1. Saarland
  2. St. Wendel
  3. St. Wendel

Wallfahrts-Woche: Künstler geben Wendelin ein Gesicht

Wallfahrts-Woche : Künstler geben Wendelin ein Gesicht

14 Tage Wallfahrt in St. Wendel: Während der Jubiläums-Festwochen dreht sich auch die Kunst um den Stadtheiligen Wendelin.

„Er ist ein ruhiger Kerl mittleren Alters“: Dieses Bild von Wendelin hat Kettensägenkünstler Andrej Löchel aus Bliesen im Kopf. Im Auftrag der Pfarreiengemeinschaft St. Wendel schafft er gerade aus einem 600 bis 700 Kilo schweren Eichenholz-Block eine Statue des Stadtheiligen. Zeitgleich mit dem Lebens-Art-Markt in St. Wendel wollte der Künstler am vergangenen Wochenende im Pfarrgarten an der Figur arbeiten. Doch die Motorsäge war zu laut für einige Aussteller. Daher musste Löchel abbrechen (wir berichteten). Mit einer leiseren Akkusäge hat er dem Stadtheiligen aber schon mal ein Gesicht gegeben. Immerhin war das Abbild des Heiligen ein gefragtes Fotomotiv. Die Begeisterung der Menschen für Wendelin, die immer wieder an der entstehenden Statue vorbeischlenderten, hat auch Pastor Klaus Leist gefallen. Der Pfarrgarten als mögliche Heimat des Kunstwerks erschien vielen Besuchern als passend, was wiederum den Geistlichen zum Nachdenken brachte. „Während der Wallfahrt werden wir Wendelin wohl im Pfarrgarten aufstellen“, verkündet er nun. Das 1400. Todesjahr Wendelins wird mit einer Jubiläums-Wallfahrt vom 15. Oktober bis 1. November gefeiert. Sie ist der Grund für den Auftrag an Künstler Löchel, eine Statue des Heiligen zu gestalten. Stehen soll sie später im Wendelstal „Wir müssen noch den perfekten Platz festlegen“, sagt Leist.

Den Pfarrgarten hat Wendelin am Montag erstmal wieder verlassen. Löchel wird die Holzstatue in seinem Atelier vollenden. Der bislang nur angedeutete Hirtenstab wird noch herausgearbeitet, ebenso ein Schaf. Diese Attribute für Wendelin, den Hirten, waren Pastor Leist wichtig. Ansonsten lasse er dem Künstler bei der Gestaltung freie Hand. Andrej Löchel weiß genau, wie sei Werk aussehen soll, hat alles im Kopf. Auf Skizzen verzichtet er meistens. „Ich bin oft zu ungeduldig, um vorher Zeichnungen anzufertigen. Denn die bräuchten ja auch ihre Zeit“, erklärt der 28-Jährige. Mit Sockel wird die Statue später zwei Meter messen. Während der Künstler zunächst mit der Motorsäge ans Werk geht, kommt beim Herausarbeiten des Gesichts die kleinere Akkusäge zum Einsatz. Dennoch gilt: „Ein Fehler im Gesicht, dann ist es vorbei.“ Donnerstag will Löchel mit der Heiligen-Statue fertig sein. Dann hat er insgesamt 25 Stunden daran gearbeitet.

Wallfahrt und Kunst — das ist schon seit einigen Jahren eine Kombination. Als Klaus Leist vor mehr als fünf Jahren nach St. Wendel kam, sei die Wallfahrt etwas spießig gewesen. „Ich habe mich gefragt, wie ich Kinder und Jugendliche zur Wallfahrt bringen kann. Und ich wusste, das kann nur über die Kunst gelingen“, erinnert sich der Seelsorger. 2013 haben sich dann erstmals Schüler kreativ mit dem heiligen Wendelin beschäftigt: Mobilees, Bilder und Bastelarbeiten sind entstanden. Seither ist Wendels-Art fester Bestandteil der Festwoche. Dieses Mal geht’s um Foto-Kunst. Der Fotoclub Tele Freisen stellt Bilder in der Basilika aus. Thema: der heilige Wendelin und seine Wirkungsorte.

Im Jubiläumsjahr gibt es ein offizielles Wallfahrtsbild. Geschaffen hat dieses die rheinländische Künstlerin Beate Heinen. Pastor Leist hat sie über das Franziskaner Kloster in Waldbreitbach kennen gelernt. In dem rheinland-pfälzischen Ort war er als Kaplan tätig und pflege nach wie vor den Kontakt. Das Bild zeigt den Stadtheiligen umgeben von Schafen vor der Wendelskapelle. Seine feinen Gesichtszüge erinnern auf den ersten Blick auch an Darstellungen Jesu in der Kunst. „Wendelin ist in der Nachfolge Jesu, der zum Urbild des guten Hirten wurde“, sagt Leist. Das Gemälde werde in der Basilika aufgestellt.

„Wunder — Die Lebensgeschichte des heiligen Wendelin“ ist der Titel eines Musicals. Text und Musik stammen von Jürgen Brill. Premiere feierte das Stück im April am Gymnasium Wendalinum, im Juni würde es im Härtelwald in Marpingen aufgeführt. „Es ist schön, dass sich Kinder und Jugendliche dadurch in die Lebensgeschichte Wendelins hineinversetzt haben“, freut sich der Geistliche. Während der Wallfahrtswoche ist das Musical am Samstag, 21. Oktober, 17 Uhr, in der Basilika zu sehen. „Und im November wollen wir es in der Stiftung Hospital für die älteren Menschen aufführen“, verrät Leist.

Als Namensgeber für Stadt, Landkreis und Hallenbad ist der Heilige in der Region präsent. Doch wie steht es um seine Wirkung über die Grenzen hinaus? Dieser Frage geht der Film „Wendelin welt weit“ nach. In den USA, Brasilien oder Ungarn wurde gedreht. Als Premiere sind die Aufnahmen am Mittwoch, 11. Oktober, im St. Wendeler Kino zu sehen. Weitere Termine während der Wallfahrt sind geplant.

 Malerin Beate Heinen präsentiert zusammen mit Generalsuperior Bruder Ulrich Schmitz das Wallfahrtsbild.
Malerin Beate Heinen präsentiert zusammen mit Generalsuperior Bruder Ulrich Schmitz das Wallfahrtsbild. Foto: B&K

Ob Kunst, Musical oder Film — neben klassischen Pilgerveranstaltungen haben Kinder, Jugendliche und Erwachsene während der Wallfahrtswoche, genauer gesagt Wallfahrtswochen — wegen des Jubiläums wurde verlängert — die Gelegenheit, sich auf vielfältige Weise mit Wendelin zu beschäftigen. Pastor Leists größter Wunsch fürs Jubiläum: „Ich wünsche mir, dass sich ganz viele Menschen durch Wendelin angezogen fühlen und so wieder mit Gott in Berührung kommen.“