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Kritik an Stadt St. Wendel wegen Spielplatz in Oberlinxweiler

Besorgte Eltern : Spielplatz in Oberlinxweiler gefährlich für Kinder?

Besorgte Eltern haben Unterschriften gesammelt. Die Stadtverwaltung sagt, es sei alles in Ordnung — und will doch noch einmal genauer hinsehen.

Kinder wollen spielen, denn im Spiel lernen sie die Welt kennen. Auf Spielplätzen können sie klettern, balancieren, rutschen und schaukeln, was das Zeug hält. Der Nachwuchs lernt, wie sich Sand anfühlt, und er kann sich kreativ und gestalterisch ausleben. Doch Spielplätze sind mehr als reine Vergnügungsorte. Denn hier lernen Kinder auch ihre körperlichen Fähigkeiten richtig einzuschätzen, sie lernen Respekt, Solidarität und entwickeln – im Optimalfall in gesundem Maß – Durchsetzungsvermögen. Für all das müssen Spielplätze in einem guten Zustand sein, sodass sich kein Kind an den Geräten verletzen oder darauf verunglücken kann. Und hier, das befürchten zumindest 44 Unterzeichner einer Unterschriftenliste, gibt es in Oberlinxweiler ein Problem. Es geht um den Spielplatz im Wohngebiet am Spiemont. Dessen Zustand war Mitte Februar Thema in der Sitzung des Oberlinxweiler Ortsrates. „Besorgte Eltern und Bürger hatten hierzu vorab ein Schreiben mit 44 Unterschriften abgegeben“, berichtet Jörg Birkenbach, Ortsvorsteher des St. Wendeler Stadtteils. Kernproblem sei aus Sicht der Unterzeichner der mangelnde Zustand der Spielgeräte und damit „fehlende Sicherheit und Gefährdung für die dort spielenden Kinder“.

Der Ortsrat von Oberlinxweiler hat laut Birkenbach einstimmig beschlossen, das Anliegen der Unterzeichner zu unterstützen und die zuständige Stelle bei der Kreisstadt St. Wendel schriftlich darum zu bitten, hier kurzfristig Abhilfe zu schaffen. Denn, wie Birkenbach sagt: „Hier liegt was im Argen.“ Die Gerätschaften müssten seiner Ansicht nach „komplett überholt werden. Außerdem muss an den Geräten der Fallschutz ausgetauscht beziehungsweise wieder aufgeschüttet werden“. Er wolle nicht übertreiben, „aber die eine oder andere Verletzung könnte sich ein Kind dort schon zuziehen“. Und er habe das Gefühl, „dass man gegenüber der Stadt immer in die Offensive gehen muss, damit in dieser Hinsicht etwas passiert“. In diesem Zusammenhang kritisiert er auch die Kommunikation aus dem Rathaus heraus. So habe er auf das Schreiben des Ortsrats mit der Unterschriftenliste bis dato noch keine Antwort vonseiten der Stadt erhalten.

„Das Schreiben ist bei uns eingegangen“, bestätigt Stadt-Sprecher Volker Schmidt bei einem Pressegespräch im städtischen Rathaus. An dem Gespräch nehmen auch Bürgermeister Peter Klär (CDU) und Stephan Dillinger, Chef des St. Wendeler Bauamtes, teil. Dass der Spielplatz an der Ecke Spiemontstraße/Zum Schlossberg derzeit nicht im allerbesten Zustand sei, wollen Schmidt und Dillinger nicht ausschließen. Schließlich gehe jetzt erst das Frühjahr los und somit auch die Spielplatz-Saison. „Wir haben jetzt mit den Hauptinspektionen der einzelnen Plätze angefangen“, berichtet Dillinger. Im März und April gehe die Jahresinspektion gemeinhin über die Bühne. Dann werde der Fallschutz kontrolliert und gegebenenfalls aufgeschüttet, der Sand in den Sandkästen ausgetauscht, die Standsicherheit werde überprüft und das wuchernde Grün unmittelbar an den Geräten entfernt – auf jedem Platz und an jedem Spielgerät. 40 Spielplätze unterhält die Stadt nach Angaben Dillingers in 16 Ortsteilen. Jeder ist individuell bestückt.

