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Gutachten der LEG untersucht vier Grundschul-Standorte in St. Wendel

Das steht im Gutachten : Sanieren, umgestalten oder neu bauen?

Vier Optionen hat ein Gutachten bezüglich des künftigen Standorts der St. Wendeler Nikolaus-Obertreis-Schule untersucht. Die Ergebnisse.

Die St. Wendeler Nikolaus-Obertreis-Schule wurde in den 60er-Jahren gebaut und entspricht weder aktuellen energetischen sowie pädagogischen Ansprüchen, noch dem Bedarf nach adäquater Ganztagsbetreuung. Und so wurde bereits im Stadtentwicklungskonzept die Frage aufgeworfen, ob es denn sinnvoll sei, weiter in den aktuellen Standort zu investieren oder ob es nicht besser wäre, über einen Neubau oder einen Umzug nachzudenken. Damit dieses Nachdenken auf Fakten basierend vonstatten gehen kann, hatte der Stadtrat die Stadtverwaltung im März des vergangenen Jahres beauftragt, ein Gutachten erstellen zu lassen, in dem vier mögliche Standort-Varianten untersucht werden. Das Ergebnis der beauftragten Landesentwicklungsgesellschaft Saarland LEG Saar) liegt nun vor.

Dem Gutachten zugrunde liegen Nutzungsvorgaben, die funktionale und räumliche Anforderungen berücksichtigen. So soll die Grundschule mit Turnhalle vierzügig und mit insgesamt 16 Klassen geplant werden. Die Schulturnhalle soll voraussichtlich eine Einzelhalle mit 400 Quadratmetern Sportfläche werden.

Standort A, Nikolaus-Obertreis-Schule: Die Schule liegt zentral im historisch bebauten Stadtkern, weshalb notwendige Erweiterungsbauten nur begrenzt realisiert werden können. Durch die Lage in Innenstadtnähe ergeben sich Synergien für den Grundschüler, allerdings müssen zum Besuch von sportlichen, kulturellen oder naturnahen Einrichtungen längere Wege genommen werden. Dafür kann andererseits ein hoher Anteil der Schulkinder den Standort zu Fuß erreichen. Allerdings ist die Verkehrssituation beengt durch schmale Zufahrten und Wege, die über reine Wohngebietsstraßen führen und teilweise unübersichtlich sind, sodass kritische Verkehrssituationen nicht auszuschließen sind. Ein weiterer Aspekt: Sollte die Grundschule an einem anderen Standort neu errichtet oder umgelagert werden, ergeben sich für die Kreisstadt in zentraler Lage hochwertige Flächen für Wohnen und Arbeiten. Da im laufenden Betrieb und in mehreren Teilabschnitten gebaut werden müsste, schätzen die Gutachter die Bauzeit auf fünf Jahre. Die Gesamtkosten werden mit 27 175 077 Euro brutto angegeben.

Standort B, St. Annenschule: Die St. Annenschule liegt etwa 1,2 Kilometer vom Zentrum entfernt. Der Standort ist eingebettet in ein dicht besiedeltes Wohngebiet und wurde bis vor kurzem als Schulstandort (Wingertschule) genutzt. Das Schulgebäude selbst besteht aus zwei Bauten, die über einen überdachten Gang miteinander verbunden sind. Eines der beiden Schulgebäude nutzt aktuell die Caritas als Schulungszentrum. An das Schulgebäude ist eine Turnhalle angebunden. Der Außenbereich verfügt über umfangreiche Freifläche mit Erweiterungsmöglichkeiten nach Westen. Die Bausubstanz ist laut Gutachten grundsätzlich in einem guten Zustand, allerdings stehen energetische und brandschutztechnische Sanierungen an. Im nahen Umfeld befindet sich ein großer Schulhof mit Spielgeräten, ein Multifunktionsfeld sowie ein Verkehrsübungsplatz – ist also eher auf Kinder weiterführender Schulen ausgerichtet und müsste für einen Grundschulbetrieb angepasst werden. Im direkten Umfeld finden sich frei Flächen, die für Erweiterungen genutzt werden können. Barrierefreiheit ist nicht gegeben, die reine Bauzeit wird mit etwa zwei Jahren angegeben. Kosten (Brutto): 25 067 090 Euro.

