Glocken können wieder läuten

Niederlinxweiler. Als der schwere Lkw der Firma André Voegele aus Straßburg den Weg hochfährt, fängt es an zu regnen. Auf der Ladefläche ist der neue Glockenstuhl festgezurrt, daneben die beiden Glocken. Den Fachleuten des Unternehmens gefällt das Wetter nicht, müssen sie doch jetzt mehrere Stunden im Freien arbeiten. Der Lkw parkt direkt an dem neuen Glockenträger

Niederlinxweiler. Als der schwere Lkw der Firma André Voegele aus Straßburg den Weg hochfährt, fängt es an zu regnen. Auf der Ladefläche ist der neue Glockenstuhl festgezurrt, daneben die beiden Glocken. Den Fachleuten des Unternehmens gefällt das Wetter nicht, müssen sie doch jetzt mehrere Stunden im Freien arbeiten. Der Lkw parkt direkt an dem neuen Glockenträger. Ein Motor beginnt zu surren, der Kran wird ausgefahren. Bald baumelt der Glockenstuhl an den Seilen. Ein Flaschenzug hilft mit, dass das hölzerne Gestell passgenau von oben in die Glockenstube gehievt werden kann. Die beiden Glocken folgen und werden an ihrer Aufhängung befestigt. Es regnet immer stärker. Die Kleidung der Arbeiter ist durchnässt. Aber sie machen trotzdem keine Pause. Nach zwei Stunden sind Glockenstuhl und Glocken im Innern des über elf Meter hohen Turmes verschwunden, können sogar kurz geläutet werden - erstmals wieder nach mehr als vier Jahren.Rückblende. Als 2004 die Glockenstube im Turm der Pfarrkirche saniert wurde, rieten die Fachleute davon ab, das Geläut wieder in Gang zu setzen. Die Statik war zum Problem geworden. Sicherheitshalber wurden die beiden Glocken aus dem Turm genommen und neben dem Gotteshaus abgestellt. Pastor Walter Morbach und der Verwaltungsrat berietenin der Folge, wie es weitergehen soll. Sie sahen es als einzigen Ausweg - wenn die Glocken jemals wieder ertönen sollen - einen eigenen Glockenträger zu bauen.Nachdem es an Weihnachten 2004 zum letzten Mal vom Turm geläutet hatte, gingen die Gläubigen von jetzt an ohne akustische Erinnerung zu den Gottesdiensten. Bei Beerdigungen half die Evangelische Kirchengemeinde mit ihrem Glockengeläut aus. Im Sommer vergangenen Jahres kamen die Arbeiter und schachteten das Erdreich für den geplanten Glockenträger aus. Aber erst in acht Metern Tiefe stießen sie auf festen Grund. Der dort festgestellte Fels erinnerte daran, dass es hier bis in das 19. Jahrhundert einen Steinbruch gegeben hat. Eine Pfahlgründung war erforderlich. Unter die Bodenplatte wurden vier Eisenbetonpfähle von je zehn Metern Länge gesetzt. Vor etlichen Wochen entstand die Stahlkonstruktion für die Glockenstube. Holzjalousien und Satteldach fertigte der Schreiner Mario Lumen aus Marpingen aus sibirischem Lärchenholz an. Bereits Ende 2008 hatte die Straßenburger Firma die Glocken abgeholt, um sie dem neuen Glockenstuhl anpassen zu können. Die Glockenstube kostet einschließlich aller Nebenarbeiten 121 000 Euro. Allein die Pfahlgründung verschlang 26 000 Euro. Das Bistum Trier hat einen Zuschuss zwischen 70 000 und 80 000 Euro zugesagt. Der Kirchenverein und die Frauengemeinschaft gaben zusammen 12 000 Euro. Sonderkollekten erbrachten 4000 Euro. Für den verbleibenden Rest muss die Pfarrgemeinde ein Darlehen aufnehmen. Nun warten die Gläubigen gespannt auf das erste Läuten der Glocken nach so langer Pause. "Es wäre schön, wenn das an Ostern wäre", sagte Verwaltungsrat Willibald Klein. Sein Wunsch geht aber nur in Erfüllung, wenn bis dann die Stromleitungen im Glockenträger und der Anschluss zur Sakristei verlegt sind.

Auf einen BlickZur Glockengeschichte: Die Glocke mit dem Namen "St. Josef" wurde im Jahre 1923 von der Firma Mabilon in Saarburg auf den Ton "h" gegossen. Sie stammt aus dem Dorf Niederheckenbach bei Ahrweiler. Dieser Ort war 1938 wegen eines Luftwaffenübungsplatzes aufgegeben worden. Die Glocke "St. Martin" mit dem Ton "gis" stammt aus dem Jahre 1959 und wurde ebenfalls in Saarburg gegossen. Aus Niederheckenbach hatte Niederlinxweiler damals noch zwei weitere größere Glocken erhalten. Sie läuteten aber nur zwei Jahre vom Turm und wurden dann zu Kriegszwecken eingezogen. gtr