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Jean-Jacques geht, ein Neuer kommt

Jean-Jacques geht, ein Neuer kommt

Mieterwechsel auf dem Werschweiler Horst? Wie es aussieht, hat Storch Jean-Jacques das Dorf verlassen. Ein Artgenosse tritt die Nachfolge an.

Was ist denn da am Werschweiler Horst los? Erst verlassen, jetzt heiß umkämpft.

Wenn die Werschweiler zuletzt in der Ortsmitte hoch in Richtung Horst geschaut haben, in Erwartung dort den Weißstorch Jean-Jacques zu sehen, wurden sie enttäuscht. Denn das Nest war für einige Zeit verwaist. Dabei hatte der Heimkehrer zuvor schon begonnen, seinen Sommersitz auszustaffieren. Am 26. Februar war das Tier aus seinem Winterquartier nach Werschweiler gekommen. Seitdem warteten Naturfreunde auf die Ankunft seiner Herzensdame. Dann der Schreck: Jean-Jacques war weg. Tierschützer der Aktion Storch entdeckten den Weißstorch schließlich in Beeden. Dort hatte der Vogel vor seiner Zeit im Ostertal bereits ein Nest. Wie Peter Volz, Koordinator der Aktion Storch beim Bund Naturschutz Ostertal (BNO), berichtet, ist er auf dieses zurückgekehrt. Dort habe man ihn mit einer unberingten Dame gesehen. War das Lady Gaga? Jene Storchendame, mit der er im vergangenen Jahr versucht hatte, Jungen aufzuziehen. Der Nachwuchs war allerdings gestorben.

Am Dienstagmorgen erreichte die Redaktion dann eine neue Meldung aus dem Ostertaldorf. Es sitzt wieder ein Weißstorch im Nest und klappert fleißig. Die Naturschützer gingen zunächst davon aus, dass es Jean-Jacques war, der seinen Horst wieder in Besitz genommen hat. Doch Naturfotograf Otmar Becker, der den Weißstorch regelmäßig fotografiert, machte sich einmal mehr auf den Weg nach Werschweiler, zoomte mit der Kamera ran. Und siehe da: Der Vogel war nicht Jean-Jacques. Er trug einen anderen Ring. Dessen Nummer konnte leider noch nicht abgelesen werden. Der Neue im Nest scheint aber gewillt zu sein, länger zu bleiben. Wie Beobachter berichten, hätten gleich mehrere andere Störche versucht, den Horst anzufliegen. Darauf reagierte der neue Mieter sehr erbost und pickte heftig auf die Kontrahenten ein. Was jetzt noch zum Glück fehlt, ist eine Partnerin.

Becker berichtete, dass im Glantal mehrere Weißstörche auf ihre Herzensdamen warten. Und wenn die weiblichen Tiere schließlich aus ihrem Winterdomizil ankommen, haben sie die freie Auswahl. Mitunter wird da auch mal um eine Storchendame gekämpft. Im vergangenen Jahr waren es in Werschweiler zwei Störchinnen, die sich um einen Storchenherrn stritten - und zwar um Jean-Jacques. Damals zog Störchin Jacqueline, mit der Jean-Jacques noch 2015 Nachwuchs gezeugt hatte, den Kürzeren. Die Neue, Lady Gaga, übernahm ihr einstiges Nest. Die Verlassene flüchtete daraufhin ins Glantal. Dort machte man sich zuletzt Sorgen um die Störchin. Wie Volz berichtet, war ein Tier verunglückt, auf den Bahngleisen gestorben. Da von Jacqueline zu diesem Zeitpunkt jede Spur fehlte, gingen Naturschützer davon aus, dass sie tot war. Doch jetzt erreichten Volz gute Nachrichten: "Jacqueline lebt", verkündete er. Sie sei in Theisbergstegen (bei Kusel) und würde von drei Weißstörchen umgarnt.

Wie Volz erläutert, wurden zwischen Ober- und Niederlinxweiler mehrfach Weißstörche gesichtet. Eines der Tiere ist im Ostertal bereits bekannt. Anhand des Rings wissen die Naturschützer, dass es sich um jenen Storch handelt, der bereits öfter in Saal war. Seine Spur hat auch Naturfotograf Becker verfolgt und den Vogel samt Weibchen in einem Horst bei Ottweiler entdeckt.

Mehrere Störche sind also in der Region unterwegs. Allein das Paar an der Göckelmühle ist bereits glücklich vereint und hat sich niedergelassen. Und Jean-Jacques? Hat er seine Partnerin und neue Heimat in Beeden gefunden? Und was ist mit dem neuen tierischen Mieter in Werschweiler? Wird das Tier auf Dauer bleiben und einen Partner finden?

 Weißstorch Jean-Jacques (links) auf dem Werschweiler Nest. Das hat er jetzt in Richtung Beeden verlassen. Dafür sitzt nun ein noch unbekannter Artgenosse (rechts) auf dem Horst im Ostertaldorf. Fotos: Otmar Becker
Weißstorch Jean-Jacques (links) auf dem Werschweiler Nest. Das hat er jetzt in Richtung Beeden verlassen. Dafür sitzt nun ein noch unbekannter Artgenosse (rechts) auf dem Horst im Ostertaldorf. Fotos: Otmar Becker

Die nächsten Wochen werden zeigen, ob das Ostertaldorf eine Chance auf Storchen-Nachwuchs hat. In den beiden zurückliegenden Jahren kam der tierische Nachwuchs im St. Wendeler Land Anfang/Mitte Mai auf die Welt.