Mit der Ehrlichkeit der Straße

Als Mitglied der Kelly-Family hat Jimmy Kelly die großen Bühnen der Welt kennengelernt. Inzwischen tourt er als Straßenmusiker durch die Lande. Mit seiner „neuen Familie“ hat er nun viele Geschichten nach Oberlinxweiler gebracht.

Ehrlich - so könnte man am besten das Konzert beschreiben, das Besucher der Kulturscheune am Sonntag miterleben durften. Auf der Bühne: Jimmy Kelly, ehemaliges Mitglied der Kelly Family. Doch mit in Oberlinxweiler sind nicht seine Geschwister, mit denen er einst weltberühmt wurde, sondern vier Straßenmusiker, die den Sänger und seine Gitarre an Geige, Akkordeon, Tuba, Banjo und vielen weiteren Instrumenten unterstützen. Sie alle kennt Kelly von der Straße, denn er selbst ist mittlerweile zum Straßenmusiker geworden. "Ich wollte einfach zurück zu meinen Wurzeln", erzählt er seinem Publikum im Plauderton. Als Junge habe er mit seiner Familie auf der Straße gespielt und genau das mache er jetzt wieder - "mit meiner neuen Familie", fügt er hinzu und zeigt auf seine Band. Nur im Winter gehen die Musiker auf Tour und füllen Konzertsäle überall in Europa. Zu den Locations im neuen Programm "Streetkid" gehören Städte wie Hamburg, Wien oder auch Prag. Wie Oberlinxweiler dazu passt? "Sehr gut", findet Jimmy Kelly. "Wir spielen einfach überall, wo eine Seele ist, die uns zuhört", erklärt er im Interview. "Wir würden auch im Wald spielen, wenn die Tiere dafür bezahlen würden", fügt er mit einem Grinsen hinzu.

Und so kommen die Besucher am Sonntag eben in der ausverkauften Kulturscheune in den Genuss von "Streetkid". Im Vordergrund des neuen Programms steht die Musik. Zum Repertoire der Künstler gehören eigene Songs , von Jimmy Kelly selbst komponiert, aber auch gecoverte Lieder wie zum Beispiel Hannes Waders "Heute hier, morgen dort" oder "Mon amant de Saint Jean" von Edith Piaf .

Doch fast genauso wichtig wie die Lieder, sind die Geschichten, die Jimmy Kelly zwischendurch immer wieder erzählt. Manche sind fröhlich, manche traurig, doch sie alle geben Aufschluss über das Wesen des Musikers, denn es sind sehr private Erlebnisse und Gedanken, die Kelly mit seinem Publikum teilt. Er erzählt von seinem Vater Dan Kelly, der "ein außergewöhnlich böser, aber auch ein außergewöhnlich lieber Mann war" und singt dazu passend den Song "Dance", den er während der Totenwache für seinen Vater schrieb. Er berichtet von seinen Geschwistern und ihren gemeinsamen Erlebnissen. Aber vor allem erzählt er von seinem Wandel zum Straßenmusiker und das mit entwaffnender Ehrlichkeit. "Der Anfang war sehr hart für mich. Ich dachte, die Leute würden sich für einen Kelly interessieren, aber sie sind einfach an mir vorbei gelaufen."

Durch diese Mischung in den Songs sowie den persönlichen Erlebnissen Jimmy Kellys gestaltete sich für die Besucher ein interessanter Abend mit guter Musik und vielen traurigen, aber auch lustigen Geschichten aus dem Leben eines Kelly-Family-Mitglieds.

Für Jimmy Kelly und seine Band geht es nach dem Auftritt in Oberlinxweiler erst einmal in eine kurze Pause. "Ich bin mein eigener Herr und deshalb versuche ich während der Tour auch immer Zeit für meine Kinder einzuplanen", erklärt Kelly im Interview. "Das ist besser für meine Familie und auch für mein eigentliches Leben als Vater." Danach führt sein Weg ihn weiter nach Hamburg, Stralsund, Katowice und viele andere Städte , bevor er im Sommer wieder auf die Straße zurückkehren wird.