Lauffest mit Spaßfaktor

Weniger Zuschauer, dennoch eine irre Stimmung: Der Marathonlauf in St. Wendel ist ein Breitensportereignis. In Urweiler feierten die Zuschauer eine Party an der Strecke. Auf dem Asphalt waren unter anderem flotte Enten, die Stiftung Wadentest, Mountainbiker, die sonst durch die grüne Hölle rasen, und ein Geburtstagskind unterwegs.

Die Geburtstagstorte für Dirk Weiant aus Urweiler, der 58 Jahre alt wurde, fährt ihm eine zeitlang hinterher.
Einer der ältesten Läufer ist Armin Bock (76) aus Eisen.
Der Service passt: Dietmar Bier beim Getränkefassen.

Nicht jedermann hat Lust dazu, die Strapazen eines Marathonlaufes - oder auch nur die Hälfte an Kilometern - an einem frühen Sonntagmorgen auf sich zu nehmen. Trotzdem haben jede Menge Hobbysportler mit viel Spaß am Laufereignis in der Kreisstadt teilgenommen.

Die Staffeln sind bereits länger der Garant, dass die Teilnehmerzahlen bei vielen Laufevents nicht ganz in den Keller rutschen. Vier Leute, alle laufen für das Ziel Ankommen und sie sind kreativ bei der Wahl des Teamnamens, wie beispielsweise die "Stiftung Wadentest". Am freien Tag bewegte sich eine Gruppe von Mitarbeitern der Arge mit im großen Pulk. Das Quartett der evangelischen Kirchengemeinde schwänzte sogar das Hochamt. "Wir haben auf der Strecke gebetet", verkündete Presbyteriumsmitglied Jürgen Hermann. Deshalb wurde ihr Zieleinlauf mit dem Glockengeläut von der Stadtkirche begleitet. Die Freisener Mountainbiker , die ansonsten bevorzugt im bergigen Terrain der grünen Hölle zwischen 27-Gängen wählen, rannten über den nahezu tellerflachen "Highway to Hell". Uwe Glasen stellte diesbezüglich klar "Wenn doch bei uns in der Nähe eine Veranstaltung ist, dann machen wir doch mit". Für die "flotten Enten" aus Saarbrücken war es der erste kollektive Marathon. Dabei sind sie richtig auf den Geschmack gekommen. "Es werden noch weitere Starts folgen", sagte die "flotte Ente" Senta Hess.

Mit dem Hit "Runaway" (zu deutsch: Ausreißen) von BonJovi wurden alle Läufer am Schlossplatz auf die Strecke geschickt. Unterwegs unterhielten Musikbands die vorbeilaufenden Sportler. In Stadtteil Urweiler schien es, als hätten die Bürger wegen des Großereignisses ihr Domizil verlassen. Stimmt. Vom Gottesdienst marschierten die Menschen gleich eine Station weiter. Der Sport- und Turnverein (STV) zog an der Hauptstraße seine Marathonparty ab, diesmal ohne Sitztribüne. "Der Aufbau hat aus zeitlichen Gründen nicht mehr hingehauen", teilte DJ Mööf (Andreas Mörsdorf ) mit.

Gestärkt mit Rührei und Speck warteten die Urweiler bis ihr Mitbürger Dirk Weiant mit der Startnummer 1904 im Halbmarathonfeld auftaucht. An seinem 58. Geburtstag hatten die Kumpels des Ex-Kickers einen grandiosen Gag vorbereitet, den er so schnell nicht vergessen wird. Weiant staunte Bauklötze, plötzlich fuhr ein Elektro-Mobil mit einer aufgeblasenen 1,80 Meter hohen Geburtstagstorte neben ihm her. Und fast ganz Urweiler feierte stehend das Wiegenfest des laufenden Lokalathleten.

Für die finalen Meter in der Bahnhofstraße, die in früheren Jahren mit viel mehr Marathon-Publikum bevölkert war, komplettierten die Staffeln wieder ihr Quartett. Gemeinsam genossen sie den Adrenalinstoß - das Gruppenerlebnis - einen umjubelten Zieleinlauf am Schlossplatz.

Die Siegerehrung ging im Saalbau über die Bühne. Insgesamt hatten sich beim neunten St. Wendeler Marathonlauf 1842 Sportler angemeldet, 247 davon für die 42,195 Kilometer lange Schleife, 961 für den Halbmarathon, wovon sich laut der Streckensprecher 859 Läufer auf die Piste begaben. 87 Staffeln standen auf dem Meldebogen für den Team-Marathon und über 250 Kids schnürten die Laufschuhe.