Lokalpolitiker in St. Wendel fordern das Hil-Werk zukunftsfähig zu machen

Kostenpflichtiger Inhalt: Entscheidung zum Hil-Werk in St. Wendel : Freude nach Stopp der Privatisierungspläne

Nach der Entscheidung zum Hil-Standort in St. Wendel fordert die lokale Politik, das Werk zukunftsfähig zu machen.

Große Erleichterung in St. Wendel: Seit Donnerstag steht fest, dass das Werk für Heeresinstandsetzungslogistik (Hil) nicht privatisiert wird. Wie Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) bekannt gab, solle es sogar noch weiter ausgebaut werden (wir berichteten). Eine Zusage, die bei Matthias Moseler, Gesamtbetriebsrat- und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Hil GmbH, ein freudiges Gefühl ausgelöst hat. „Wir sind glücklich, dass es endlich eine Entscheidung gegeben hat, die zudem genau das trifft, was wir uns erhofft haben und dass wir uns die nächsten 20 Jahre keine Sorgen mehr machen müssen“, unterstreicht er.

Moseler kämpft bereits seit 2016 gegen die Privatisierungspläne der damaligen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Dass diese nun vom Tisch sind, bringe seiner Ansicht nach auch einen Paradigmen-Wechsel mit sich. Bisher habe man etliche Aufträge an die Industrie abgeben müssen. „Jetzt sollen nur noch die Aufträge an die Industrie gehen, die wir selbst nicht erledigen können“, erläutert er. Dabei bestehe auch die Möglichkeit, mit der Industrie vor Ort zu kooperieren. „Das ist ein wichtiger Baustein für uns“, sagt Moseler.

Die Bekanntgabe der Verteidigungsministerin löste am Donnerstag nicht nur bei den Hil-Angestellten Freude und Zuversicht aus, sondern auch in der lokalen Politik. Landrat Udo Recktenwald und Bürgermeister Peter Klär (beide CDU) etwa verkündeten in einer gemeinsamen Mitteilung: Die Entscheidung bringe endlich Klarheit für die Beschäftigten, Zukunftsperspektive für das Werk und Entwicklungschancen für den Wirtschaftsstandort St. Wendel. Kreistag und Stadtrat hatten sich bereits 2016 für den Fortbestand in bewährter Struktur ausgesprochen.

Matthias Moseler. Foto: Marc Montag

Wie Recktenwald betonte, entspreche die Entscheidung einer einstimmigen Resolution des Kreistages. Der bekannte sich damit bereits vor drei Jahren nachdrücklich zum Hil-Bundeswehrstandort St. Wendel. Er sprach sich für das Fortbestehen des Werkes in der bewährten und zukunftsfähigen Struktur aus und forderte vom Bund ein klares Bekenntnis zum Erhalt des Standortes, der Arbeitsplätze und damit zur Planungssicherheit für die Beschäftigten. Eine verstärkte Verlagerung von Instandsetzungsaufträgen an die Privatindustrie wurde in der Resolution als nicht nachvollziehbar bewertet. Die Hil sei in ihrer jetzigen Form Garant für die professionelle Instandsetzung und die Verfügbarkeit der Geräte. Sie sei als Dienstleister der Truppe anerkannt und mache einen guten Job.

In seiner Sitzung am 22. März 2016 hatte der St. Wendeler Stadtrat ebenfalls eine Resolution zur Zukunft des Hil-Werkes verabschiedet. Entsprechend zufrieden zeigte sich Bürgermeister Klär von der Entscheidung des Verteidigungsministeriums. „Die wehrtechnischen Betriebe sind nach wie vor ein wichtiger Arbeitgeber in der Kreisstadt und haben von daher große Bedeutung für unseren Wirtschaftsstandort“, sagte er. Zudem habe die Ausbildungswerkstatt des Werkes viele hunderte junge Menschen fit fürs Berufsleben gemacht. Sie seien nun im Hil-Werk, insbesondere aber auch in den zahlreichen Betrieben der Stadt tätig. „Ich bin deshalb sehr froh, dass die jahrelange Hängepartie um die Zukunft des Hil-Werkes in St. Wendel jetzt durch das schnelle und entschlossene Handeln der Bundesministerin im Sinne unserer Stadt beendet wurde.“

Wehrtechnik und Wehrindustrie seien nicht nur unverzichtbar für eine wehrhafte Demokratie, sie seien auch ein wichtiges industrielles und damit wirtschaftliches Standbein in der Region. Recktenwald und Klär sind sich daher einig: Es ist nun erforderlich – wie im Schreiben des Ministeriums angedeutet – umfangreich zu investieren, um das Werk für den „absehbar wachsenden Instandsetzungsbedarf“ zukunftsfähig aufzustellen, den Investitionsstau aufzulösen, neue Baumaßnahmen anzustoßen und ins Personal zu investieren.

Für den Ausbau des Hil-Werkes in St. Wendel seien laut des Gesamtbetriebsratsvorsitzenden auch Kooperationen mit Nachbar-Unternehmen angedacht – etwa mit der Kraus-Maffei-Wegmann-Gruppe. Man könne sich gut vorstellen, etwa die Panzer-Teststrecke gemeinsam zu nutzen. Foto: Matthias Moseler

Dies fordert auch der CDU Stadtverband St. Wendel. Da die Bundeswehr weiter wachse, gehöre hierzu auch eine Verbesserung der Infrastruktur und mehr Personal. Der Investitionsbedarf für die drei Hil-Werke bundesweit wird demnach auf 160 Millionen Euro beziffert. Der CDU Stadtverbandsvorsitzende Alexander Zeyer sagte: „Wir freuen uns sehr, dass nun endlich Klarheit herrscht. Eine wichtige Entscheidung für die etwa 400 Mitarbeiter vor Ort und den Industriestandort St. Wendel.“

Der SPD-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Magnus Jung dankte derweil insbesondere dem Hil-Betriebsratsvorsitzenden Matthias Moseler „für seinen jahrelangen mutigen und zähen Kampf gegen die Privatisierung“. Auch er fordert jetzt, dass es massive Investitionen und Personalaufstockung in St. Wendel geben muss, weil der Bedarf an Instandsetzung groß sei und das Werk diesen mit großer Qualität und zu guten Kosten abarbeiten könne.

Trotz aller Freude und Erleichterung warnt der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Moseler jedoch davor, sich nach dem gewonnenen Kampf auszuruhen. „Wir müssen jetzt beweisen, dass wir das, was von uns erwartet wird, auch umsetzen können“, stellt er klar und fügt hinzu: „Das müsste auch funktionieren – wenn nicht am Schluss wieder andere entscheiden.“ Das sei derzeit seine Sorge. Moseler zufolge solle ein Projekt-Team eingerichtet werden, das über die Umsetzung der künftigen Infrastruktur-Maßnahmen entscheidet. „Jetzt kommt es darauf an, wer in diesem Team sitzt“, ist er überzeugt. Es sei ein großer Unterschied, ob die Hil GmbH die Dinge selbst in die Hand nehmen dürfe, oder ob sich der Bund darum kümmere. „Wenn wir das Geld und die Aufträge bekommen, haben wir ganz andere Möglichkeiten“, sagt er. Von daher müsse nun geklärt werden, wer bei welchen Baumaßnahmen den Hut auf hat. „Auf dieses Ergebnis sind wir gespannt. Das ist für uns elementar wichtig.“

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