeiter das Projekt betreuen. Scholl: "Den Kümmerer der Zukunftsmanufaktur muss es geben."