Manege frei für ein neues Ferienvergnügen in St. Wendel

Manege frei für ein neues Ferienvergnügen in St. Wendel

Das Thema Campingtourismus hat sich in diesem Jahr entwickelt. In diesem Segment gab es im ersten Halbjahr im Saarland einen Zuwachs von 19 Prozent. Nachgefragt werden auch alternative oder originelle Übernachtungsmöglichkeiten. Das erzählt Birgit Grauvogel, Geschäftsführerin der Tourismus-Zentrale Saarland, im Gespräch mit SZ-Redakteurin Melanie Mai.

60 Milchkühe gibt es auf dem Urlaubshof. Hinzu kommen Kaninchen und Katzen, drei Pferde und zwei Ponys. Neben dem Bauernhof am Ortsrand von Urweiler stehen ein Planwagen, Rutschautos und Kettcars samt Anhänger für die kleinen und großen Gäste. Das alles steht den Bewohnern der fünf Ferienwohnungen der Familie Laub zur Verfügung. Aber nicht nur denen. Neuerdings können die Gäste in ganz besonderem Ambiente übernachten: im Zirkuswagen.

Glamping heißt das neue Zauberwort, erklärt Chefin Christine Laub. Gemeint ist eine Kombination aus Glamour und Camping - "Camping mit mehr Komfort", nennt es Laub. Mit diesem neuen Trend haben sich die Laubs auseinandergesetzt, als es darum ging, den Hof zu erweitern. Denn die Wohnungen seien stark nachgefragt, vor allem in den Ferien. Auf einer Fachmesse Anfang des Jahres in Essen schauten sie sich die Zirkuswagen an - und waren selbst begeistert. "Von der originellen Atmosphäre", erzählt Laub. Die Familie orderte zwei Wagen. Im Juni wurden diese geliefert und bezugsfertig hinter dem Komplex mit den Ferienwohnungen in der Wiese aufgestellt. Noch immer riecht es im Wagen nach frischem Holz. Denn damit ist er komplett ausgeschlagen.

Jeder Wagen ist acht auf vier Meter groß und bietet Platz für vier Personen. Zwei Schlafen im Doppel-, zwei im Etagenbett. Die Zielgruppe ist, genau wie bei den anderen "Ferien auf dem Bauernhof"-Angeboten, Familie mit Kindern. Gerade die Kinder seien begeistert von den neuen Übernachtungsmöglichkeiten. Dazu Laub: "Sie finden es toll, dass an jedem Bett ein Fenster ist." So könnten sie den Sonnenaufgang vom Bett aus mitten in der Natur sehen. Denn Gardinen gibt es nicht. Bewusst. "Die Gäste sollen einen freien Blick aufs Feld haben." Was es in jedem Zirkuswagen gibt, das ist eine Küchenzeile, Toilette, Fernseher und Tischgruppe. Außerdem können die Gäste die Einrichtungen des Bauernhofs nutzen, beispielsweise Sauna, Pool, Spielplatz.

Mit diesem Angebot sollen, so sagt Laub, neue Gäste angelockt werden. Die, die wegen der Ferienwohnung nicht unbedingt ins Saarland kommen würden. Neu ist daher auch die Möglichkeite des Kurz-Urlaubs. Die Ferienwohnungen werden in der Saison nur wochenweise vermietet, im Zirkuswagen sind auch schon zwei Übernachtungen möglich. Die erste Übernachtung kostet 110 Euro, jede weitere 90 Euro - für vier Personen. Zwar haben die Wagen auch eine Heizung, aber das Angebot gelte lediglich in der frostfreien Zeit.

Mittlerweile haben die beiden Zirkuswagen auch Namen. Über Facebook konnten die Nutzer abstimmen. Der rote Wagen heißt Rotkehlchen, der grüne Grünspecht.

Zirkusluft mit einbegriffen

In St. Wendel kann man in original Roncalli-Zirkuswagen übernachten

Auch in St. Wendel direkt können Urlauber jetzt im Zirkus nächtigen. Willi Maas, Chef von Hotel & Auberge le Journal, hat zwei original Roncalli-Zirkuswagen gekauft und renoviert. In dem größeren Wagen gibt es drei Räume: ein Schlafzimmer mit Doppelbett, ein Wohnzimmer mit Gussofen, Canapee, Sesseln wie aus Uromas Zeiten sowie einem Entree-Zimmer. Der zweite, etwas kleinere Wohnwagen besteht aus einem Schlafzimmer mit zwei separaten Betten. Außerdem hat Maas einen dritten Wohnwagen mit zwei separaten Bädern hinzu gebaut. Derzeit gelten Eröffnungsangebote von 40 Euro pro Nacht bei Einzelbelegung im kleinen Wagen bis 80 Euro pro Nacht bei Nutzung des großen Wagens als Doppelzimmer, jeweils einschließlich Frühstück.

