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Kolumne von SZ-Redakteurin Evelyn Schneider über reale und gefühlte Zeit

Kolumne Unsere Woche : Gefühlte Zeit tickt anders

Zeit ist immer Zeit – doch sie fühlt sich nicht immer gleich an.

Das mit der Zeit ist so eine Sache. Zwar sind zwölf Monate ja immer zwölf Monate. Und doch fühlen sie sich oft nicht gleich an. Während ein Ereignis noch so nah wirkt, scheint ein anderes ewig her. Eine Weltrekord-Party mit 700 Feiernden, ein Football-Spiel mit 1000 Zuschauern oder unzählige Badegäste, die das Sommerwetter in den Strandbädern am Bostalsee genießen ... Erinnern Sie sich?

Ich habe in alten Zeitungsausgaben von 2019 geblättert und genau diese Themen Anfang Juni gefunden. Gerade einmal zwölf Monate her und doch kommt es mir so fern vor. Damals flanierte mit Fergie gar ein britischer Royal durch St. Wendels Fußgängerzone, Menschen lächelten ihr entgegen – ohne Mundschutz. Bei Sonnenschein zog es uns ins Freibad, mit Hunderten Menschen feierten wir gemeinsam ein Fest oder genossen ein Konzert. Vieles war damals so selbstverständlich. Jederzeit möglich. Vor einem Jahr hätte ich mir niemals vorstellen können, dass im Juni 2020 das Wörtchen „abgesagt“ die Veranstaltungskalender in der Region dominieren würde. Und jetzt habe ich mich schon fast daran gewöhnt.

Corona ist seit Monaten präsent in unserem Leben. Nur langsam kehrt wieder ein Hauch Normalität ein. So wird es auch im Sommer 2020 in die Freibäder gehen – nur anders. Werden wir Konzerte genießen – mit Abstand. Ich frage mich, wie werde ich im Juni 2021 denken. Werden mir die Einschränkungen dann ganz fern erscheinen oder noch so nah?