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Grüne für Berufsverkehr auf Ostertalbahn zwischen Ottweiler und Schwarzerden

Mit dem Zug : Grüne für Berufsverkehr auf der Ostertalbahn

Tressel und Schön wollen Bahnstrecke dauerhaft sichern. Landkreis und Arbeitskreis Ostertalbahn von Vorstoß überrascht.

In Schwarzerden, Oberkirchen oder Ottweiler einsteigen und in Richtung Saarbrücken zur Arbeit fahren – mit dem Auto machen das viele. Doch wenn es nach dem Willen der Saar-Grünen geht, soll das auch mit der Eisenbahn möglich sein. Pendlerzüge auf der Ostertalbahn im morgendlichen und abendlichen Berufsverkehr böten eine attraktive Alternative zum eigenen Auto, lassen Markus Tressel, Bundestagsabgeordneter und Sprecher für Tourismuspolitik und ländliche Räume, sowie Tillmann Schön, Mitglied des St. Wendeler Stadtrats, wissen.

Aktuell organisiert der Arbeitskreis Ostertalbahn auf der 21 Kilometer langen Bahnlinie zwischen Schwarzerden und Ottweiler – mit neun Bahnhöfen entlang der Strecke – eine Museumsbahn. Pächter des 1980 für den regelmäßigen Personenverkehr stillgelegten Gleis-strangs ist der Landkreis St. Wendel. Betrieben wird die Bahnstrecke vom eigenen Kreisverkehrs- und Infrastrukturbetrieb.

„Gebe es wieder regelmäßige Personenzüge, idealerweise durchgebunden nach Neunkirchen und Saarbrücken, wäre dies ein starkes Signal für den dauerhaften Erhalt der Bahnstrecke und für neue Investitionen in die Infrastruktur nach Auslaufen des Pachtvertrags zwischen der Deutschen Bahn und dem Landkreis St. Wendel im Jahr 2025“, heißt es in der gemeinsamen Mitteilung von Tressel und Schön. Vorbild ist demnach die Wieslauterbahn. Auf der rheinland-pfälzischen Strecke durch das Dahner Felsenland soll ab 2026 wieder Berufsverkehr rollen.

„Wie der zuständige Zweckverband in Rheinland-Pfalz beschlossen hat, werden ab dem Jahr 2026 morgens und abends wieder Züge auf der Wieslauterbahn zwischen Dahn und Hinterweidenthal verkehren und direkt nach Landau durchgebunden“, berichtet Tressel, Landesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen. Damit schaffe das Nachbarland auf der seit vielen Jahren nur noch für den Ausflugsverkehr genutzten Bahnstrecke für zahlreiche Berufspendler aus dem Dahner Felsenland eine attraktive Alternative zum eigenen Auto.

Was in der Pfalz umgesetzt wird, „wäre auch für die Menschen im Ostertal ein Gewinn und für die ganze Region eine große Chance. Die Bahnlinie kann einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung im ländlichen Raum östlich von St. Wendel liefern. Gerade das St. Wendeler Land leidet massiv unter dem demographischen Wandel mit zurückgehenden Bevölkerungszahlen“.

Laut Pendleratlas der Bundesagentur für Arbeit pendeln täglich mehrere Tausend Menschen aus dem St. Wendeler Land ins südliche Saarland und wieder zurück. Dazu sagt Tilman Schön, Grünen-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat: „Viele Berufstätige aus dem Ostertal sind auf das Auto angewiesen, da die Busverbindungen für ihren Arbeitsweg nach Neunkirchen oder Saarbrücken nicht attraktiv sind.“ Zugleich existiere mit der Ostertalbahn eine funktionsfähige Bahnlinie, die Schwarzerden mit Ottweiler verbindet. „Wir brauchen für die vielen Pendler aus der Gegend zumindest im morgendlichen und abendlichen Berufsverkehr wieder eine Bahnanbindung und damit eine echte Alternative zum eigenen Auto auf dem Weg zur Arbeit.“ Saar-Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD) müsse ein entsprechendes Betriebskonzept erarbeiten. „Die finanziellen Spielräume dürften durch die Erhöhung der Regionalisierungsmittel des Bundes ab dem kommenden Jahr vorhanden sein.“ Mit den Regionalisierungsmitteln sollen die Länder den Schienenpersonennahverkehr in ihrem Beritt organisieren.