Informationen: Tel. (0 68 51) 9 37 87 82

Zirkuswagen als Ferienunterkunft weckt Interesse beim Kunden

Das Thema Campingtourismus hat sich in diesem Jahr entwickelt. In diesem Segment gab es im ersten Halbjahr im Saarland einen Zuwachs von 19 Prozent. Nachgefragt werden auch alternative oder originelle Übernachtungsmöglichkeiten. Das erzählt Birgit Grauvogel, Geschäftsführerin der Tourismus-Zentrale Saarland, im Gespräch mit SZ-Redakteurin Melanie Mai.

Auf möglichst originelle Weise übernachten, das scheint ein Trend zu sein. Wie erklären Sie sich das?

Birgit Grauvogel: Das Angebot schafft hier die Nachfrage. Originelle Ideen für außergewöhnliche Übernachtungsmöglichkeiten wie der Schäferwagen in der Rhön oder jetzt auch der Zirkuswagen im Saarland sorgen zunächst einmal für Aufmerksamkeit beim Kunden und wecken Interesse. Bei Familien dient es natürlich auch als Anreiz für eine andere Urlaubsform. Nach dem Urlaub kann man dann über das besondere Abenteuer Freunden und Bekannten berichten, die ihren Urlaub im klassischen Hotel verbracht haben.

Das Glamping im klassischen Sinn ist allerdings etwas anders ausgerichtet. Das glamouröse und komfortable Campen ist in der Regel gekoppelt mit dem Bedürfnis auf Reduktion. Ausgelebt wird dies dann in der Natur, in sicherem Abstand zur Zivilisation. Man will sich vom zivilisatorischen Ballast befreien und der Natur möglichst nah sein, dies aber auf komfortable Art und Weise.

Wie ist die Nachfrage nach solchen Übernachtungsmöglichkeiten im Saarland und im Landkreis St. Wendel?

Grauvogel: Die Nachfrage nach originellen Übernachtungsformen ist größer als das vorhandene Angebot. Deshalb muss man bei der Bewerbung dieser Angebote dezenter vorgehen. Verfügbarkeiten und Kapazitäten sind insbesondere zu den beliebten Reisezeiten - verlängerte Wochenenden, Ferien - knapp. Im Saarland haben wir für die Zielgruppe der Familien schon Knappheit bei ähnlichen Übernachtungsformen wie dem Urlaub auf dem Bauernhof.

Übernachten im Zirkuswagen, wird das noch anderswo im Saarland angeboten außer in St. Wendel?

Grauvogel: Der Zirkuswagen ist im Saarland neu. Allerdings kann man auch schon seit längerem in Weinfässern übernachten.

Welche originellen Übernachtungsmöglichkeiten - Stichwort Glamping - gibt es ansonsten noch im Saarland und im Landkreis St. Wendel?

Grauvogel: An den Schwarzrinder Seen in Weiskirchen-Thailen gibt es seit letztem Jahr ein ganzes Dörfchen mit solchen Weinfässern - inklusive Brötchenservice zum Frühstück. Auch in der Biosphäre Bliesgau werden die Schlaffässer seit diesem Jahr vom Hotel Bliesbrück angeboten. Am Bostalsee können Familien mit Kindern auf dem Campingplatz seit dieser Saison Märchenhäuser bewohnen. An der Saarschleife kann man als Cloefhänger Biwak in den Bäumen machen. Schwindelfreiheit vorausgesetzt. Im benachbarten Lothringen mitten im Tierpark St. Croix am Stockweiher kann man gleich eine ganze Palette alternativer Übernachtungsformen ausprobieren. Von der Trapperhütte am Wolfsgehege über großräumige Serengeti-Zelte mit Safari-Atmosphäre bis zur Original-Yurte kann man dort inklusive Parkeintritt und Frühstücksservice außergewöhnlich übernachten. Ein echtes Erlebnis, das übrigens sehr gut nachgefragt wird.

Aber auch klassische Campingplätze könnten ihr Angebot mit ähnlichen Produkten aufwerten. Das großräumige Tipizelt als Mieteinheit inklusive finnischem beheizbarem Badefass zum nächtlichen Sterne-Gucken im Freien ist eine weitere denkbare Möglichkeit und birgt genügend Stoff, um es nach dem Urlaub seinen Freunden und Bekannten zu erzählen.