Nach Profanierung Kirche zum Mitnehmen

Remmesweiler · Bereits im vergangenen Jahr wurde die St. Remigius-Kirche in Remmesweiler profaniert. Jetzt steht die Übergabe an den neuen Eigentümer an. Am Wochenende kehrten allerdings noch einmal die Gläubigen in die Kirche zurück. Und zwar, um sich ein Stück Erinnerung mitzunehmen.

Foto: Isabell Schirra

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Gottesdienste fanden in der Filialkirche St. Remigius in Remmesweiler schon seit 2019 nicht mehr statt. Am 30. Oktober vergangenen Jahres wurde sie aufgrund eines Dekretes von Bischof Stephan Ackermann profaniert. Nun soll das Gelände zeitnah an den neuen Eigentümer, eine Wohnungsbaugesellschaft, übergeben werden. Und doch füllt sich der Parkplatz der ehemaligen Kirche am Samstag noch einmal mit Gläubigen. Mit Menschen, die sich der Kirche eng verbunden fühlen. Sie sind gekommen, um die Möglichkeit, das derzeitige Inventar der Kirche gegen eine Spende zu erwerben, wahrzunehmen. Anders gesagt: Sie sind gekommen, um sich einen Teil der Kirche, ihrer Kirche, zu sichern. Ein Wunsch, der angesichts der Tatsache, dass sowohl Kirche als auch Glockenturm dem geplanten Bau von Wohnungen werden weichen müssen, wohl umso schwerer wiegt.

Vieles aus der St. Remigius-Kirche kann in der Pfarrgemeinde verbleiben

Vieles war indes schon im Vorfeld innerhalb der Pfarrgemeinde verteilt worden, Kerzenständer und Messgewänder etwa. Die zahlreichen Heiligenstatuen wurden an den Ort selbst gestiftet und sollen jeweils einen Platz in der neuen Einsegnungshalle finden. Anderes Inventar, wie die zahlreichen Kirchenbänke etwa, wird in der Pfarrgemeinde St. Anna seinen Dienst fortsetzten.

Im Pfarrgemeinderat beratschlage man derzeit noch darüber, was man mit den zwei Glocken im Kirchturm anfange, sagt dessen stellvertretender Vorsitzender Stefan Schumacher. Im Idealfall blieben auch die im Ort. „Die Grundidee war von vorneherein, dass möglichst viel im Ort bleiben kann“, betont Schumacher, „gerade weil wir viele Kirchgänger hatten, die hier fest verwurzelt waren“. Er ergänzt: „Deswegen war das hier auch nicht als Ausverkauf gedacht, sondern vielmehr als Möglichkeit, ein Andenken gegen eine Spende mitzunehmen“.

Für einige war es auch ein emotionaler Tag

Arnold Welter nimmt diese Möglichkeit gerne wahr. Er sei in der Filialkirche schon zur Kommunion gegangen, sagt der Remmesweiler. Immer wieder verliert sich sein Blick ungläubig in der nun fast leeren Kirche. „Es ist eine Schande“, sagt er mit Tränen in den Augen. Er hat eine Zeichnung der Kirche in ihrem Originalzustand vor dem Umbau gefunden sowie auch ein vergoldetes Messingkreuz. „Das wird einen ganz besonderen Platz bei mir zuhause bekommen“, verspricht er.

Neben ihm steht Christa Jost. Sie hat zwei Rollen gehäkelte Spitze gefunden, die sie mitnehmen will, um zuhause ihre antiken Möbel zu verzieren. „Hier vor Ort habe ich dann erfahren, dass die Spitzen von meiner Schwiegermutter angefertigt wurden“, erzählt sie sichtlich gerührt und erfreut zugleich, „so finden die Dinge dann eben ihren Weg zurück“.

„Das meiste, was die Menschen hier mitnehmen, hat ja keinen Nutzen, keine Funktion“, sagt Carmen Ritter vom Kirchengemeinderat, „aber die Dinge haben einen emotionalen Wert, die Menschen hängen daran“. So findet am Samstag fast alles, jeder noch so alltägliche Gegenstand, von Kordeln und Stoffen über Weihnachtsdekoration bis hin zu Bibeln und Heiligenbildern, neue Besitzer.

Der Beichtstuhl konnte in Remmesweiler nicht erstanden werden

 Foto: Isabell Schirra

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Eine Sache steht hingegen nicht zum „Verkauf“: Der Beichtstuhl nämlich. Das habe Pastor Klaus Leist so gewünscht, sagt Stefan Schumacher. „Er hatte zu viel Sorge, dass der Beichtstuhl als Requisite für eine gewisse Art von Filmen missbraucht werden könnte“, erklärt er. Sein Ende werde der Beichtstuhl wohl im Osterfeuer oder im St. Martinsfeuer finden. Der Altar hingegen suche noch einen neuen Besitzer. „Wenn es einen Steinmetz gibt, der damit noch etwas anfangen könnte, kann der sich gerne melden“, sagt Schumacher.

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