Joachim Meier im Redaktionsgespräch in St. Wendel

Nach der WVW kommt der Talsperrenverband Nonnweiler : Wasser bleibt auch im Ruhestand Meiers Element

Der ehemalige Chef der Wasser- und Energieversorgung Kreis St. Wendel plaudert im Redaktionsgespräch über die ersten Wochen im Ruhestand und neue Ideen für die Nonnweiler Talsperre.

„Wasser ist sein Element“: So hat es Landrat Udo Recktenwald (CDU) Ende Mai bei der offiziellen Verabschiedung von Joachim Meier auf den Punkt gebracht (wir berichteten). Nach 25 Jahren als Geschäftsführer der Wasser- und Energieversorgung Kreis St. Wendel (WVW) ist er in Rente gegangen. Bei seinem Besuch in der St. Wendeler Redaktion knapp eineinhalb Monate später strahlt er, wirkt frisch und erholt. „Ich habe schon eine Runde Tennis gespielt“, verrät er. Und das, obwohl es nicht mal 10 Uhr ist. Statt Wasser trinkt er Kaffee. Aber der ist ja quasi auch aus „seinem Element“ gebrüht.

Dem bleibt er auch im Ruhestand treu. Denn der 66-Jährige wird der Nachfolger von Heinz Luxenburger als Vorsteher des Talsperrenverbands Nonnweiler. Noch ist es nicht offiziell. Das Amt wird ihm wohl im Herbst übergeben.

Genießt er denn den Ruhestand bislang? Joachim Meier lächelt. „Die erste Woche war heftig, weil die Routine plötzlich weg war“, gesteht er. Inzwischen sitze er wie früher vormittags am PC, um Mails zu schreiben oder Telefonate zu erledigen. Bisher sei keine Woche vergangenen, in der er nicht Kontakt zu seinem WVW-Team gehabt habe. „Es ist schön, dass der Kontakt nicht abreißt, sondern sich nur auf einen andere Ebene verlagert.“ An die Abschiedsfeiern – die private und die offizielle – Ende Mai denkt er gerne zurück. „So wünscht man sich einen Abschied nach 25 Jahren.“ Der teilweise auch emotional war. Viele Leute gingen jetzt davon aus, dass er viel Zeit habe. Daher häufen sich die Fragen, ob er hier und da anpacken könnte. „Es ist schön, wenn man das Gefühl hat, gebraucht zu werden“, sagt Meier. Denn daran habe er sich in 25 Jahren als Chef gewöhnt. Als wichtigste Aufgabe habe er es immer angesehen, einzugreifen, wenn es eng wird, zu entscheiden und den Mitarbeitern den Rücken zu stärken.

In 25 Jahren WVW hat Meier einiges erlebt. Ein Schlüsselmoment war die Jahrtausendwende. Damals waren die Pläne, eine Aufbereitungsanlage für das Talsperrenwasser zu bauen, bereits kurz vor der Ausschreibung. Dann kam plötzlich ein besonderes Angebot. „Man hat uns quasi für 300 000 Mark ein Wasserwerk geschenkt“, blickt Meier zurück. Dem standen Investitionskosten von 15 Millionen gegenüber. Da gab es nichts zu überlegen. Die Pläne für die Aufbereitungsanlage wurden über Bord geworfen. Seit 2002 wird das Wasserwerk Würzbachtal bei Niederwürzbach (Saarpfalz-Kreis) von der Talsperren- und Grundwasser-Aufbereitungs- und Vertriebsgesellschaft (TNA) betrieben. Vier Gesellschafter sind in diesem Zusammenschluss vertreten: die WVW, die Stadtwerke Saarbrücken, Energis sowie die Wasserversorgung Ostsaar (WVO) Ottweiler. Pro Jahr werden etwa 3,65 Millionen Kubikmeter Wasser in dem Wasserwerk gefördert. Die Entscheidung für dieses Wasserwerk habe damals für Enttäuschung beim Talsperrenverband gesorgt. Ein bisschen Bedauern gab es auch bei Meier selbst. „Ich hätte gerne die erste Membrananlage dieser Art in Deutschland gebaut“, gesteht er. Mit dieser Anlage könnten auch Bakterien und Keime aus dem Wasser gefiltert werden. Im Zuge der Planungen zu einer Aufbereitungsanlage ist damals auch die Idee zu einem Talsperren-Bier aufgekommen. Das hätte bestimmt seine Fans gefunden.

Die Menschen für die Talsperre in Nonnweiler begeistern, das ist etwas, das sich Meier vorgenommen hat. Einige konkrete Ideen hat er schon im Kopf. Der 20 Millionen Kubikmeter Wasser führende Stausee soll zur Erlebnis-Talsperre werden, die Freizeitgestaltung der Bevölkerung mit Wasserschutz in Einklang bringt. „Ich könnte mir einen Wassererlebnis-Pfad vorstellen“, sagt Meier. Unterwegs sollen sich Aktions-Flächen mit Infoständen abwechseln. Auch der Verleih von E-Bikes wäre denkbar. Eben ein sanfter Tourismus.

Mit 17 000 Kubikmeter Wasserverbrauch an einem Tag  habe es kürzlich im Landkreis St. Wendel eine neue Rekordmarke gegeben. Die WVW versorgt fast den kompletten Kreis mit Ausnahme der Gemeinde Nonnweiler und einzelner Ortsteile mit Trinkwasser. In der Regel sind dies 12 000 Kubikmeter pro Tag. „Wir werden künftig mehr Wasser brauchen“, ist Meier überzeugt. Bei anhaltend trockenen Sommern werde auch die Landwirtschaft nicht mehr ohne gezielte Bewässerung auskommen. So könnte der Talsperre Nonnweiler künftig eine wichtige Aufgabe als Trinkwasserreservoir zukommen. Mit ihrem Fassungsvermögen von 20 Millionen Kubikmeter Wasser könnte sie fast die Hälfte des Jahresverbrauchs im Saarland abdecken. Der lag 2018 bei 50 Millionen Kubikmeter.

Bei der Verabschiedung: Landrat Udo Recktenwald schenkt Joachim Meier nach seiner Rede eine Flasche Wasser aus dem Marpinger Härtelwald. Foto: B&K/Bonenberger/

Joachim Meier nimmt noch einen Schluck Kaffee, dann muss er weiter. Es ist ihm anzumerken, dass er sich auf die neue Aufgabe Talsperre und die Verwirklichung der ein oder anderen Idee freut. Wenn es um Wasser geht, ist er eben tatsächlich ganz in seinem Element.

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