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In St. Wendel geht regelmäßig ein Baby-Bedenkzeit-Kurs über die Bühne

Kurs in St. Wendel : Schüler müssen auch nachts mal raus

An der Dr.-Walter-Bruch-Schule in St. Wendel wird seit einigen Jahren der „Baby-Bedenkzeit-Kurs“ angeboten.

Die erste Nacht war kurz. Auch die Eltern auf Zeit müssen zu ungewohnter Stunde raus. Fünf Tage haben Schüler der St. Wendeler Dr.-Walter-Bruch-Schule am Projekt „Baby-Bedenkzeit“ teilgenommen.

Teenager-Schwangerschaften sind nicht immer ungewollt. Manch’ sehr junges Mädchen wünscht sich ein Kind, ohne zu ahnen, was auf es zukommt. Das Projekt „Baby-Bedenkzeit“ hat den Jugendlichen ganz praktisch vermittelt, was Elternschaft bedeutet  – und das mit Babysimulatoren. Und deshalb ist die Aktion meilenweit von einem Wickelkurs oder dem Babyführerschein entfernt.

Mit der Geburt und der Namenswahl für das Kind geht es für die  plötzlichen Mamas und Papas los. Der 17-jährige Khaled gibt dem Säuglingsmodell den Namen Asta, Celinas (15) Baby heißt Luke. „Alle schlüpfen sofort in die Elternrolle“, erklärt die Schwangerschaftsberaterin Ulrike Lang. Das Projekt „Baby-Bedenkzeit“ soll helfen, Jugendliche im Hinblick auf eine spätere mögliche Mutter- oder Vaterschaft zu sensibilisieren, sie zu befähigen, eine verantwortungsvolle Entscheidung für ihre Zukunftsplanung zu treffen und ernsthafter mit dem Thema Verhütung umzugehen. Also quasi eine Art Praktikum, welches den Schülern zeigt, was es bedeutet, ein kleines Kind zu haben.

Khaled nimmt den Sohnemann nach dem Schulalltag mit in seine Wohngruppe. „Abends hat er geschrien, und es passiert, dass man nachts aufstehen muss, aber so weit ist es gut gegangen“, berichtet er. Die computerprogrammierten Babysimulatoren sind mit Chips ausgestattet. „Über ein gechiptes Armband, das die Schüler tragen, reagiert der Simulator, der eingestellt ist, wie lange die Babys schreien, neue Windeln oder das Fläschchen brauchen“, erläutert die Schwangerschaftsberaterin. Es ist Teil des Projekts, den Jugendlichen bei Belastungssituationen zu helfen, damit sie lernen, verantwortlich und aufmerksam nicht nur mit dem Baby, sondern auch mit ihren eigenen Grenzen und Bedürfnissen umzugehen. „Gerade bei jungen Müttern ist eine anfängliche Überforderung festzustellen, wenn das Kind nachts schreit“, meint Lang.

Auch Celina wird von ihrem kreischenden Luke immer wieder aus den Träumen gerissen. „Wenn er schreit, muss man ihn  lange genug auf den Arm nehmen“, sagt die Schülerin. Während der Schulzeit kommt der Nachwuchs dann in die Obhut einer Tagesmutter. „Im Unterricht sind theoretische Themen vermittelt worden“, ergänzt Lehrerin Rita Webers. Beispielsweise sind die Schüler darüber informiert worden, wie sich Drogen- und Alkoholkonsum der Mutter auf ihr Neugeborenes auswirkt. Nicht zuletzt sprechen Lang und ihre Kollegin Lucia Hein offen mit den Jugendlichen darüber, was sie tun können, wenn sie sich als junge Eltern überfordert fühlen. Dazu listet Lang Beratungs- und Anlaufstellen auf, das Thema Babyklappe war keinesfalls ein Tabu.

 Hebamme Julia Thies (rechts) erklärte Khaled, wie eine Wassergeburt funktioniert.
Hebamme Julia Thies (rechts) erklärte Khaled, wie eine Wassergeburt funktioniert. Foto: Frank Faber

Im Kreißsaal des St. Wendeler Marienkrankenhauses erläutert Hebamme Julia Thies Fälle einer Frühgeburt oder den Kaiserschnitt. Kinderkrankenschwester Lena Sicks rät Mama Celina: „Wenn er viel schreit, dann halte dein Söhnchen lange genug im  Arm“. Nach der Babywoche resümiert Celina: „Ich weiß jetzt, dass man mit einem Kind auch eine große Verantwortung hat“. Insgesamt haben 20 Schüler mit 13 Babymodellen beim einwöchigen Kurs mitgemacht. „Es war ein tolles Erlebnis für die Klasse BGS 10.2“, findet Lehrerin Webers. Noten gibt es beim Kurs für die jungen Eltern nicht.