Gespräch mit Torsten Lang, SPD-Fraktionsführer im Stadtrat St. Wendel

Zu Gast in der Redaktion : Lang vermisst Visionen für St. Wendel

Torsten Lang, Sprecher der SPD-Stadtratsfraktion, fordert von der CDU und Bürgermeister Klär mehr Engagement für Kinder, Geschäftsleute, Radfahrer und die Belebung der Innenstadt.

Nicht, man sollte, man müsste oder man könnte – es muss heißen: Wir machen das. So hatte sich St. Wendels Bürgermeister Peter Klär (CDU) kürzlich in einem Redaktionsgespräch gegenüber der Saarbrücker Zeitung geäußert (SZ vom 24. Oktober). Thema war die Zukunft der Kreisstadt. Nun übt Torsten Lang (SPD), Fraktionsführer der größten Oppositionspartei im St. Wendeler Stadtrat, Kritik an Klärs Blick in die Zukunft: „Man muss auch sagen, was man macht und wo man anfangen will. Mir haben die konkreten Visionen gefehlt.“ Denn es gibt einige Dinge in St. Wendel, die in den Augen Langs im Argen liegen und wo man von einem Bürgermeister erwarten könne, dass er sagt, wo es hingehen soll. „Das fängt grundsätzlich beim Thema Kinder- und Familienfreundlichkeit an“, erklärt Lang.

Da sei zunächst die Sache mit den Spielplätzen. St. Wendel habe bereits vor zehn Jahren ein Konzept für deren Ausgestaltung erstellt, aber der Zustand vieler Spielplätze im Stadtgebiet sei desolat und zeige, dass sich um die Plätze „über Jahre hinweg nicht richtig gekümmert wurde“. Erst nachdem sich die Sozialdemokraten des Themas angenommen hätten, passiere jetzt etwas. Aber nicht so, wie es richtig wäre. Lang und seine Parteigenossen vertreten die Ansicht, dass in das Konzept ein Plan gehört, in dem drin steht, was wann und wo gemacht werden soll. Dazu zähle auch eine Art Erfolgsskontrolle. Die vermisst Lang. Dennoch hofft er, „dass das neue Konzept wirklich gelebt und die Maßnahmen auch umgesetzt werden“.

Dann kommt der SPD-Fraktionsführer im Stadtrat auf das Thema Grundschulen zu sprechen. „Nicht nur in der Nikolaus-Obertreis-Schule gibt es einen Sanierungsstau, an anderen Schulen auch“, sagt Lang, der sich nach eigenen Angaben mit den Mitgliedern der SPD-Stadtratsfraktion alle Grundschulen im Stadtgebiet anschauen will und zum Teil bereits angeschaut hat. „Da ist nicht alles Gold, was glänzt. Ganz im Gegenteil.“ Baulicher Zustand, Ausstattung, Ganztagsplätze – überall dort macht Lang einen Mangel aus. „An der Nikolaus-Obertreis-Schule gibt es zum Beispiel nicht genug Ganztagsplätze und daher Wartezeiten. Das sollten wir in St. Wendel nicht haben.“

Auch sei es eine „vollkommen falsche Entscheidung, die Nikolaus-Obertreis-Grundschule in den Wald, in die Räume am Missionshaus verlagern zu wollen“. Ob das Sinn ergebe, untersucht derzeit ein Gutachter. Dieser prüft auch drei weitere Optionen, als da wären: den jetzigen Standort sanieren, komplett neu bauen oder in die seit Sommer leerstehende Annenschule in Alsfassen ziehen. Bei der Option Missionshaus hat Lang grundsätzlich Bedenken: „Eine Grundschule gehört in die Innenstadt und muss auch mal zu Fuß erreichbar sein“. Es sei nicht gut, wenn Grundschulkinder quasi von Anfang ihrer Schulzeit an dazu erzogen würden, dass man nur motorisiert zur Schule kommt.

