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Milchpreis macht Kuh und Bauer sauer

Milchpreis macht Kuh und Bauer sauer

St. Wendel. Die Ernte ist eingefahren und es ist an der Zeit, traditionell das Erntedankfest zu feiern. Hinter den Landwirten liegt ein arbeitsreiches Jahr, und es werden bereits die Grundlagen für die nächste Saison gelegt. "Es war ein abwechslungsreiches Jahr", bilanziert Peter Scherer, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes in St. Wendel, beim Besuch in der SZ-Redaktion

St. Wendel. Die Ernte ist eingefahren und es ist an der Zeit, traditionell das Erntedankfest zu feiern. Hinter den Landwirten liegt ein arbeitsreiches Jahr, und es werden bereits die Grundlagen für die nächste Saison gelegt. "Es war ein abwechslungsreiches Jahr", bilanziert Peter Scherer, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes in St. Wendel, beim Besuch in der SZ-Redaktion. Trotz Spätfrost und langen Regenperioden im Sommer können die Landwirte mit der Ernte 2012 zufrieden sein. "Im Frühjahr haben wir noch geglaubt, es gibt eine schlechte Getreideernte", erinnert sich Scherer. Denn der Kahlfrost (siehe Infobox) im Februar habe das Getreide stark gebeutelt. Teilweise wurde Hafer und Sommergerste neu angesät. Der feuchte Mai/Juni habe dem Getreide bei der Regeneration geholfen. Positiv bewertet Scherer die Preissituation beim Getreide. Dieses wird auf dem Weltmarkt derzeit hoch gehandelt. "Wir haben mittlerweile das Preisniveau wie Anfang der 1980er Jahre, so dass wir für eine Tonne Weizen zwischen 200 und 250 Euro erzielen."Ganz anders sieht es hingegen für die Milchbauern aus. 110 Haupterwerbsbetriebe und 40 Milchviehhalter gibt es im Kreis St. Wendel. Vor drei Jahren war der Preis für einen Liter Milch auf 20 Cent gesunken. Dieses tiefe Tal hat man inzwischen hinter sich gelassen. "Der momentane Auszahlungspreis liegt bei 27 Cent", sagt Scherer. Man bräuchte allerdings 35 Cent, um kostendeckend arbeiten zu können und das Einkommen der Betriebe zu sichern. Das Problem liege in der Vermarktung. Es gebe drei Aufkäufer, die 80 Prozent der Milch kaufen. Bei den Milchpreisen müsse sich dringend etwas ändern. Scherer blickt dahingehend recht optimistisch in die Zukunft. Seit Frühjahr sei ein positiver Trend auf dem Weltmarkt spürbar. Das Preisniveau steige. "Jeder Liter Milch, den wir nach China verkaufen, bringt 15 Cent mehr als im Inland." Das liege daran, dass die Besserverdienenden in Asien nach westlichen Standards streben - und das in allen Lebensbereichen.

Noch nicht ganz abgeschlossen ist die Maisernte. "Da bräuchten wir noch ein paar gute Tage mit Sonne, damit die Körner richtig abtrocknen können", sagt Scherer. 80 Prozent der Maisernte wird für Tierfutter verwendet. Insgesamt sei die Futtergrundlage für die Tiere im Winter gesichert. Und das, obwohl eine Schlechtwetterperiode die Heuernte für sechs Wochen jäh unterbrochen hatte. Einige Wiesen konnten erst Mitte Juli gemäht werden. "Die Schlechtwetterperiode hat die Energiewerte im Futter etwas verschlechtert", erklärt Scherer. Deshalb habe man teilweise Kraftfutter kaufen müssen, um die Tiere optimal füttern zu können.

Im Kreis St. Wendel besteht die Landwirtschaft hauptsächlich aus Mischbetrieben, das heißt, dass sowohl Ackerbau als auch Viehhaltung betrieben wird. Es gibt Milchviehhaltung und mutterkuhhaltende Betriebe. Bei letzteren stehen die Tiere auf der Weide und die Milch wird ausschließlich für die Kalbaufzucht gebraucht. Was die Schweinezucht betrifft, so gebe es in der Region nur noch eine Handvoll Betriebe.

Ein durchschnittliches Erntejahr 2012 geht zu Ende. "Die Versorgung der Bevölkerung mit regionalen Produkten ist in vielen Bereichen gesichert", so Scherer. Deshalb könne jetzt ausgelassen das Erntedankfest gefeiert werden.

HINTERGRUND

Kahlfrost bedeutet in der Landwirtschaft, dass auf nicht schneebedeckten Böden Temperaturen weit unter null Grad, teilweise bis zu minus 20 Grad herrschen. Die Pflanzen erfrieren teilweise, aber zum Teil trocknen sie auch in der Fläche aus. In diesem Frühjahr haben sich vor allem beim Winterweizen und bei der Wintergerste ganz erhebliche Frostschäden gezeigt. Am besten hat der Roggen diese Kahlfröste verkraftet. evy