Tischfußball: Große Auftritte mit dem kleinen Ball

Tischfußball : Große Auftritte mit dem kleinen Ball

In St. Wendel spielte die Tischfußball-Elite ihre Champions aus. Es ging vier Tage lang um Medaillen und internationale Titel.

Die Akteure standen seitlich am Tisch, die Gesichtszüge sind angespannt, der Blick fokussiert, denn die Sportart, die sie betreiben, ist extrem dynamisch mit permanenten Wechseln zwischen Offensive und Defensive. 550 Tischfußballer aus 23 Nationen spielten bei der Tischfußball World Series und der European Champions League 2017 in der St. Wendeler Sporthalle um Medaillen und Meistertitel. „Es braucht eine hohe Konzentrationsfähigkeit, weil mit viel Geschwindigkeit gespielt wird“, erklärte Heinrich Nagel vom ausrichtenden Tischfußballclub (TFC) aus St. Wendel. Mit Doppelpartner Christoph Seebald war der 60-Jährige bei mehreren Wettbewerben am Tisch im Einsatz. „Tischfußball ist mein Leben“, meinte er dazu. Über den vierten Rang freute sich der Frankenholzer Kevin Schulz mit seinem Partner Maurice Klass vom TFC Roden. „Für uns ist das in Ordnung, hier sind nur Weltklassespieler dabei“, sagte Klass. Das Doppel Schulz/Klass wurde 2015 Junioren-Weltmeister. Im Halbfinale mussten sie sich in St. Wendel dem deutschen Duo Yannic Hartmann/Maurice Velasco knapp geschlagen geben.

Fast gleichzeitig kickten die Spieler an 100 Tischen vier Tage von morgens bis abends. Bei manchen Spielen war es für den Außenstehenden kaum zu erkennen, wer da an der umlagerten Spielstätte eigentlich Spieler und wer Kiebitz ist. „Wenn du dran bist, musst du dich nur noch auf dein Spiel konzentrieren, alles andere musst du ausblenden“, erklärte Klass die hautengen Bedingungen, bei denen es um Weltranglistenpunkte und Edelmetall geht. Und zudem würden unterschiedliche Kickertische den Spieler immer vor neue Herausforderungen stellen, ergänzte Nagel, der auch als Teammanager der Deutschen Seniorennationalmannschaft fungiert. „Es gibt Tische, da sind die Männchen aus Kunststoff, bei anderen sind sie aus Guss“, so Nagel.

An keinem der mobilen Spielgeräte ist der Belgier Frédéric Collignon zu schlagen, darüber ist sich die Tischkickerszene einig. „Er ist der Topspieler überhaupt“, schwärmte Nagel von der außergewöhnlichen Spielkunst des Belgiers. Mit dem Luxemburger Yannic Correira gewann Collignon den offenen Wettbewerb im Doppel. Claus Cornelius und Josef Cornelius aus Ottweiler holten sich bei den Klassik-Senioren-Doppel den ersten Platz. Bei so gut wie jeder Siegerehrung stand ein nationaler Kickerspieler mit auf dem Treppchen. „Es hat richtig Spaß gemacht, hier zu spielen. Die Wettkämpfe und das ganze Drumherum waren gut organisiert“, lobte der Slowake Marek Vrabel.

Heinrich Nagel (2. Platz im Doppel Semi-Pro), Eddi Schlaup, vom TFC St. Wendel und Hans Jürgen Wiesen (Platz1 Einzel Senioren ) vom RC Berschweiler. Foto: B&K/Bonenberger/

40 Helfer des TFC waren unterbrochen im Einsatz. „Sie haben gespielt, dann mal Gläser eingesammelt, hinter der Theke geholfen und zwischendrin Müllbeutel ausgewechselt“, sagte der TFC-Vorsitzende Eduard Schlaup. Bei ihm liefen die Fäden zusammen. Und kurz vor dem Turnierende suchte der aus Altenkessel stammende Präsident des Deutschen Tischfußball-Bund (DTFB), Klaus Gottesleben, ihn auf. „Wir wurden gefragt, ob wir im nächsten Jahr wieder die Veranstaltung ausrichten können“, berichtete der Vereinschef von einer Wiederholung in St. Wendel. Was für den Verein aus der Kreisstadt bedeutet, dass er einen ausgezeichneten Job gemacht hat. Normalerweise fand das Turnier bis 2015 jedes Jahr in einer anderen Stadt oder sogar in einem anderen Land statt. Schlaup freute sich, im nächsten Jahr das nach Hamburg zweitgrößte Tischfußballturnier Deutschlands wieder in St. Wendel organisieren zu können. Mit einem sehr straffen Zeitplan wurden die rund 1000 Spiele in der Sporthalle über die Bühne gebracht. „Eine kleine Pufferzone hat man. Aber eine derartige Veranstaltung unterliegt einem enormen Zeitdruck, jede Verspätung wirkt sich nachher gravierend aus“, meinte Schlaup. Verbesserungspotenziale gebe es bei einer so großen Veranstaltung doch generell.

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