Bilanz: Hungermarsch fördert mehrere Projekte

Bilanz : Hungermarsch fördert mehrere Projekte

13 000 Euro sind bei der 41. Auflage im September zusammengekommen. Jetzt hat Peter Adams berichtet, wie die Summe verteilt wird.

„Ich freue mich schon auf die Kinder“, sagt Peter Adams beim Besuch in der St. Wendeler Redaktion und schaut auf einen Stapel Fotos vor sich auf dem Tisch. Für den 75-Jährigen geht es am 3. Januar einmal mehr auf Indienreise. Dort wird er knapp vier Wochen verbringen – auch im Auftrag des Jochen-Rausch-Zentrums St. Wendel, das sich in der Indienhilfe engagiert. „Uncle“ (Englisch für Onkel) nennen ihn liebevoll die Jungs im Kinderheim Shanthi Bhavan in Südindien. Eines von zwei Heimen, für das sich die Indienhilfe einsetzt. „Jeden Abend beten die Kinder für ihre Paten“, berichtet Adams. Denn sie wüssten, dass es Menschen aus Deutschland sind, die ihnen das Lernen und Spielen ermöglichen. Für letzteres allerdings bleibe wenig Zeit. Die älteren Schüler ab Klasse zehn kämen oft erst am späten Abend aus der Schule zurück. „Dann essen sie schnell noch etwas, gehen schlafen, und am nächsten Morgen geht es wieder in die Schule.“ Im Januar stünden Examen an.

Die Kosten für Strom und Gas in Indien sind gestiegen. Das merkt auch das Kinderheim. Gerade wurden 600 Euro für Leitungen investiert, durch die das Heim günstiger an Strom kommt. Auch muss die Indienhilfe künftig mit höheren Personalkosten kalkulieren. Denn die Löhne für die Heimleiterin und zwei Angestellte sind gestiegen. Sie verdienen jetzt umgerechnet 100 Euro im Monat. Adams rechnet insgesamt mit 2500 bis 3000 Euro Mehrkosten im Jahr. Ein Teil des Erlöses aus dem Hungermarsch ist dafür reserviert.

Insgesamt 13 000 Euro sind zusammengekommen bei der 41. Auflage des Benefizmarsches. Mehr als 100 Teilnehmer zählte Adams Mitte September. „Es waren mehr als sonst und das, obwohl wir den Marsch vorverlegt hatten“, zieht der 75-Jährige eine positive Bilanz. Es gebe eine richtige Hungermarsch-Gemeinde, und das schon in der dritten Generation.

Die Hälfte der 13 000 Euro seien Großspenden gewesen. Summen, die Adams nach eigener Aussage, demütig machen. Geplant war, mit dem Geld drei Projekte zu unterstützen. Und das hat auch geklappt. Der größte Teil der Summe ging nach Bolivien. Dort kümmert sich die Sozialstiftung Fassiv um Kinder und Jugendliche mit Behinderungen – in einer Schule und einem Gesundheitszentrum. In letzterem steht die Physiotherapie im Mittelpunkt, um die Motorik der jungen Patienten, die unter Bewegungsstörungen wie Spastik leiden, zu verbessern. Dafür konnten neue Geräte angeschafft werden. Peter Adams zeigt Fotos aus dem Gesundheitszentrum, in dem es nun Geräte für Ultraschall und Elektrostimulation sowie ein kombiniertes Paraffinbad gibt. 2400 Euro gingen an ein Schul-Projekt in Nordindien.

Aber auch eigene Projekte der Indienhilfe des Jochen-Rausch-Zentrums sollen durch den Erlös des Hungermarsches finanziert beziehungsweise weitergeführt werden. Schon seit vielen Jahren setzt sich die Indienhilfe für HIV-infizierte Kinder und Jugendliche ein. Sie  werden mit vitaminreichen Lebensmitteln versorgt. Monatlich wird für jedes der 20 bis 30 Kinder ein Elf-Kilo-Paket geschnürt. Das hat einen Wert von 20 Euro.

Wenn Peter Adams in den kommenden Tagen das Kinderheim besucht, hat er auch ein Auge auf mögliche Mängel. 17/18 Jahre alt ist das Gebäude inzwischen. „Da kommt quasi jedes Jahr etwas auf uns zu, was repariert werden muss.“ Neben der Vorfreude auf das Land und die Menschen, die Freunde, reist auch etwas Wehmut mit nach Südindien. „Ich fange an, mich zu fragen, ob es ein Wiedersehen geben wird.“ Er werde in diesem Jahr 76 und die lange Reise werde immer beschwerlicher.

Mehr als 100 Teilnehmer waren beim 41. Hungermarsch im September dabei. Foto: Frank Faber
Kombiniertes Paraffinbad im Fassiv-Gesundheitszentrum. Foto: Janko Brsiaka

Spendenkonto:
„Jochen-Rausch-Zentrum“
bei der Kreissparkasse St. Wendel IBAN: DE 47 5925 1020 0000 0846 16, BIC: SALADE51WND, Kennwort „Hungermarsch“.

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