Instandgehalten würden diese von Mitarbeitern des Bauhofs, für die Inaugenscheinnahme seien drei zertifizierte Spielplatzkontrolleure zuständig. Die arbeiten laut Dillinger auch mit vorgegebenen Prüfkörpern. Mit einem solchen könne beispielsweise geprüft werden, ob die Glieder einer Schaukel-Kette eng genug sind. So eng, dass kein Kinderfinger durchpasst, der sich verklemmen könnte. Denn das hätte bei einem Sturz fatale Folgen. „Diese grundhaften Überprüfungen sind auch immer eine Bestandsaufnahme“, sagt Bürgermeister Klär, „was ist kaputt, was muss repariert, erneuert oder ausgetauscht werden.“

Zwischen 100 000 und 150 000 Euro gibt St. Wendel jedes Jahr für seine Spielplätze aus. Nicht nur für die Erneuerung defekter Geräte, sondern auch für die regelmäßige Pflege der Plätze. Wie die zu gestalten sind, steht im Spielplatzkonzept der Stadt. Das umfasst derzeit 73 Seiten „und wird regelmäßig fortgeschrieben“, erklärt Schmidt und nennt es Work-in-Progress, also ein unvollendetes, weil ständig zu aktualisierendes Werk. Dort steht zum Beispiel drin, welche DIN-Normen bei der Spielplatzgestaltung zu beachten sind. „Wobei“, wirft Bauamtsleiter Dillinger ein, „es gibt auch einen Bestandsschutz. Demnach sind alte Spielgeräte, solange sie verkehrstauglich sind, noch gut – auch wenn sie nicht mehr unbedingt der neuesten Norm entsprechen.“ Die Spielgeräte in Oberlinxweiler seien bespielbar, sicher „und das ist für uns zunächst einmal ausreichend“, sagt Schmidt. Bürgermeister Klär verspricht indes: „Wir gucken da jetzt nochmal ganz genau hin. Und wenn doch etwas auszutauschen ist, werden wir das machen.“

 Die Sitzflächen auf der Wippe sind mehr als abgenutzt und dringend erneuerungsbedürftig.
Die Sitzflächen auf der Wippe sind mehr als abgenutzt und dringend erneuerungsbedürftig. Foto: Thorsten Grim
 Das Geländer am Aufgang zur Rutsche ist rechts ein wenig aufgeplatzt. Aber die Stelle ist nicht scharfkantig. Ein Kinderfinger dürfte auch nicht reinpassen. Aber schön ist anders.
Das Geländer am Aufgang zur Rutsche ist rechts ein wenig aufgeplatzt. Aber die Stelle ist nicht scharfkantig. Ein Kinderfinger dürfte auch nicht reinpassen. Aber schön ist anders. Foto: Thorsten Grim

Abschließend weist Stadt-Sprecher Schmidt darauf hin, „dass wir auf Rückmeldungen der Bauhofmitarbeiter ebenso angewiesen sind, wie auf Hinweise aus der Bevölkerung. Wenn jemand etwas sieht, soll er sich bitte direkt an uns wenden, damit wir tätig werden können.“ Klär sagt: „Das gilt auch, wenn in einem Wohngebiet wieder mehr Kinder sind. Wenn man uns sagt, dass es einen Bedarf gibt, überprüfen wir das umgehend und leiten etwas in die Wege.“ So 2016 in Alsfassen in der St. Ingberter Straße geschehen. Zwar gab es dort einen Spielplatz, doch die Zahl der Kinder war lange Jahre rückläufig. Und so wurde der Platz zwar instandgehalten, aber nicht mehr aufgewertet. „Aber da sind Eltern zu uns gekommen und haben uns darauf angesprochen, dass es dort wieder viele Kinder gibt. Daraufhin haben wir gesagt: Dann bauen wir neu.“ Das sei eine tolle Sache gewesen, weil die Eltern sich intensiv eingebracht hätten. „Und als alles fertig war, haben wir gemeinsam ein kleines Fest gefeiert.“ Ähnlich sei das auch in Bliesen im Neubaugebiet unweit des Augenborns gelaufen. „Unser nächstes Spielplatzprojekt steht in Hoof an der alten Schmiede an“, berichtet der Chef der St. Wendeler Stadtverwaltung. Und vielleicht geschieht in absehbarer Zeit auch etwas in Oberlinxweiler.