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Geldsorge trübt KirchenjubiläumKeine weiteren Investitionen

Geldsorge trübt KirchenjubiläumKeine weiteren Investitionen

Die evangelische Kirche Oberlinxweiler wird 50 Jahre alt. Das Jubiläum wird am Sonntag, 30. September, innerhalb des Erntedankgottesdienstes gefeiert. Ob das Gotteshaus den Gläubigen auch in der Zukunft erhalten bleibt, steht nach den Worten von Pfarrer Wolfgang Meyer derzeit in den Sternen.

Oberlinxweiler. Die ersten Bemühungen der evangelischen Christen, in Oberlinxweiler eine Kirche zu bauen, gehen auf das Jahr 1947 zurück. Damals lud Pfarrer Fischer die Oberlinxweiler Gemeindeglieder zu einer Besprechung ein, weil der Kirchengemeinde für einen möglichen Kirchbau eine Stiftung gemacht werden sollte, bestehend aus einem Bauplatz und 2000 Mark. Weitere 2700 Mark wollte die Kirchenkasse, sollte das Vorhaben verwirklicht werden, zur Verfügung stellen. In der Versammlung gab es aber zwei Meinungen. Ein Teil der Anwesenden war für den Neubau einer Kirche. Andere hatten die Meinung, das alte Schulhaus, wo sowieso schon die Gottesdienste gefeiert wurden, anzukaufen und entsprechend umzubauen. Ein Türmchen sei dort schon vorhanden. Es kam aber keine Einigung zustande, das Projekt blieb in seinen Anfängen stecken.Ende der 50er Jahre kam der Bau einer Filialkirche erneut ins Gespräch, weil die Zahl der Seelen in Oberlinxweiler auf 1100 angewachsen war. Pfarrer Ernst Gillmann lud im Februar 1958 zur Gründung eines Kirchbauvereins ein. 135 Gemeindeglieder kamen, hoben den Verein aus der Taufe und wählten August Schwingel zum Vorsitzenden. Danach ging es Schlag auf Schlag. Die Zivilgemeinde Oberlinxweiler stellte im Neubaugebiet "Im Eckenthal" einen Bauplatz für die geplante Kirche zur Verfügung. Die Baupläne sahen einen einfachen Baukörper vor, dessen oberes Geschoss den Kirchenraum bilden sollte. Im Untergeschoss waren zwei Gemeindesäle eingezeichnet. Der 23 Meter hohe Glockenturm mit seinen vier Stockwerken war als ein selbstständiges Bauwerk vorgesehen. Die Kosten lagen bei 495 000 Mark. Die Kirchengemeinde und der Kirchbauverein beteiligten sich mit 145 000 Mark, die Landeskirche und das Saarland mit zusammen 125 000 Mark und der Bund mit 225 000 Mark.

1961 begann eine Baumholderer Firma mit den Bauarbeiten. Der Grundstein wurde am 23. Juli gelegt. Noch im gleichen Jahr war der Rohbau fertiggestellt. Eingeweiht wurde die Kirche am 7. Oktober 1962. 1964 kamen drei Glocken in den Turm, die schwerste mit einem Gewicht von 395 Kilogramm, eine mit 284 Kilogramm und eine mit 202 Kilogramm. Gegossen worden waren sie in der Glockengießerei Gebrüder Rincker in Sinn an der Dill. Im Juli 1967 erhielt das Gotteshaus eine Orgel, gebaut von der Firma Oberlinger in Windesheim. Dem 50-jährige Bestehen der Kirche wird am Sonntag, 30. September, im Erntedankgottesdienst um 14 Uhr gedacht. Anschließend ist gemütliches Beisammensein mit Kaffee und Kuchen.Oberlinxweiler. In den Zeiten der Rezession gibt es vermutlich keine Kirchengemeinde - ob evangelisch oder katholisch - die nicht von finanziellen Sorgen geplagt wird. Auch die evangelische Kirchengemeinde Niederlinxweiler ist davon betroffen. "Wir haben derzeit fünf Gebäude zu unterhalten", sagte Pfarrer Wolfgang Meyer im Gespräch mit der SZ. "In Niederlinxweiler gibt es eine Kirche, ein Pfarr- und Gemeindehaus und einen Kindergarten, in Oberlinxweiler und in Remmesweiler jeweils eine Kirche. Wir werden sie nicht alle halten können, weil unsere finanziellen Mittel nicht reichen." Schon vor längerer Zeit sei beschlossen worden, in die Oberlinxweiler Kirche nichts mehr zu investieren. Im Klartext heißt das: Wenn zum Beispiel die 35 Jahre alte Heizungsanlage eines Tages defekt ist, werde sie nicht mehr repariert. In einer Versammlung sind die Oberlinxweiler Gemeindemitglieder im vergangenen Jahr darüber informiert worden.

Pfarrer Meyer hat ein Architekturbüro damit beauftragt, die Struktur der fünf Gebäude zu analysieren, um Sachargumente für die Zukunft in der Hand zu haben. "Es ist und bleibt ein schwieriger Prozess, sich von Gebäuden zu trennen", sagte der Geistliche gegenüber der SZ. "Deshalb sollen die Menschen in Oberlinxweiler zum 50. Jahrestag der Indienststellung der Kirche umfassend informiert werden, damit demnächst die zu treffenden Entscheidungen für sie nachvollziehbar sind." Nach seinen Worten soll über das Jubiläum des Gotteshauses jedoch nicht sang- und klanglos hinweggegangen werden, "weil die Menschen im Dorf froh sind, eine eigene Kirche zu haben". Gefeiert werde jedoch nicht mit viel Pomp. gtr