Im Landkreis St. Wendel leben die landesweit am wenigsten Überschuldeten

Vom Haben und Nichthaben : Grüner Landkreis St. Wendel

Es geht uns gut im Landkreis St. Wendel. Nicht nur, dass wir landesweit seit geraumer Zeit die niedrigsten Arbeitslosenzahlen haben. Jetzt sind auch noch alle Kommunen grün bis dunkelgrün.

Während es sonst im Land eher hellgrün bis blau oder sogar dunkelblau ist. Die Rede ist vom sogenannten Schuldneratlas beziehungsweise von der dazugehörigen Grafik, die am gestrigen Freitag in der SZ erschienen ist. Und da steht farbig auf weiß: Die wenigsten überschuldeten Menschen leben saarlandweit im Landkreis St. Wendel. Spitzenreiter ist in dieser Hinsicht die Gemeinde Tholey. Statistisch betrachtet wachsen rund um den Schaumberg nur null bis unter sechs Prozent der Menschen die Schulden über den Kopf. Knapp 13 000 Einwohner hat Tholey, folglich sind bis zu 780 Menschen dort überschuldet. Und das sind dann doch nicht wenige, die keine Rechnungen mehr bezahlen können und keine Kredite bekommen. Es droht die Privatinsolvenz – oder sie ist schon da. Eine der Hauptursachen für Überschuldung soll laut Experten ein längerfristiges Niedrig­einkommen sein. Stark zugenommen hat auch die Zahl überschuldeter Rentner. Diese haben zwar oft Anspruch auf Sozialleistungen, nutzen sie aber nicht. Über die Gründe dafür kann an dieser Stelle nur spekuliert werden, aber Scham gehört mit Sicherheit dazu. Darum kann man die von der Bundes-Groko auf den Weg gebrachte Grundrente nur begrüßen. Ebenso das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das kürzlich entschieden hat, dass Leistungskürzungen für Bezieher von Arbeitslosengeld II in der bisherigen Praxis nicht zulässig sind. Damit ist richterlich festgehalten, dass das letzte Hemd keine Taschen hat. Und wer will schon bestreiten, dass Menschen, die auf Hartz IV angewiesen sind, eh am unteren Existenzminimum rumkrebsen. Zur Wahrheit gehört auch, dass das private Vermögen nirgendwo in der Eurozone so ungleich verteilt ist wie in Deutschland. Studien besagen, dass mehr als 40 Prozent der Deutschen keinerlei Vermögen haben. Sie können keine Rücklagen bilden für Notfälle, keine private Rentenversicherung abschließen und an den Erwerb von Wohneigentum ist schon gar nicht zu denken. Die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung besitzen hingegen mehr als die Hälfte des gesamten Vermögens (56 Prozent), wie aus einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervorgeht. Die ärmere Hälfte hat daran einen Anteil von schmalen 1,3 Prozent. Übrigens: 1997 wurde die Vermögensteuer in Deutschland abgeschafft.

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