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Lesestoff gibt es trotz Corona lokal

Gegen die Langeweile : Lesestoff gibt es trotz Corona lokal

Ob Buchhändler oder Bibliothek – sie wollen die Menschen vor Ort weiterhin mit Büchern versorgen. Wer auf der Suche nach dem passenden Titel ist: Vielleicht passt ja eine Idee aus der Redaktion.

Eines muss man der Corona-Krise zugestehen, sie hat unseren Alltag teilweise entschleunigt. Wir haben Zeit gewonnen. Und die gilt es, auch zu nutzen, zu genießen. Wie wäre es zum Beispiel mit einem guten Buch? Wobei sich da auch prompt die Frage stellt: Wie kommen die Menschen jetzt – da Bibliotheken und die Läden um die Ecke geschlossen sind – an neuen Lesestoff?

Auf gewisse Weise immer noch lokal, aber anders organisiert als zuvor. So hat die Stadt- und Kreisbibliothek in St. Wendel zum Beispiel einen neuen Abholservice ins Leben gerufen. Nachdem einige Anfragen eingegangen waren, ob es neben dem Service der onleihe-Saar, nicht auch ein Angebot vor Ort geben könnte, haben sich Leiter Uwe Hippchen und sein Team etwas einfallen beziehungsweise sich von Kollegen in Rüdersdorf bei Berlin inspirieren lassen. „Im Deutschlandfunk wurde über deren kontaktlose Ausleihe berichtet“, sagt Hippchen. Diese funktioniert über eine Art Schleuse. Eine solche gibt es quasi auch am Mia-Münster-Haus. „Da wir hier am Eingang zwei Türen hintereinander haben, können wir den Zwischenraum als Übergabestelle nutzen“, erläutert der Bibliotheks-Leiter. Jeder, der einen Bibliotheks-Ausweis hat, kann per Mail oder Telefon bis zu fünf Medien (Bücher, CDs, DVDs, Tonies) bestellen. Diese werden dann verpackt und mit Namen versehen. „Mit dem Besteller vereinbaren wir einen Abholtermin.“ Zu dem verabredeten Zeitpunkt steht das Buchpaket auf einem Tisch im Eingangsbereich bereit. Der Besteller muss nur klingeln, in den Übergaberaum eintreten und da seine Tüte mitnehmen. Sind die Bücher gelesen, die Filme geguckt, können diese über die Außenrückgabe auf der Rückseite des Gebäudes – ebenfalls kontaktlos – wieder abgegeben werden. Seit Dienstag ist der Abholservice gleich mit mehreren Bestellungen gestartet, wie Hippchen berichtet. Karfreitag bis Ostermontag ist wie üblich geschlossen. Am Dienstag, 14. April, geht es mit der kontaktlosen Ausleihe weiter.

Das Ladenlokal von Buch + Papier Klein in der St. Wendeler Bahnhofstraße ist aktuell verwaist, wegen der Corona-Krise geschlossen. Ebenso die Filialen in St. Ingbert und Illingen. „Aber es kann direkt über die Online-Seite bestellt werden“, sagt Inhaber Jochen Klein. Per Post gehe die Ware direkt zum Kunden. Das funktioniere sehr gut. „Wer bestellt, muss nur eine Sache beachten: bei der Wahlmöglichkeit Versand nach Hause oder in die Filiale muss die erste Variante ausgewählt werden, da die Geschäfte ja geschlossen sind“, erläutert Klein. Die Umsätze online würden steigen. „Ich habe schon das Gefühl, dass die Leute aus Solidarität auch online lokal kaufen“, bewertet der Geschäftsmann.

Helga Bastuck, Inhaberin von Bücher Bastuck in St. Wendel, erinnert sich noch an das Gefühl, als sie von einem auf den anderen Tag den Laden zuschließen musste. „Aber wir sind trotzdem da“, sagt sie. Bestellungen von Büchern sind online, per Mail und per Telefon möglich. „Die bestellten Bücher liefern wir dann aus“, berichtet Helga Bastuck. Das käme bei den Kunden gut an. Im Stadtgebiet geht es zu Fuß oder mit dem Rad zu den Leuten, für weitere Strecken werde das Auto genutzt. Auch per Post gehen Büchersendungen raus – nach ganz Deutschland und in angrenzende Länder.

In Telefongesprächen mit Kunden hat sie festgestellt, dass es in der aktuellen Krise eine Rückbesinnung auf die wesentlichen Dinge gebe. Unter anderem fürs Schmökern  nehmen sich die Menschen wieder mehr Zeit. „Auch ich sitze gerne bei dem schönen Wetter auf dem Balkon und lese.“