Personenverkehr auf der Strecke sei zudem ein starkes Argument, um die Ostertalbahn über das Jahr 2025 hinaus dauerhaft zu sichern. Schön: „Eine Stilllegung würde nicht nur die Museumszüge und das Engagement von vielen Ehrenamtlichen gefährden, sondern die Verkehrswende insgesamt torpedieren.“ Führen hingegen wieder regelmäßig Züge auf der Ostertalstrecke, „wäre dies ein klares Signal gegen jede Stilllegungsabsichten und ein starkes Argument für neue Investitionen in die Infrastruktur und eine vollständige Betriebswiederaufnahme“.

Allerdings gibt es aktuell keinerlei Gedankenspiele, dass die Bahnlinie nach dem Auslaufen des Pachtvertrags komplett stillgelegt werden soll. „Mit der Frage, wie es mit der Ostertalbahn nach 2025 weitergeht, hat sich der Landkreis noch nicht befasst“, erklärt dazu Lukas Kowol von der Pressestelle des Landratsamtes. Daher habe sich auch noch niemand die Frage gestellt, ob das Eisenbahninfrastrukturunternehmen des Landkreises eventuell selbst die Züge für einen regelmäßigen Berufsverkehr wie ihn die Saar-Grünen fordern, bestellen würde. Wobei die Umwelt-Partei hier ja eher das Verkehrsministerium in Saarbrücken in der Pflicht sieht. Fakt ist, dass es für den Betrieb einer Bahnlinie ein Eisenbahninfrastrukturunternehmen braucht. Und der Landkreis hat ein solches.

Zusammenhängend mit dem Verkehrsentwicklungsplan, an dem die saarländische Landesregierung beziehungsweise das Verkehrsministerium nun bereits seit Jahren arbeitet, wird die Strecke jedoch mit einem Nutzen-Kosten-Verhältnis von unter eins bewertet. Das bedeutet, dass die Kosten den zu erwartenden Nutzen überschreiten würden.

Das entspricht der Einschätzung aus dem Landratsamt. „Eine Wiederinbetriebnahme würde ein Investitionsvolumen in Millionenhöhe erfordern. Ein Großteil der Strecke ist Langsamfahrbereich, also lediglich für Museumsfahrten geeignet.“ Und: „Im Verkehrsentwicklungsplan des Landes ist die Wiederinbetriebnahme dieser Strecke unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht enthalten.“

Was sagt der Arbeitskreis (AK) Ostertalbahn, dessen Engagement es zu verdanken ist, dass überhaupt noch Gleise ins Ostertal führen? „Mit uns hat niemand von den Grünen gesprochen“, erklärt Friedel Schepper, Leiter der AK-Geschäftsstelle. Man sei zwar überrascht von dem Vorstoß, sehe ihn aber grundsätzlich positiv. „Der Arbeitskreis hat sich ja gegründet, um die Strecke zu erhalten. Wenn man es wirklich fertig bekäme, hier wieder einen Berufsverkehr laufen zu lassen oder sogar einen Personennahverkehr, dann wäre das ein Erfolg für uns. Dann hätten wir die Zeit erfolgreich überbrückt“, sagt Schepper. Denn die Schiene, so berichtet der Geschäftsstellenleiter, hätten Anfang des Jahrtausends herausgerissen werden sollen. „Deshalb hat sich der Arbeitskreis ja gebildet, um das zu verhindern. Doch um Schienen zu erhalten, muss man auch wirklich darauf fahren, deshalb der Museumsbahnverkehr seit 2002.“

Sollte 2026 ein Berufsverkehr auf die Strecke kommen, „müssten wir uns mit der Museumsbahn vielleicht ein wenig zurücknehmen, vielleicht würden dann auch seltener Museumszüge fahren – aber das steht ohnehin alles in den Sternen.“ Ebenso, ob Landkreis und Bahn den Pachtvertrag nach 2025 verlängern. Wenngleich Schepper unterstreicht, „dass wir die Museumsbahn gerne weiter betreiben würden. Das Schlimmste wäre, wenn die Strecke nach dem Ende der Pacht wieder an die Bahn zurückginge und die dann sagen würden: Wir reißen jetzt doch ab, weil die Strecke nicht mehr gebraucht wird“. Doch allzu sehr beschäftigt er sich mit dieser Möglichkeit nicht. Denn: „Der Landkreis hat eigentlich signalisiert, dass er im Prinzip bereit wäre, weiter zu machen – wenn unser Verein die Leute stellt und ebenfalls bereit ist, weiterzumachen.“ Was wiederum außer Frage stehe.