Marco Forster wird bei der Ironman-Europameisterschaft in Frankfurt Zweiter seiner Altersklasse

Marco Forster fährt nach Hawaii : Sein eisenharter Traum geht in Erfüllung

Bei der Ironman-Europameisterschaft kämpfte sich Marco Forster auf den zweiten Platz in seiner Altersklasse. Somit darf der 40-Jährige im Oktober in Hawaii an den Start gehen.

Der erste Versuch ging in die Hose. Schwimmen, Radfahren, Laufen, Siegen – das war der Plan. Doch am Ende reichte es nur noch zum Gehen und sich ins Ziel schleppen. „Jeder Schritt tat weh. Spaß gemacht hat das echt nicht“, erinnert sich Marco Forster an seine Ironman-Premiere. Zu der hatte er sich nach gerade einmal sechs Monaten Triathlon-Training entschlossen. „Ich war damals Mitte 20, hormongesteuert und dachte, die Welt gehört mir“, rechtfertigt er die unüberlegte Teilnahme. Heute – gut 15 Jahre später – gibt der Anwalt aus Glan-Münchweiler zu, dass er damals die Distanz von 226,255 Kilometern gehörig unterschätzt hatte. „Das war totaler Quatsch. Ich würde niemandem empfehlen, ohne gründliche Vorbereitung bei einen Ironman anzutreten“, sagt er. Dennoch hatte die Aktion auch etwas Gutes: Sie war der Start einer erfolgreichen Karriere. Denn trotz aller Qual, Forster hat weitergemacht.

Am 30. Juni feierte der 40-Jährige nun seinen bislang größten Triumph. Bei der Ironman-Europameisterschaft in Frankfurt ist er Zweiter seiner Altersklasse geworden – und darf somit bei der Weltmeisterschaft in Hawaii starten. Forster ist mit diesem Ergebnis mehr als zufrieden. In Frankfurt habe alles gepasst, sagt er. Auch die Temperaturen. Denn während die extreme Hitze vielen Athleten zu schaffen machte, kam sie Forster gerade recht. „Das Wasser war über 25 Grad warm, daher wurden die Neoprenanzüge verboten“, erklärt der Spitzensportler vom Tritronic Team St. Wendel. Viele Athleten verzichten nur ungern auf die Auftrieb verschaffende, zweite Haut. Forster hingegen schwimmt lieber ohne. So konnte er sich nach 3,86 Kilometern im Langener Waldsee, südlich der Mainmetropole, bereits vorne in seiner Altersklasse einreihen.

Nach dem Wasserausstieg ging es auf’s Rennrad und über die gesperrte B44 direkt in die Innenstadt. Dort strampelten die Teilnehmer noch zwei Runden über Nidderau, Friedberg, Bad Vilbel und wieder zurück nach Frankfurt. Was einer Strecke von 180,2 Kilometern mit 1500 Höhenmetern entsprach. Forster attackierte in seiner Paradedisziplin von Anfang an. Bei zunächst noch angenehmen Temperaturen um die 20 Grad fuhr er die ersten 100 Kilometer mit einem Schnitt von 40 Kilometern pro Stunde. Danach kletterte das Thermometer jedoch jenseits der 30-Grad-Marke. „Außerdem kam ein starker, warmer Wind von vorne auf. Der hat die Feuchtigkeit aus allen Poren rausgezogen“, berichtet Forster. Da habe er gemerkt, dass es ihm nicht gelingen würde, seinen Körper ausreichend zu kühlen. Also nahm er Tempo raus. „Ich habe meinen Schnitt auf 35 Kilometer pro Stunde gesenkt. Das hat sich in dem Moment extrem langsam angefühlt“, sagt der Triathlet. Doch die Taktik ging auf. Nach fünf Stunden konnte er vom Drahtesel auf die Laufstrecke wechseln, ohne überhitzt zu sein.

Nun galt es noch vier Runden à 10,5 Kilometer in der Innenstadt auf der einen Mainseite hoch und der anderen runter zu rennen. Bei inzwischen 40 Grad versuchte Forster, mit einem Tempo von 4:40 Minuten pro Kilometer seinen Rhythmus zu finden. „Ich habe jede Verpflegungsstation mitgenommen. Mir Eis ins Shirt gekippt, nasse Schwämme reingesteckt und mich unter die Duschen gestellt“, erzählt der Athlet. Nur so sei es möglich gewesen, den Marathon zu Ende zu bringen. Nach insgesamt 9:46 Stunden überquerte Forster schließlich die Ziellinie am Rathaus.

