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Kalibo beim Weihnachtsmarkt in St. Wendel

Weihnachtsmarkt : Zauberhafter Wegelaberer als Markt-Maskottchen

Seit fünf Jahren ist Magier Kalibo beim St. Wendeler Weihnachtsmarkt am Start. Er regelt das künstlerische Geschehen im mittelalterlichen Teil.

In orangefarbener Gewandung ruft ein bärtiger Hüne mit Lederhut vor Showbeginn von der Bühne am Kugelbrunnen dem Publikum zu: „Bitte gehen sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen“. Ein Besucher hat ihn sofort erkannt. „Du bist doch der Kalibo und warst gestern noch im Fernsehen. Das war doch in Papua-Neuguinea, und jetzt sehe ich dich hier“, stellt der fest. „Stimmt“, entgegnet der medienerprobte Künstler und ergänzt: „Dass ich jetzt hier bin, kann nur Zauberei sein“. Seit fünf Jahren regelt der in der Mittelalterszene gut vernetzte 42-jährige Saarbrücker in seiner Rolle als „Wegelaberer“ Kalibo das künstlerische Geschehen im mittelalterlichen Teil des St. Wendeler Weihnachtsmarktes. „Anfangs war das nicht so geplant. Wir haben ihn als Zauberkünstler engagiert, mittlerweile ist er das Bindeglied zwischen den Akteuren und mir. Kalibo ist zum Maskottchen des Weihnachtsmarktes geworden“, befördert ihn die städtische Markt-Leiterin Leonie Paqué.

15 Kilometer legt Kalibo an jedem Arbeitstag durch die Gassen der Kreisstadt zurück. Die Besucher bespaßt er mit drei Shows, zu denen die Polizisten ihre Streifengänge anpassen, damit sie mitlachen können. „Ich bin nicht krankenversichert, habe 16 Kinder und die Raten für einen Porsche Cayenne zu bezahlen“, gesteht Kalibo seinen Zuschauern. Sichtlich berührt von diesen kärglichen Lebensumständen, spendiert ihm Imbiss-Besitzer Josef „McMüller“ zur Stärkung eine Currywurst. „Den darf man doch nicht verhungern lassen“, meint der geschockte Sponsor. Mit Mut zur Lücke zieht Kalibo ein Programm aus Comedy, Zauberei, Theater und Interaktion durch. „Er bringt die Menschen zum Lachen und hält alles am Laufen“, sagt Carsten Müller, der seit fünf Jahren die magischen Auftritte in der Fanecke am Glühweinstand direkt neben der Kugelbrunnen-Bühne genüsslich mitverfolgt. „Er ist wahnsinnig spontan“, so Müllers Kumpel Chris Schäfer, „und bindet die Menschen spektakulär in seine Shows mit ein“.

„200 000 Besucher in neun Tagen ist schon eine gewaltige Hausnummer, die hier allen Akteuren bewusst ist, um Qualität zu bieten“, weiß Kalibo um den Anspruch „der Völker der Stätten“. Und während dieser Typ mit dem struppigen Catweazle-Bart seine Kunststücke vorführt und dabei das Publikum verzaubert, wirkt er immer authentisch – eben 100 Prozent Kalibo. Der studierte Literatur- und Medienwissenschaftler nimmt vieles wichtig, aber nicht alles ernst. „Wenn ich nicht über mich selbst lachen kann, ist das nicht authentisch“, meint der Magier. Zauberkünstler seien Menschen, so charakterisiert er seine Zunft, die andere Menschen betrügen, es denen aber vorher sagen. „Die Zauberei macht nur die halbe Miete, der Rest läuft bei mir über die emotionale Schiene“, beschreibt er seine Arbeitsweise.

14 Jahre erfüllt Kai Oliver Borchers, so sein bürgerlicher Name, bereits sein Zweitleben als Künstler Kalibo: „Ich habe dabei so viel Spaß, weil ich sehe und erlebe, dass die Leute Spaß haben“. Und dies treffe in besonderer Weise auf die gute Stimmung beim Weihnachtsmarkt in St. Wendel zu. „Die Menschen sind nicht nur Besucher und gucken einfach nur zu, sondern viel mehr sind sie ein wichtiger Bestandteil des Marktes“, weiß Kalibo. In den fünf „Wegelaberer-Jahren“ habe sich für ihn eine persönliche und intime Beziehung zum Markt entwickelt. „Ich nehme nach St. Wendel immer neue Dinge für das Programm mit, denn es gibt Sachen, die nur für St. Wendel bühnenreif sind“, berichtet er. Den Erfolg des Marktes sieht Kalibo in der Zusammenarbeit. „Mit Andreas Wahl, der die Handwerker koordiniert, arbeite ich eng zusammen. Wir machen das nicht für uns, wir machen es für die Stadt. In den vergangenen Jahren hat sich dabei viel verselbstständigt“, freut sich der Zauberer. Auf einem Mittelaltermarkt wolle der Besucher beispielsweise den Handwerker sehen, der ganz lapidar mit der Hand arbeitet. „Denn es ist eine tiefverwurzelte Sehnsucht des Menschen, die einfachen Dinge zu schätzen“, so der Straßenkünstler. Der 2012 eingebaute Mittelaltermarkt habe den Entwicklungsprozess überstanden und sein Format gefunden. „Wir zeigen Kunst, keine Konserve“, bezeichnet Kalibo die kulturelle Mischung aus Handwerk, Musik, Gauklerei und Zaubertricks. Alle Akteure kommen dabei auf der Bühne ohne Mikrofon oder Headset aus. Damit Kalibos Stimmorgan bis zum Sonntag ohne elektrische Verstärkung durch die Gassen schallt, läuft ihm in den Pausen literweise Tee die Kehle runter. Vom heutigen Freitag bis Sonntag ist der Weihnachtsmarkt täglich von 11 bis 21 Uhr geöffnet. Kalibo verabschiedet sich nach dem Tavernenspiel. Im August taucht er wieder auf- aber dann als Teilnehmer beim Wettbewerb der Straßenzauberer.