Marc Marshall traf in St. Wendel auf seinen alten Trainer

Weihnachtskonzert in St. Wendel : Wenn der Star auf seinen Trainer trifft

Marc Marshall freute sich bei seinem Gastspiel in St. Wendel auf ganz besondere Gäste.

Plötzlich erklang im Rücken der mehr als 550 Zuhörer in der St. Wendeler Annenkirche eine glasklare Stimme. Sänger Marc Marshall schritt gemeinsam mit Pianist René Krömer durch das Kirchenschiff und intonierte das Adventslied „Maria durch den Dornwald ging“. Im Altarraum des Gotteshauses eröffnete der 56-jährige Bariton seine weihnachtliche Konzerttour durch die Republik.

„Mensch Marc, was hast du für eine fantastische Stimme“, sagte ihm Willi Zeyer nach dem Auftritt. In den 1980er-Jahren war der St. Wendeler Marschalls Fußballtrainer in der B-Jugend des SC Baden-Baden. „Singen gelernt hat er nach den Spielen bei uns in der Kabine, weil wir so oft gewonnen haben“, scherzte der 83-Jährige. Marshall umarmte ihn und meinte: „Super, ich freue mich so, dass Ihr gekommen seid“. Zeyer berichtete, dass der Sänger damals ein talentierter Torwart gewesen sei und er den Sprung in die südbadische Jugendauswahl geschafft habe. „Es war eine tolle Zeit mit dir, Willi“, blickte Marschall zurück. Wegen seiner Paraden musste Zeyer seinen Sohn Siegfried damals als zweiten Torhüter auf die Ersatzbank setzen. „Mit deinem Sohn Stefan habe ich noch regelmäßig Kontakt, er hat vor Kurzem noch in meinem neuen Haus die Fliesen verlegt“, berichtete Marshall dem Ex-Trainer Zeyer.

Früher hielt er 90 Minuten seinen Kasten sauber, über diese Spielzeit begeisterte er auch die Besucher im Gotteshaus. „Lasst uns gemeinsam eine Familie sein und die Freundschaft auf unserem Planeten ehren“, sagte Marshall. Und zum Klassiker „Kling Glöckchen, klingeling“ fielen Krömers zarte Tastenklänge wie Schneeflocken, die an Heilig Abend sanft ans Fenster tupfen. Zu „Oh Tannenbaum“ integrierte Marshall das Publikum als Weihnachtschor.

Zwischen den Liedern erinnerte er an seine Zeit im Kindesalter, vor allem noch an den Duft der „Butterbackes“ beim Plätzchenbacken mit der Oma. Marshall, der als „mitreißender Meister leiser Töne“ gilt, ließ ohne Mikrofon sein Stimmorgan durch den Sakralbau schweben. Gänsehautmomente erzeugte er mit der Darbietung der irischen Hymne „Danny Boy“, der Vaterunser-Vertonung „The Lord´s Prayer“ und „Amazing Grace“. Beim so populären Kirchenlied begleitete ihn Krömer punktuell mit einer Melodica (handliches Harmonikainstrument). Reinhard Meys aus Paarreimen bestehendes Lied „Gute Nacht, Freunde“ trug Marshall in Gedichtform vor, und er stellte singend fest „es ist eine Freude, gute Freunde zu haben“ (You´ve got a friend, Carole King). Den Aufruf von Frieden versendete er mit John Lennons Welthit „Imagine“, wohl die Hymne aller Friedensbewegungen. Das Kribbeln beim Warten auf das Christkind im ganz jungen Marc Marshall beschrieb mit er in „Santa Claus is coming to town“. Und dann zum Schluss alle: „Jingle Bells, Jingle Bells“.

Wiedersehensfreunde in der St. Wendeler Annenkirche: René Krömer, Hiltrud Leist, Michael Zeyer, Marc Marshall, Willi und Winifried Zeyer (von  links). Foto: Frank Faber

Riesenapplaus und stehende Ovationen für das Duo Marshall/Krömer in der Annenkirche. „Danke, für den tollen Abend mit euch allen, wir waren für einige Zeit eine Familie“, sagte Marshall und verneigte sich vor dem Publikum. Nachdem er alle Autogrammwünsche erfüllt hatte, freute er sich wie nach gemeinsam errungenen Meisterschaften auf das Wiedersehen mit seinem ehemaligen Jugendtrainer Zeyer. „Wenn man nach einem Konzert seinen alten Trainer trifft, ist das dann noch ein zusätzliches Geschenk“, schwärmte der Baden-Badener. Die Präsenz eines ehemaligen Schlussmanns im Strafraum hatte er 90 Minuten im Altarraum fortgesetzt. „Durch das Training von früher klappt das noch“, meinte Zeyer dazu. Und in der dritten Halbzeit des Konzertabends gab es in St. Wendel noch viel zu erzählen.