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Mildes Wetter lockt Kröten in ihr Sommerquartier

Mildes Wetter lockt Kröten in ihr Sommerquartier

Steigende Temperaturen sind für Kröten das Startsignal zur Wanderung. Damit sie auf der Straße nicht zu Tode kommen, schützt sie zwischen Werschweiler und Niederkirchen eine spezielle Amphibien-Wand.

Ein Eimer voller Kröten. Sie alle sind jetzt gerettet.

Wenn die Nächte milder und frostfrei werden, dann beginnt für Kröten, Frösche und Mulche die Zeit der Wanderung. Aus ihrem Winterquartier machen sich die Amphibien auf den Weg zum nächsten Tümpel, um sich dort zu paaren und zu laichen. Eine Strecke von bis zu zwei Kilometern bringen die Tiere hinter sich. Dies ist oft mit Gefahren verbunden, vor allem dann, wenn zwischen Winterquartier und Teich eine Straße liegt.

"Zwischen 19 bis 23/24 Uhr sind die Amphibien unterwegs", erklärt Peter Volz vom Bund Naturschutz Ostertal (BNO). Temperaturen von sechs Grad und Regen seien ideale Bedingungen. "Ich erwarte, dass am Wochenende die Hauptwanderung beginnt", so Volz. Meistens machen sich die Männchen zuerst auf den Weg und locken die Weibchen an. Das Paarungsspiel bei Kröten beginnt teilweise schon unterwegs. Dann lässt sich das Männchen huckepack von der Auserwählten zum Gewässer tragen. Eine Erdkröte mit einem Männchen auf dem Rücken braucht zirka zehn Minuten für das Überqueren einer 7,50 Meter breiten Straße.

Damit diese nicht zur tödlichen Falle wird, sind Naturschützer aktiv. Peter Volz hat viele Jahre mit Sorge die Wanderung der Amphibien über den Verbindungsweg zwischen Werschweiler und Niederkirchen beobachtet. "Dort sind schon mal in einer Nacht 1000 Tiere tot gefahren worden", erinnert sich der Naturschützer .

Dieses Mal kann er aufatmen. Denn jetzt gibt es an der Strecke einen Schutzzaun. Bereitgestellt hat diesen das Landesamt für Straßenbau (LfS). Das Umweltamt der Stadt St. Wendel hat ihn aufgebaut, und Mitglieder des BNO kümmern sich um die Tiere. Kröten, Frösche und Mulche landen auf ihrem Weg zur Straße in Fangeimern. Dort müssen sie ein paar Stunden ausharren, ehe Ehrenamtler sie zu ihrem Laichgewässer bringen. Seit 11. März wird die Krötenwanderung betreut. Die hatte ihren bisherigen Höhepunkt am 29. März. "Es war feucht und in der Nacht über null Grad", erinnert sich Volz. Am nächsten Morgen entdeckte er acht Frösche, 192 Kröten und einige Molche in den Eimern.

Dass bisher kein Tier auf dem Weg zwischen Werschweiler und Niederkirchen tot gefahren wurde, wertet Volz als Erfolg des Zaunes. Schon 2014 sollte einer aufgestellt werden. Doch es war kein Zaun zum Leihen verfügbar. Der Kauf sei für die Stadt St. Wendel zu teuer. Zirka 5000 Euro kostet ein solcher Schutzzaun.

Er scheint die einzige Möglichkeit, tausende Tiere vor dem Tod zu bewahren. Denn alle Aktionen zum Schutz der Amphibien , die es zuvor gab, scheiterten. "Die Stadt half, während der Wanderzeit die Straße zu sperren", berichtet Volz. Sperrgitter wurden jeden Abend auf die Fahrbahn gestellt. "Als ich sie morgens wegräumen wollte, waren sie meist schon weg", so Volz. Eigenmächtig aus dem Weg geräumt von Autofahrern. Auf dem Verbindungsweg gilt Tempo 30, ist eigentlich nur für Anlieger gedacht. Doch während einer halbstündigen Kontrolle zählt Volz schon mal 20 vorbeifahrende Autos. "Die Straße ist stark frequentiert, und viele sind zu schnell unterwegs", so Volz. Er sorge sich um die Menschen. "Viele Ältere mit Rollator oder Familien mit Kindern nutzen den Weg."

Ob Straßensperrungen oder verringertes Tempolimit - der ein oder andere Autofahrer mag sich fragen, warum so viel Aufwand um die Kröten betrieben wird. Naturschützer Volz hat gleich mehrere Argumente dafür parat. Denn ohne Kröte und Co. könne es leicht zu Insektenplagen kommen. Kröten fressen die Mini-Quälgeister. Gleichzeitig sind sie selbst Futter für die Störche, deren Ansiedlung meist gerne gesehen wird. Die Zahl der Eier, die ein Weibchen beim Laichen produziert, erscheint mit 3000 bis 6000 sehr hoch. "Doch von 5000 Kaulquappen erreichen meist nur drei die Geschlechtsreife", weiß Volz. Die anderen werden zuvor gefressen oder überfahren. Deshalb gehören viele Kröten, Frösche und Mulche zu den bedrohten Tierarten.

Damit Kinder die Bedeutung der Tiere und den Ekel von den meist glitschigen Körpern verlieren, wandert Volz regelmäßig mit Gruppen zu dem Schutzzaun. Zuletzt war er mit Schülern der Grundschule Niederkirchen dort. "Den Kindern hat es viel Spaß gemacht", bilanziert Volz. Auch deshalb, weil sie an diesem Tag Glück hatten und vier Kröten in den Eimern entdeckten. Am Wochenende werden es in Anbetracht der Wetterprognose wohl deutlich mehr sein.