Herberge in schweren Tagen

„Jeder Mensch hat ein Recht auf ein Sterben unter würdigen Bedingungen.“ Mit diesen Worten beginnt die Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland. Mehr als 15 000 Institutionen und Einzelpersonen haben diese unterzeichnet. Jetzt auch der Landkreis, das Hospiz Emmaus und der Verein Christliche Hospizhilfe. Anlass war der Festakt zum 15-jährigen Bestehen des St. Wendeler Hospizes.

Franziska Kopitzsch wirbt eindrucksvoll und überzeugend im Kulturzentrum Alsfassen für die Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen. Dabei geht es ihr nicht darum, nur Unterschriften zu sammeln.

Nein, sie will, dass die Unterzeichner sich engagieren, sich aktiv im Berufs- und im Privatleben für die Werte der Charta einsetzen. "Es geht darum, dem Sterben als Teil des Lebens die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken", so die Mitarbeiterin der Charta-Geschäftsstelle Berlin. Den Tod also aus der Tabuzone zu holen. "Wie sprechen wir in unserem Freundeskreis über den Tod?", fragt sie in die Runde der zahlreichen Gäste des Festaktes zum 15-jährigen Bestehens des Hospizes Emmaus. Das Thema Sterben und Tod verdrängen viele allzu gerne. Bewusstseinsbildung sei angesagt.

Hier setzt die Charta an: "Sie will zur Auseinandersetzung mit dem existenziellen Phänomen Sterben beitragen", so die Referentin.

Fünf Leitsätze umfasst diese Charta. Sie beinhalten Aufgaben, Ziele und Vorschläge, um die Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland zu verbessern. Die Charta haben 50 Organisationen und Institutionen erarbeitet und einmütig verabschiedet.

Unterzeichnet haben diese beim Festakt des Hospizes jetzt auch der St. Wendeler Landrat Udo Recktenwald für den Landkreis St. Wendel , der Geschäftsführer des Hospizes Emmaus, Winfried Schäfer , und der Vorsitzende des Vereines Christliche Hospizhilfe im Landkreis, Nikolaus Schorr.

Die Charta sei ein Orientierungsfaden zur Weiterentwicklung der Hospizbewegung im St. Wendeler Land, sagt Landrat Udo Recktenwald . Man müsse das Sterben als Teil des Lebens begreifen. Der Landrat wörtlich: "Der Tod gehört zum Leben, das Leiden aber nicht."

Die Unterzeichnung der Charta ist ein Höhepunkt des Festaktes zum 15-jährigen Bestehen des Hospizes Emmaus. 220 schwerstkranke Menschen werden in dem Hospiz in St. Wendel in jedem Jahr betreut. 21 hauptamtliche und zehn ehrenamtliche Mitarbeiter kümmern sich um diese. Vor 15 Jahren war die St. Wendeler Einrichtung die zweite im Saarland. Getragen wird das Hospiz von den Marienhaus-Kliniken und dem Verein Christliche Hospizhilfe.

"Das Hospiz ist ein Ort des Lebens", sagt Emmaus-Geschäftsführer Winfried Schäfer . Er klärt den vermeintlichen Widerspruch auf. Ob Hospizcafé, Konzerte, Ausflüge, gemeinsames Kochen, viele Gespräche: Die Mitarbeiter bemühen sich, den Gästen, wie sie die Patienten nenne, und ihren Angehörigen, den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen.

Das unterstreicht auch Christoph Drolshagen, Vertreter der Marienhaus-Kliniken: "Im Hospiz haben unzählige Menschen in ihren letzten Tagen Herberge gefunden." Nikolaus Schorr von der Christlichen Hospizhilfe erinnert an die schwierigen Anfänge vor 15 Jahren. Das Hospiz sei ein Beispiel für die Weitsicht und das Engagement St. Wendeler Bürger. Das Hospiz sei ein Ort der Gastfreundlichkeit, betont St. Wendels Bürgermeister Peter Klär und weist auf die ursprüngliche Bedeutung des Wortes hin: Herberge für durchreisende Pilger.

Die Betreuung schwerstkranker Menschen sei eine wichtige Aufgabe in der Altenhilfe, sagt Sozialministerin Monika Bachmann . Die aufgrund des demografischen Wandels an Bedeutung gewinne. Ausreichende Strukturen müssten sichergestellt werden. Das Hospiz Emmaus leiste dazu seit 15 Jahren einen wichtigen Beitrag.

"Für uns ist das stationäre Hospiz Emmaus eine wichtige Konstante", betont ebenso Paul Herrlein, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft Hospiz Saarland. Herrlein nennt zwei Zahlen, die eine steigende Nachfrage belegen. Drei Prozent der Menschen werden in ihren letzten Lebenstagen in einem Hospiz betreut, aber 30 Prozent wünschen sich das.

Zum Thema:

HintergrundUm Hoffnung und Leben, aber auch Sterben und Tod ging es an diesem Nachmittag bei zwei Vorträgen. Pater Heribert Niederschlag aus Vallendar ging auf die Frage ein "Worauf hoffen wir eigentlich? - Wie Hoffnung das Leben und Sterben verändern kann." Ursula Kaspar, Seelsorgerin am Caritas-Klinikum Saarbrücken, erläuterte anhand verschiedener Schicksale das Thema "Der Sterbenswunsch als Herausforderung für die Hospizarbeit." Die musikalische Umrahmung des Nachmittags lag in den Händen des Blechbläserensembles des Musikvereines Winterbach. vf