Außerdem habe seine Partei nach Gesprächen mit Lehrern Bedenken, was das weitläufige Gelände des Missionshauses angeht. Eine angemessene Aufsicht über die Grundschulkinder sei dort kaum möglich. „Bisher war hier ein Gymnasium untergebracht. Für diese größeren Kinder und Jugendlichen ist das Gelände sicher toll – für die ganz Kleinen passt es aber gar nicht.“

Dass Bürgermeister Klär sich Gedanken darüber mache, was mit der Immobilie auf dem Hügel oberhalb des städtischen Freibades geschehen soll, wenn im Sommer das dort ansässige Arnold-Janssen-Gymnasium endgültig schließt, sei „richtig und wichtig“. Aber die Grundschule dorhin zu verlagern, ist, wenn es nach Lang geht, ausgeschlossen. Was stattdessen mit dem weitläufigen Schulgelände passieren soll, dafür hat Lang nicht die Lösung. Aber es gebe Optionen. Villeicht eine Fortbildungsstätte für Gesundheits- und Pflegeberufe. Oder – ähnlich wie es dem Netzwerk St. Wendeler Land vorschwebt – ein hochschulgebundenes Institut. Vielleicht auch ein kontemplativer Rückzugsort für Menschen, die Urlaub im Kloster machen möchten. Dass die Steyler Ordensbrüder all das nicht wollen, lässt er zunächst einmal außen vor und regt einen Ideenwettbewerb an.

Ideen hat Lang auch für die Innenstadt. Denn viele Geschäftsinhaber berichteten von großen Problemen – die auch das kostenlose Parken am Samstag, das auf Initiative der CDU im Stadtrat realisiert wurde, nicht lösen könne. Bereits 2004, als Lang erstmals für den Stadtrat kandidierte, habe er ein Konzept für die Weiterentwicklung der Bahnhofstraße erarbeitet. Mit dazugehöriger Skizze, auf der beispielsweise breitere Gehwege und Kurzzeitparkplätze eingezeichnet gewesen seien. Dem angrenzenden Schloßplatz bescheinigt Lang „ein Top-Flair, aber wir müssen weiter machen. Die Bahnhofstraße ist das Eingangstor zur Innenstadt, da wird es jetzt Zeit, dass etwas gemacht wird. Nicht, dass gewartet und gewartet wird und nachher geht es den Geschäftsleuten in der Bahnhofstraße wie denen in der Brühlstraße“. Dort habe man ewig diskutiert und beratschlagt, was man machen könnte, um die Straße als attraktive Einkaufsstraße zu erhalten.

Auch auf der Mott müsse etwas geschehen. Lang kann sich dort eine Art Markthalle vorstellen, in der aber auch andere Veranstaltungen stattfinden könnten. Aber egal was man mache, „das Ziel muss es sein, mehr Menschen in die Stadt zu bringen“. Und somit mehr Kaufkraft.

Auch in den Stadtteilen gebe es Probleme. Zwar sei im Stadtrat ein Entwicklungskonzept beschlossen worden, aber Lang fehlt der konkrete Umsetzungswille. Daher fordert er auch für diesen Bereich, ähnlich wie für die Spielplätze, ein Entwicklungskonzept mit fixen zeitlichen Vorgaben und einer damit einhergehenden Ergebnisprüfung. „Die Finanzlage dafür ist gut, auch wegen des Saarlandpaktes, der der Stadt viel bringen wird.“ Zumal es für nahezu alle Vorhaben Zuschüsse gebe.

SPD-Fraktionsführer Torsten Lang. Foto: Bonenberger/Stadt

Auch vermisst Lang in St. Wendel ein echtes Radwegenetz. Das betreffe die Innenstadt, aber auch die Stadtteile, die in dieser Hinsicht nur bedingt angebunden seien. „Das sollte man jetzt mit Priorität angehen. Und auch dafür gibt es ja Zuschüsse. Man muss halt ein bisschen Fantasie haben, damit man das finanziell hinkriegt“, sagt Lang, im Berufsleben Kämmerer der Landeshauptstadt Saarbrücken.