Jost appelliert an Nächstenliebe und Tolerenz

Jost appelliert an Nächstenliebe und Tolerenz

Saar-Umweltminister Reinhold Jost forderte in der Neujahrspredigt die 180 Zuhörer in der evangelischen Stadtkirche in St. Wendel auf, Gesicht gegen die Islam-kritische Pegida zu zeigen. Seine Gedanken dazu orientierten sich an der Jahreslosung.

"Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob" lautet die Jahreslosung und ist zugleich Grundlage der Neujahrespredigt. Da überrascht es nicht, dass Saar-Umweltminister Reinhold Jost (SPD ) nach seinen Angaben ein Phänomen aufgreift, das in den zurückliegenden Wochen in einem vergleichsweise neuen Gewand zutage getreten ist. "Ich spreche von Pegida und ähnlichen Protestveranstaltungen an verschiedenen Orten in der Republik. Aber ich spreche ausdrücklich von einer Erscheinung und nicht etwa von einer Bewegung", erklärt Jost. Er sei der Meinung, dass den Menschen, die in Dresden, Düsseldorf, Bonn und anderswo mit dummen und menschenverachtenden Parolen auf die Straße gehen, deutlich zu viel Beachtung geschenkt werde. "Diese Leute sind nicht die Stimme des Volkes", meint der Minister . Alle diejenigen, die sich bei ihrer Kritik an der vermeintlichen Übervölkerung durch fremdländische Kulturen und Religionen, auch noch auf das christliche Abendland berufen, verhöhnen bedeutende Grundwerte des Christentums.

"Sie verhöhnen zudem unser Grundgesetz, wo es heißt: Die Würde des Menschen ist unantastbar", erklärt der 48-Jährige. Deshalb fordert Jost alle Christen und Demokraten auf, Gesicht zu zeigen und den Patriotischen Europäern gegen die Islamisierung des Abendlandes (Pegida) und Co. entgegenzutreten. "Dieses Gedankengut spiegelt sich nicht nur bei Protestveranstaltungen wider. Man trifft sie auch in der Kneipe und auf der Straße", hat der Saar-Minister festgestellt.

Dummheit entsteht im Kleinen

Allein das aktive Bekenntnis zu den Werten des christlichen Abendlandes sei das Gegenmittel im Umgang mit populistischen Brandstiftern und deren irrlichternden Mitläufern. "Denn auch für die Dummheit gilt leider: Großes entsteht im Kleinen", behauptet Jost. Von vielen Seiten werde gemahnt, die Politik müsse diese Menschen und deren Sorgen und Kritik ernst nehmen, "Aber diese Leute sind für Worte und Diskussionen nicht zugänglich", bemängelt Jost. Im Saarland lebe man nicht auf einer Insel der Barmherzigkeit und des gelebten Humanismus. Selbst auf politischer Ebene würden laut Jost bisweilen Stereotypen, Ressentiments und Vorurteile missbraucht, um Ausländer, Migranten und Flüchtlinge zu stigmatisieren. Und dies als Straftäter, Dealer und Sozialschmarotzer.

Gleichzeitig werde man ständig darauf hingewiesen, dass das Saarland ja kein Geld habe und die Kommunen mit den Problemen der Unterbringung von Flüchtlingen allein gelassen werde. Flüchtlinge , die nur Geld kosten, das wir angeblich nicht haben im Saarland, werde der Landesregierung vorgeworfen. "Doch nur als Zuwanderungsland wird sich das Saarland im Wettbewerb der Regionen behaupten können", ist Jost überzeugt. Dazu sei die Mithilfe der Kirchen, Vereine, Parteien und Organisationen vor Ort gefragt. "Gehen Sie auf Ihre neuen Mitbürger zu, egal welcher Hautfarbe und Herkunft", appelliert er an die 180 Besucher der Abendandacht in der evangelischen Stadtkirche in St. Wendel .

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Auf einen BlickDie Abendandacht in der evangelischen Stadtkirche. Die Mitwirkenden: Superintendent Gerhard Koepke, Pfarrerin Christina Unrath, Pfarrer Markus Karsch und Bärbel Zägel, Musik: Kantorei Obere Nahe. Die Neujahrspredigt hielt Saar-Minister Reinhold Jost (SPD ). frf