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Mit Make-up zu mehr Selbstvertrauen

Mit Make-up zu mehr Selbstvertrauen

Ziel der Kosmetikseminare ist es, den Frauen zu einem lebensbejahenden Umgang mit der Krankheit zu verhelfen. Geleitet werden sie von einer Visagistin und der Stationsleiterin der gynäkologischen Abteilung.

Rund 230 000 Frauen erkranken in Deutschland jährlich neu an Krebs. Eine Chance auf Heilung bietet eine Chemo- oder Strahlentherapie. Doch damit einher geht eine Veränderung des Aussehens, die vielen Frauen neben der Bedrohung durch die Krankheit selbst zusätzlich schwer zu schaffen macht. Durch Haarausfall, Augenbrauen- und Wimpernverlust oder Hautveränderungen wird der Kampf mit Krebs auch zu einem täglichen Kampf mit dem eigenen Spiegelbild.

Die gemeinnützige Gesellschaft DKMS Life hat es sich zur Aufgabe gemacht, Krebspatientinnen in Therapie zu einem lebensbejahenden Umgang mit den Folgen der Krebserkrankung zu ermutigen. Sie möchte mit kostenfreien Kosmetikseminaren dazu beitragen, dass Frauen sich wieder wohler fühlen. Eines dieser Seminare wird viermal im Jahr im Marienkrankenhaus in St. Wendel angeboten. Visagistin und Friseurmeisterin Marita Borm-Martini und Ruth Schwan, Stationsleiterin der gynäkologischen Abteilung, geben den Teilnehmerinnen in einem zweistündigen Mitmachprogramm Tipps zur Gesichtspflege, zum Schminken sowie eine Tücher- und Kopfschmuckberatung. "Ich zeige den Frauen Lösungen auf, wie sie zu einem gesunden, frischeren Aussehen kommen", erklärt Borm-Martini. Und zu den Teilnehmerinnen gewandt: "Krank aussehen muss nicht sein." Die Kosmetikerin weiß, vielen ist Make-up fremd. "Die meisten haben sich noch nie geschminkt." Und das bestätigen die Teilnehmerinnen auch: "Höchstens mal zu Fastnacht" oder "Nur zu meiner Hochzeit", erzählen sie. Aus diesem Grund folgt Borm-Martini einem Zwölfschritteprogramm. Angefangen bei der Reinigung des Gesichts über das Auftragen von Gesichtspuder bis hin zum Lippenstift.

Doch bevor es damit überhaupt losgehen kann, gilt es noch eine Hürde zu nehmen, die den Frauen sichtlich schwerfällt. "Wenn Sie möchten, können Sie ihre Perücken abnehmen. Das würde das Schminken erleichtern", sagt Borm-Martini. "Das ist für viele Frauen nicht einfach", weiß Ruth Schwan, die schon seit zehn Jahren bei den Kosmetikseminaren dabei ist und auch auf Station die Krebspatientinnen betreut. "Aber wenn eine erst mal damit anfängt, ziehen die anderen meistens mit."

Dann beginnt das Seminar. Die gelernte Kosmetikerin zeigt den Frauen - wenn sie möchten auch individuell - wie sie ihr Äußeres verbessern können. Mit jedem Pflegeschritt ist spürbar, wie die Stimmung im Raum gelöster wird und das Selbstbewusstsein steigt. Die Teilnehmerinnen fangen an, sich genauer im Spiegel zu betrachten, helfen sich gegenseitig, scherzen und lachen. "Das ist uns immer besonders wichtig", sagt Schwan. "Wir möchten, dass die Frauen zwei Stunden lang mal nicht an Schmerz und Übelkeit denken, sondern etwas Positives für sich selbst tun." Deshalb gibt sie im Anschluss an das Schminken dann auch noch Tipps zum richtigen Umgang mit Kopftüchern, wie man sie raffiniert binden kann, welche Accessoires gut kaschieren und wie vielleicht sogar gar nicht auffällt, dass unter dem Tuch eben keine Haare mehr sind. "Wenn ich das zeige, geht immer ein Raunen durch den Saal", weiß die Stationsleiterin zu berichten.

Bei den Teilnehmerinnen kommt das Seminar jedes Mal gut an. "Ich bekomme nur positives Feedback", sagt Schwan. "Die Frauen sind glücklich, erzählen in der Therapie, wie schön es war und begeistern so auch andere Patientinnen." Und auch für die Seminarleiterinnen ist es jedes Mal eine positive Erfahrung, hinter der viel Herzblut steckt, so Schwan.