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Lockerungen der Corona-Regeln im Landkreis St. Wendel: Neuer Alltag mit Masken und Plexiglas

Lockerungen der Corona-Regeln im Landkreis St. Wendel : Neuer Alltag mit Masken und Plexiglas

Erster Schritt zurück in eine gewisse Normalität: Mittlere und kleine Läden haben wieder geöffnet und die Geschäftsleute sind vorbereitet. Andrang an den Wertstoffhöfen.

Nach wochenlangem Shutdown wegen der Corona-Pandemie haben am Montag die ersten kleineren und mittelgroßen Geschäfte in St. Wendel wieder geöffnet – wenngleich unter Auflagen. „Wir sind gespannt und lassen uns überraschen“, sagt Ellen Weber vom Lederwarengeschäft Stroppel in der Balduinstraße. Im Laden gilt nun die Einbahnstraßenregelung. Dazu sind Tische aufgestellt, damit die Kundschaft eine hautnahe Begegnung vermeiden kann. „Die Menschen sind teils verunsichert, aber sie haben die Situation auch angenommen“, glaubt Weber. Die Plexiglasscheibe an der Kasse und die Abstandsmarkierungen auf dem Boden gehören mittlerweile zum Standard in einem Geschäftsraum. „Damit schützen wir die Kunden und uns selbst“, erläutert Weber. Der Kontakt und das Gespräch mit der Kundschaft habe ihr in den vergangenen Wochen schon gefehlt. „Mit den Interessenten, die einen Schulranzen kaufen wollen, haben wir vorab schon Termine vereinbart. Auch dadurch sind nie zu viele Menschen gleichzeitig im Geschäft“, sagt Weber.

Eine generelle Maskenpflicht hat Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) für das Saarland noch nicht verordnet. Allerdings tragen alle Mitarbeiterinnen des Textilhauses Houy in der Bahnhofstraße bereits einen modischen Mund-Nasen-Schutz. „Wir fallen noch unter die zulässige Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern“, teilt Inhaber Ekkehart Houy mit. Damit der nötige Abstand gewahrt bleibt, können 15 Kunden gleichzeitig im Geschäft shoppen. Während der gezwungenen Auszeit hat das Textilhaus den Verkauf über den Onlinedienst Instagram angekurbelt. „Da hatten wir schon zu tun, ja wir waren damit zufrieden“, stellt Houy fest. Seine Belegschaft sei aus der Kurzarbeit zurück und jetzt freue er sich wieder auf die verbale Kommunikation mit der Kundschaft. „Von ihr haben wir viel Solidarität erfahren“, meint er. Sein Unternehmen erfülle alle Auflagen und Regelungen und deshalb gehe er die Phase der viel zitierten Corona-Lockerung mit einem guten Gefühl an.

Vier Wochen glich die Innenstadt einem von allen Seelen verlassenen Goldgräbernest. Ausgerechnet beim Neustart der Kaufleute ist die Bahnhofstraße wegen einer Baumaßnahme teilweise halbseitig gesperrt. „Wir hoffen, dass die Menschen die innerstädtischen Händler nun wieder zu schätzen wissen. Wir sind gerüstet, alle geforderten Standards sind erfüllt“, sagt Jochen Klein von Klein Buch und Papier GmbH. Positiv gestimmt und zuversichtlich startet er nach der Zwangspause in die Zukunft, wenn auch alles für den Kaufmann „ein Stochern im Nebel“ ist. „Ich weiß erst am Abend, ob ich ärmer geworden bin“, so Klein. Die Öffnung der Läden sieht er als Schritt in die richtige Richtung. „Es fehlt aber noch an der Kundenfrequenz, weil die Gastronomie noch nicht offen ist“, meint er. Denn kein Kunde von auswärts komme, um nur einen Schnellhefter zu kaufen. „Die Menschen verbinden ihren Einkauf mit einem Aufenthalt auf dem Schlossplatz und dem Besuch beim Arzt oder Friseur“, sagt Klein. Hauptsache, die Auflagen seien mal gelockert, den Rest werde die Zeit zeigen.

Gerade mal 16 Tage lang hat Nils Henkes seine meist jugendliche Kundschaft in Slappys Local Skateshop in der Luisenstraße mit einem szenetypischen „Hi“ begrüßen dürfen. „Von heute auf morgen habe ich dann am 18. März dichtmachen müssen“, blickt Henkes einen Moment zurück. Klar habe wegen der Corona-Pandemie die Gesundheit der Menschen absoluten Vorrang. „Den Laden vier Wochen geschlossen zu haben, war aber auch schon hart“, gesteht er. In der Zwischenzeit habe er keine weiteren Bestellungen für sein Skater-Sortiment aufgegeben. Nicht mehr als vier Kunden dürfen laut Regelung gleichzeitig den Laden betreten, zuvor steht Händedesinfektionsmittel für sie bereit. Bei seiner zweiten Geschäftsöffnung innerhalb von sechs Wochen ist Henkes bestens drauf und hofft, dass auch seine Skaterkunden im Wendelinuspark zügig wieder loslegen können.

Mund-Nasen-Schutz und Handschuhe für den Einkauf vergessen. Macht nichts. Das Herrenbekleidungsgeschäft Erhardt stellt die Schutz-Utensilien seiner Kundschaft als Service zur Verfügung. „Maximal vier Kunden können in den Raum, damit ist der vorgeschriebene Abstand gewahrt“, sagt Inhaber Bayan El-Beituni. Zusätzlich bietet er telefonische Beratung an und sendet die ausgewählte Ware zu. „Ich bin froh, dass jetzt der Laden wieder offen ist. Die Sperrzeit war massiv hart und ich habe Soforthilfe beantragen müssen“, berichtet El-Beituni, der sich auf Kundschaft freut.

Ellen Weber vom Lederwarengeschäft Stroppel. Foto: Frank Faber
Beratung und Verkauf mit Maske: Ekkehart Houy und Ehefrau Heidi sowie Mitarbeiterin Marie Jurkschat (von links). Foto: Frank Faber
Zweite Ladenöffnung innerhalb kurzer Zeit: Nils Henkes von Slappys Local Skateshop freut sich auf seine Kunden. Foto: Frank Faber
In Einweg-Schutzanzügen haben die Mitarbeiter des St. Wendeler Wertstoffhofes am Montag wieder die Arbeit aufgenommen. Foto: Frank Faber

Davon hat zur gleichen Zeit das Fahrradgeschäft we cycle in der Linxweilerstraße jede Menge. 17 Radler warten geduldig auf dem Parkplatz, bis sie an der Reihe sind. Ein ähnliches Bild – hier aber Autos statt Menschen – bietet sich an den Wertstoffhöfen in St. Wendel und Wolfersweiler. In der Dr.-Walter-Bruch-Straße hat sich der Verkehr gestaut. Langsam, aber sicher geht es vorwärts. „Der Andrang war zu erwarten und wird sich wohl die ganze Woche noch hinziehen. Wir hatten ja auch eine geraume Zeit zu“, begründet Jörg Eckfelder vom Wertstoffhof der Stadt St. Wendel. Drei Fahrzeuge werden gleichzeitig auf dem Gelände entladen. Dabei tragen die Mitarbeiter Einweg-Schutzanzüge und Masken. „Der Kunde muss nur zum Zahlen aussteigen“, so Eckfelder. Ein Spiegelbild der Szenerie vor dem EVS-Wertstoffhof in Wolfersweiler: 21 Autos stehen in Reih und Glied nach der Zwangssperrung zur Entladung bereit. Bis es so weit ist, müssen die Anlieferer Geduld aufbringen.