1. Saarland
  2. St. Wendel
  3. St. Wendel

In der Niederlinxweiler Kirche wurde Licht aus Bethlehem weitergegeben

Von Bethlehem nach Niederlinxweiler : Ein Licht dringt in die Corona-Dunkelheit

Coronabdeingt in kleinem Kreis wurde der Aussendungsgottesdienst des Lichts aus Bethlehem in Niederlinxweiler gefeiert.

Langsam, einer nach dem anderen, betreten die Menschen am Freitagabend die weihnachtlich geschmückte evangelische Kirche in Niederlinxweiler. Ilona Schmidt vom Gemeindebüro prüft vor dem Gotteshaus akribisch, ob auch alle auf der Gästeliste eingetragen sind: „Leider können nur 56 Gläubige dabei sein, wenn das Licht aus Bethlehem in die St. Wendeler Kirchengemeinden gebracht wird. Aufgrund der Corona-Pandemie müssen wir uns exakt an die Vorgaben halten. Alle müssen einen Mund-Nasen-Schutz tragen und der vorgeschriebene Mindestabstand ist auch gewährleistet.“ Pfarrer Wolfgang Meyer ergänzt, dass man etwa so viele Interessenten habe abweisen müssen, wie am Abend tatsächlich anwesend seien:

„Sonst sind zwischen 80 und 100 Gäste dabei, wenn in einem ökumenischen Gottesdienst das Licht aus Bethlehem weitergeben wird.“ Dieser findet abwechselnd in den verschiedenen evangelischen und katholischen Kirchen statt. Von fünf Kollegen wird er an diesem Abend unterstützt: Klaus Leist, Erwin Recktenwald  und Diakon Andreas Czulak von der Pfarreiengemeinschaft St. Wendel  sowie Pfarrerin Christine Unrath und Diakonin Birgit Scheib von der evangelischen Gesamtkirchengemeinde St. Wendel.

Eine weitere Besonderheit gibt es an diesem Abend, es wird gefilmt: „Die Messe ist das 19. Türchen unseres lebendigen Adventskalenders und kann von den Gläubigen via Internet angeschaut werden“, erklärt Presbyterin Tina Cerovsek. In der Kirche erklingt die Orgel, die den Beginn ankündigt.

Der Niederlinxweiler Seelsorger Wolfgang Meyer begrüßt die Anwesenden zum Aussendungsgottesdienst des Lichtes von Bethlehem. Kernthema seiner Einführung sind die Grenzen, die unser Leben in Zeiten von Covid-19 prägen, die als Voraussetzung für den Frieden jedoch überwunden beziehungsweise geöffnet werden müssten. Er weist zudem darauf hin, dass das Friedenslicht mehr als 3000 Kilometer unterwegs gewesen sei, ehe es vom Landtagsabgeordneten Hermann Scharf in die Kirche in Niederlinxweiler gebracht wurde.

Von der Empore aus gestaltet Familie Zimmermann aus Niederlinxweiler, Thomas und Katharina mit vier Kindern und Patensohn, den Abend musikalisch. Das erste Lied „Ein Licht geht uns auf“ greift das Thema des Gottesdienstes auf, handelt es doch von einem „Licht in der Dunkelheit, einem Licht der Liebe, einem Lebenslicht“. Der St. Wendeler Pfarrer Erwin Recktenwald ruft die Gäste in seiner Ansprache dazu auf, zu „Grenzgängern des Friedens“ zu werden, damit die Liebe alles verwandele, was in den Herzen erstarrt sei.

Sein Kollege Klaus Leist geht auf die aktuelle Situation in Nah und Fern ein: „Das Licht kommt aus der Finsternis, aus dem Krisengebiet im Nahen Osten in ein weiteres Krisengebiet, zu uns, denn seit Mitte März ist die Welt aus den Angeln gehoben. Deshalb brauchen wir alle etwas, woran wir uns festhalten können, nämlich dieses besondere Licht, das die Botschaft von Bethlehem zu uns transportiert.“ Er richtet sich an die Gläubigen mit der Bitte, das „Licht für die Welt“ in die Dörfer und Häuser zu tragen und den Menschen zu sagen: „Alles wird gut.“

Es herrscht eine nachdenkliche Stimmung im Gotteshaus. Dann bringt der Landtagsabgeordnete Hermann Scharf das Licht in einer roten Laterne zum Altarraum. Er berichtet, dass das Friedenslicht coronabedingt einen neuen Weg habe nehmen müssen: „Normalerweise wird es von deutschen Pfadfindern in Wien abgeholt, dieses Mal brachten österreichische Pfadfinder es zur Grenze, wo es von ihren deutschen Kollegen in Empfang genommen und in die verschiedenen Städte gebracht wurde.“ Er fordert die Anwesenden auf, Licht und Liebe in die Familie zu bringen und dabei die Kranken und Sterbenden nicht zu vergessen. Seine Botschaft unterstreicht Familie Zimmermann mit dem Lied „Zünd` ein Licht an“, dessen einzelne Strophen von zarten Kinderstimmen vorgetragen werden.

In ihren Fürbitten äußern die evangelische Pfarrerin Christine Unrath und ihr katholischer Kollege Erwin Recktenwald den Wunsch, dass „ein Licht in uns brenne, das Feuer fange und sich entzünde“. Auch das abschließende Lied verleiht diesem Wunsch Nachdruck, heißt es doch „Tragt in die Welt nun ein Licht“.

Nachdem Pfarrerin Unrath und die Pfarrer Meyer, Leist und Recktenwald den Gläubigen den Segen erteilt haben, beginnt das Verteilen des Lichtes an die Anwesenden. Diese erheben sich nach einem exakt vorgegeben Protokoll, alle tragen Laternen und Kerzen in den Händen, vier Mitglieder der St. Barbara-Bruderschaft in festlicher Uniform haben Grubenlampen dabei.

Zu der roten Laterne, die das Friedenslicht nach Niederlinxweiler transportiert hat, weiß Pfarrer Leist noch eine Geschichte zu erzählen: „Diese Laterne hat mir der ehemalige Landtagsabgeordnete Hans Ley 2012 geschenkt, der diese Aktion ursprünglich initiiert hat. Sie hat für mich eine große Bedeutung, da Hans Ley mittlerweile verstorben ist. Ihm zu Ehren verwenden wir die Laterne weiterhin jedes Jahr bei diesem besonderen Gottesdienst und es ist schön, dass sein Freund Hermann Scharf die Rolle des Überbringers von ihm übernommen hat.“

Familie Zimmermann gestaltete den Abend musikalisch. Foto: Jennifer Fell

Für die Menschen geht es aus der  Kirche hinaus in die Dunkelheit, die von tanzenden Lichtern erhellt wird.