Schau: Krippen erwachen aus dem Sommerschlaf

Schau : Krippen erwachen aus dem Sommerschlaf

Pünktlich zum ersten Advent ist Karl Heindls Sammlung wieder zu sehen. 550 Krippen hat er zusammengetragen oder auch selbst gebaut.

Während sich Tiere dieser Tag schon einmal für den Winterschlaf rüsten, erwachen in St. Wendel mehr als 550 Krippen aus dem Sommerschlaf. Seit vergangener Woche sind Ernst Wilhelm Kiefer und Marliese Heindl damit beschäftigt, die Räume unterhalb der Missionshaus-Buchhandlung für die traditionelle Krippenausstellung, die am 3. Dezember beginnt,  herzurichten. Behutsam hebt Marliese Heindl ein letztes Tuch von einer der Krippen. „Man muss ganz vorsichtig sein, damit nichts abbricht“, sagt sie. Den kompletten Frühling und Sommer waren die einzelnen Krippen unter den Tüchern verborgen, geschützt vor Staub. Während Marliese Heindl das weiße Stück Stoff verstaut, testet Ernst Kiefer das Licht in den Vitrinen. Alles muss  stimmen, damit die Krippen mit Beginn der Adventszeit in ihrem gewohnten Glanz erstrahlen.

Seit Karl Heindl, der Schöpfer der Ausstellung und vieler der darin gezeigten Krippen im August 2016 gestorben ist, ist die Schau nicht nur eine beeindruckende Privatsammlung kunstvoll gearbeiteter Szenen von Christi Geburt, sondern auch sein Vermächtnis. Und das wahren seine Witwe und sein bester Freund mit viel Einsatz und einer ähnlichen Liebe zum Detail. „Karl ist allgegenwärtig“, sagt Kiefer.

Auch, wenn die beiden die Panorama-Krippe betrachten.1963 bis 1999 hat Karl Heindl daran gearbeitet. Sie ist seiner Witwe die liebste in der großen Sammlung. „Früher mussten wir auch diese Krippe ab- und wieder aufbauen“, erinnert sie sich. Dann brauchten sie gut vier Wochen Vorlaufzeit vor Beginn der Schau. Die Krippenausstellung gibt es schon seit 45 Jahren. Anfangs in verschiedenen Räumen des Missionshauses. Seit 30 Jahren im Gästesaal. Dass die acht Meter breite Szenerie inzwischen dauerhaft in einem Schaukasten ihren Platz gefunden hat, ist nur eine Verbesserung, die mit den Jahren kam.

Marliese Heindl deutet auf eine Schaubox mit Krippe. „Das ist ein Pappkarton“, sagt sie und klopft mit dem Finger dagegen. An der Front ist Glas, das zurechtgeschnitten wurde. „Das waren die Anfänge“, sagt die Witwe des Krippenbauers. Später habe eine Schreinerei die Kästen aus Holz gefertigt. Früher mussten alle Krippen nach der Ausstellung wieder abgebaut werden. „Wir haben sie dann gestapelt und einen Vorhang davor gespannt“, erklärt Kiefer. Jetzt kann der Großteil das ganze Jahr über in den Räumen stehen bleiben. Mit Ausnahme des Eingangsbereichs. Der wird jedes Jahr aufs Neue hergerichtet. „Nach Karls Tod mussten wir erst einmal überlegen, wie alles stand“, sagt Marliese Heindl. Doch aus den Maßen der Vitrinen, die mit Rollen ausgestattet sind, habe sich das Schema schnell wie von selbst ergeben. Sie blickt auf eine Krippe und lächelt. An dieser hat sich einmal mehr das Bastelgeschick und der Erfindungsreichtum ihres Mannes gezeigt. Denn ein Detail des Kunstwerks war zu hoch und passte so nicht durch die Tür. Also habe der Krippenbauer mit einfachsten Mitteln einen Klappmechanismus eingebaut. „Er sagte dann immer. ,Ich habe ein Patent’. Das war sein Wort für die Lösung eines Problems oder für eine Idee“, erinnert sich Kiefer.

Mit viel Herzblut hat Karl Heindl Krippen gebaut, viele bekam er auch geschenkt. „Die Ausstellung ist ständig gewachsen“, sagt Marliese Heindl. Und damit auch der Bedarf an Fläche. Daher wird jeder Millimeter genutzt. „Wenn Karl irgendwo eine Lücke gesehen hat, hat er Regale gebaut, um weitere Krippen verstauen zu können“, sagt Heindl. Nach dem Tod ihres Mannes soll die Sammlung nicht mehr weiter wachsen. Jetzt ginge es darum, sie zu erhalten.

Und so können die Besucher ab dem ersten Adventssonntag wieder auf eine ganz eigene Weltreise gehen. Denn es sind Krippen aus verschiedenen Ländern, Materialien und Stilen ausgestellt.