Standort C, Missionshaus: Das gerade ausgelaufene Arnold-Janssen-Gymnasium liegt am östlichen Stadtrand von St. Wendel. Das Gebäude ist umgeben von großen Wald-, Wiesen- und Landwirtschaftsflächen. Die Grundschule ist im Mittel- und Südtrakt des denkmalgeschützten Missionshauses in den Räumen des ehemaligen Gymnasiums denkbar. Die Gesamtanlage verfügt über zwei Turnhallen und weitere Sportanlagen im Außenbereich, beispielsweise Tennisplätze. Das Gebäude muss energetisch saniert werden. Die Lage des Missionshauses bietet sich an, um Grundschulkindern Nähe zur Natur zu vermitteln. Zudem liegt das St. Wendeler Freibad in fußläufiger Nähe. Die Verkehrsanbindung vom Stadtzentrum führt über die Missionshausstraße auf direktem Weg zum Missionshaus. Allerdings müssten die Kinder über einen Buszubringer oder durch ihre Eltern zur Schule gefahren beziehungsweise abgeholt werden, da der Weg für die ABC-Schützen zu Fuß nicht zu meistern ist. Der Standort ist nach Ansicht der Gutachter gut etabliert und deckt den Bedarf einer Grundschule weit über das erforderliche Maß ab. Die Sanierung könnte unabhängig von einem laufenden Schulbetrieb umgesetzt werden. Die Kosten werden auf 20 783 365 Euro geschätzt.

Standort D, Neubau: Die Fläche, auf der ein möglicher Neubau vorstellbar sei, liegt in der Missionshausstraße auf dem Gelände des ehemaligen Bosenbachstadions – eine Freifläche, die die Stadt hin und wieder für Events und Großveranstaltungen nutzt. Die Fläche liegt in Zentrumsnähe und damit in der Nähe städtischer Einrichtungen und weiterer Schulstandorte. Daraus könnten sich für Familien organisatorische Synergien ergeben. Die Nähe zu sportlichen Einrichtungen (Freibad, Sportzentrum) ist ebenfalls von Vorteil. Im Falle eines Neubaus würde jedoch Fläche verbraucht, was vermieden werden könnte, wenn man bereits vorhandene Einrichtungen reaktiviert und nutzt.

Die Nikolaus-Obertreis-Schule (linkes Foto) ist in die Jahre gekommen und muss entweder aufwändig saniert, neu gebaut oder umgelagert werden. Das ursprüngliche Schulhaus steht unter Denkmalschutz, der Erweiterungsbau stammt aus den 60er-Jahren. Das ehemalige Bosenbachstadion in St. Wendel (rechts) käme als Freifläche für einen Grundschul-Neubau infrage. Foto: Thorsten Grim
Standort B, die St. Annenschule in Alsfassen. Hier gibt es freie Flächen, den Verkehrsübungsplatz und Spielanlagen – die sind jedoch eher für größere Kinder geeignet. Foto: Thorsten Grim
Diesen Sommer ist das Arnold-Janssen-Gymnasium am St. Wendeler Missionshaus ausgelaufen. Platz wäre hier reichlich, und die Kinder nah an der Natur – aber auch weit vom Schuss. Foto: Thorsten Grim
Das ehemalige Bosenbachstadion könnte als möglicher Standort für einen Grundschul-Neubau infrage kommen. Foto: Thorsten Grim Foto: Thorsten Grim

Andererseits könnte bei einem Neubau ein optimales energetisches und nachhaltiges Baukonzept umsetzen, das vollumfänglich den neuesten Standards entspricht.  Nachteilig wäre wiederum, dass die Fläche der Stadt für Veranstaltungen verloren ginge. Jedoch wäre der Instandhaltungsaufwand gegenüber den anderen Varianten, die Altbaubestand beziehungsweise Schnittmengen zu Altbaubestand aufweisen, auf Jahre deutlich reduziert. Für diese Variante – einen Realisierungswettbewerb einkalkuliert – ist mit einer Bauzeit zwischen drei und vier Jahren zu rechnen. Die Kosten für den Neubau schätzen die Gutachter auf 27 879 907 Euro.