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Kommunikation in Zeiten von Corona im Landkreis St. Wendel

Kommunikation in Zeiten von Corona : Bürgernähe per Telefon oder Mail

Verwaltungschefs setzen auf moderne Medien, um die Menschen in Kommunen und Landkreis über Corona zu informieren.

In einer Zeit, in der die Menschen körperlich auf Abstand gehen sollen, um sich und andere vor dem Coronavirus zu schützen, muss Nähe eben anders funktionieren. Telefonate und E-Mails ersetzen das persönliche Gespräch. Auch St. Wendels Landrat und die Bürgermeister nutzen diese Kommunikationswege, um mit den Menschen in Kontakt zu bleiben.

Landrat Udo Recktenwald (CDU) ist dafür bekannt, dass er gerne die Veranstaltungen in der Region besucht, um sich mit den Bürgern auszutauschen. „Aber das geht jetzt ja nicht mehr“, bedauert er. Aktuell setzt er verstärkt auf moderne Medien. E-Mail, Facebook, Whatsapp – oft würden ihm die Menschen auf diesem Weg Fragen stellen. „Klar, ich könnte sie an die Info-Hotline des Landkreises verweisen. Aber ich bemühe mich möglichst selbst um eine Antwort“, betont er. Ihm sei es wichtig, den Bürgern das Gefühl zu vermitteln, dass er selbst für sie da sei. Der Landrat hat beobachtet, dass die Menschen die sozialen Medien seit den Ausgangsbeschränkungen noch intensiver nutzen. So hätten beispielsweise deutlich mehr Anwender die Facebook-Seite des Landkreises St. Wendel abonniert und einzelne Beiträge würden mehr Gefällt-Mir-Angaben bekommen als vor der Corona-Krise. „Die Menschen wollen informiert werden“, ist Recktenwald überzeugt. Daher veröffentlicht der Landrat auf Facebook immer mal wieder Videos, in denen er über die aktuelle Lage berichtet.

Per Video kommt dieser Tage auch Bürgermeister Hermann Josef Schmidt (CDU) – wenn gewollt – ins Wohnzimmer der Menschen in der Gemeinde Tholey. Unlängst hat er in einer knapp fünfminütigen Botschaft über das Coronavirus informiert. Auch ansonsten setzt der Verwaltungschef auf moderne Medien. „Wir informieren die Bürger immer aktuell auf unserer Homepage und via Facebook“, sagt er. Das Rathaus steht dieser Tag nicht wie sonst jedem offen. Eintritt nur nach Anmeldung über ein Telefon im Eingangsbereich des Bürger-Service-Centers. Die Leute kämen laut Schmidt aber nicht mehr unnötigerweise ins Rathaus. Sie richten ihre Anliegen per Mail und Telefon an die Verwaltung. „Ich bin den ganzen Tag in meinem Büro und ebenfalls erreichbar“, betont Schmidt. Bewusst sei er auch in seiner Gemeinde unterwegs. Beispielsweise bei einem Spaziergang am Sonntag. Auch da sprechen ihn die Bürger auf die Corona-Krise an – aber stets mit dem angeordneten Abstand. „Die Menschen haben die Maßnahmen verstanden und lassen Vorsicht walten“, sagt Schmidt. Er hofft jetzt, dass alle durchhalten.

In Oberthal ist das Rathaus ebenfalls geschlossen. Wer ein dringendes Anliegen hat, kann klingeln, dann schauen die Mitarbeiter, wie sie helfen können. Der Großteil der Bürgeranliegen wird per Mail oder Telefon erledigt. „Wenn jemand den Wunsch hat, direkt mit dem Bürgermeister zu sprechen, dann versuche ich das zu ermöglichen“, sagt Verwaltungschef Stephan Rausch (CDU). Dass die Pforten des Rathauses geschlossen sind, diene dem Schutz der Mitarbeiter. „Denn ich versuche, die Verwaltung aufrecht zu erhalten, damit wir für die Bürger ansprechbar sind.“ Kleine Anliegen nimmt er auch mal beim kurzen Sprung in den Supermarkt auf. „Ich versuche zu helfen, wo es notwedig ist.“ Seiner Einschätzung nach hätten die Bürger aber auch Verständnis, wenn mal etwas nicht sofort erledigt werden könne. Per Facebook und über den Internetauftritt der Kommune werden die Menschen stets aktuell informiert.

Gleiches gilt in der Gemeinde Freisen. Dort hat Bürgermeister Karl Josef Scheer (SPD) seinen Arbeitsplatz in das Besprechungszimmer des Krisenstabs verlegt. „Die Anliegen der Bürger werden per Zuruf durchs Fenster, per Telefon oder per Mail entgegengenommen“, erklärt der Verwaltungschef. Denn die Türen des Rathauses sind verschlossen. Neun Mitarbeiter arbeiten seit Montag von Zuhause aus, damit die Geschäfte auch dann weiter laufen könnten, wenn das Rathaus unter Quarantäne gestellt werden müsste. Die Kommunikation zwischen Verwaltungssitz und den heimischen Arbeitsplätzen läuft per Videokonferenz. Für die Anliegen der Menschen in der Kommune gibt es ein Bürgertelefon, das täglich – auch am Wochenende – besetzt ist. „Jeden Abend gehe ich in ein anderes Geschäft und schaue, ob alle Regeln wie beispielweise Abstand halten befolgt werden“, sagt Scheer.

Namborns Bürgermeister Sascha Hilpüsch (SPD) ist nach eigener Aussage jemand, der die Dinge gerne persönlich regelt. Auch in Zeiten von Corona tut er dies noch – allerdings stark eingeschränkt. Nach der ersten Allgemeinverfügung vom 16. März ist Hilpüsch in Gaststätten gegangen, um zu sehen, ob Hygiene- und Abstandsregeln der Tische eingehalten werden. „Ich hatte auch einen Zwei-Meter-Zollstock dabei, um zu erklären, worauf es ankommt.“ Inzwischen ist das auch schon wieder anders. Denn seit dem 21. März ist die Ausgangsbeschränkung im Saarland in Kraft. Die Pforte des Rathauses in Hofeld-Mauschbach ist besetzt, die Tür wie bei anderen Verwaltungen auch geschlossen. Dringende Anliegen könnten die Bürger vorbringen. Aber derzeit läuft auch bei der Gemeinde Namborn das meiste über Telefon und Mail. Hilpüsch nutzt Facebook zur Kommunikation und hat einige Whatsapp-Gruppen gegründet. „Zum Beispiel eine mit allen Ortsvorstehern. So können wir uns schnell austauschen“, sagt Hilpüsch. Die Homepage der Kommune sei immer aktuell und mit Formularen, beispielsweise für die Notbetreuung in der Kita, bestückt. Er sei angenehm überrascht über die Zurückhaltung der Menschen. Ob beim Joggen im Wald oder in den Supermärkten – ihm ist aufgefallen, dass die Bürger Abstand halten.