Eine Zeit, die er auch für Hawaii anstrebt? „Das kann ich so nicht sagen. Es kommt nicht auf die Zeit an, die verändert sich je nach den äußeren Bedingungen“, erklärt der Vize-Europameister. Und gesteht: „Ursprünglich wollte ich Hawaii nur genießen und gar nicht explizit dafür trainieren.“ Aber nach dem Ergebnis in Frankfurt, sei auch beim härtesten Ironman der Welt einiges drin. „Unter die Top 20 meiner Altersklasse zu kommen, wäre schon schön“, findet Forster. Daher hat er sich nach dem Wettbewerb in Hessen auch nur eine kurze Pause gegönnt – und ist mittlerweile wieder voll ins Training eingestiegen. Obwohl es eine Herausforderung sei, Sport, eigene Kanzlei und Familie unter einen Hut zu bekommen.

Umso wichtiger ist es dem Vater eines zweijährigen Sohnes, dass seine Frau hinter ihm steht. Sie habe ihn auch zum Trainingslager auf Teneriffa begleitet. Dort waren sogar noch die Schwiegereltern mit dabei. „Ich bin immer ganz früh aufgestanden, habe mein Krafttraining und die Radeinheit durchgezogen“, erzählt Forster. Den Nachmittag habe er dann mit seinen Lieben verbracht. Zusammen seien sie etwa zu Stränden gefahren, die er beim Laufen oder Radeln entdeckt hatte. „Morgens Sport, mittags die Füße hochlegen. Das funktioniert bei mir nicht. Aber das verkrafte ich ganz gut“, gesteht der Anwalt.

Auch zu Hause ist sein Leben exakt durchgetaktet. Um das zeitaufwendige Sportprogramm durchziehen zu können, steigt Forster fast jeden Morgen um 4.45 Uhr aus den Federn. Auch am Wochenende. „Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, ich hätte jeden Morgen Lust, so früh aufzustehen.“ Aber der Mensch sei ein Gewohnheitstier. Irgendwann werde alles zur Routine. „Außerdem ist um diese Uhrzeit alles so ruhig. Da kann man entspannt in den Tag starten“, findet der Athlet. Sein Training für den Wettkampf in Frankfurt habe er im November begonnen. Anfangs seien dafür 14, später 20 Stunden pro Woche draufgegangen. „Der Tag startete mit 90 Minuten Radfahren. Danach habe ich den Kleinen in den Kindergarten gebracht und bin zur Arbeit. In der Pause schnell ins Schwimmbad, drei Kilometer geschwommen. Wieder zurück zur Arbeit. Abends habe ich meinen Sohn in den Kinderwagen gesetzt und bin mit ihm 15 Kilometer laufen gegangen“, erzählt Forster von seinem Tagesablauf.

Klingt stressig. Doch für den 40-Jährigen ist Triathlon eben eine Leidenschaft. Die Kombination aus Ausdauersportarten sei komplex. Neben Radfahren, Schwimmen und Laufen müsse man auch noch auf die Athletik und die Ernährung achten. Ans Aufhören denkt Forster daher erst gar nicht. „So lange ich als alter Sack noch mit den Jungen mithalten kann, ziehe ich das durch“, kündigt er an und lacht. Außerdem steht der bisherige Höhepunkt seiner Karriere bevor. Mit der Teilnahme am legendären Ironman auf Big Island geht für den Sportler ein Traum in Erfüllung. „Das ist ein Mythos. Da kann man sich nicht einfach so anmelden, dafür muss man sich qualifizieren. Das ist die Weltmeisterschaft, da sind nur die Besten“, schwärmt er von dem Event am anderen Ende der Welt.

Das Radfahren ist Marco Forsters Paradedisziplin. Bei dem Wettbewerb in Frankfurt legte der Triathlet die ersten 100 Kilometer mit einem Schnitt von 40 Kilometern pro Stunde zurück. Foto: FinisherPix®

Das steht am 12. Oktober an. In den Herbstferien. „Meine Frau ist Lehrerin. Das heißt, sie und mein Sohn können mich begleiten“, freut sich Forster. Für ihn steht fest: Wer im Triathlon ein bisschen ambitioniert ist, müsse in Hawaii wenigstens einmal dabei gewesen sein. Die heftigen Böen an der Küste und die Hitze bringen selbst die besten Athleten an ihre Grenzen. Erschwerend hinzu kommt die Zeitverschiebung. „Mal gucken, wie mein Körper das mitmacht. Das wird schon hart“, blickt Forster voraus. Doch er wird vorbereitet sein, denn dieser Ironman soll nicht in die Hose gehen.

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