Wiedereröffnung in Winterbacher Kult-Kneipe Im „Max und Moritz“ wieder ein Bierchen zischen — warum der neue Pächter ohne Erfahrung Kneipenbetrieb startet

Winterbach · Die Kult-Kneipe in Winterbach hat einen neuen Pächter. Und der hat schon einige Pläne fürs erste Jahr.

Die Kultkneipe „Max und Moritz“ in Winterbach ist wieder offen.

Die Kultkneipe „Max und Moritz“ in Winterbach ist wieder offen.

Foto: Frank Faber

Wieso ist denn das „Max und Moritz“ dicht? Nicht nur Hunderte Verkehrsteilnehmer, die mit dem Auto durch Winterbach fahren, mag dieser Gedanke beim Blick auf die im ganzen Landkreis bekannte Kneipe durch den Kopf geschossen sein. Aber plötzlich hat sich in dem Lokal etwas verändert und auch an diesem Donnerstag weist davor ein Schild darauf hin – ab 15 Uhr geöffnet. Seit Fetten Donnerstag ist das „Max und Moritz“ wieder offen, und der Pächter, der sich über jeden Gast freut, ist ein absoluter Neuling in der Gastronomiebranche.

Trotz Kneipensterben traut sich Bernd Gerber

Trotz bundesweitem Kneipensterben hat sich der Winterbacher Bernd Gerber dazu entschlossen, dass bekannte Lokal in seinem Heimatort wieder fit zu machen und für ein Jahr zu übernehmen. „Bei der Ausfahrt der Harley-Freunde im vergangenen Oktober bin ich darauf angesprochen worden, ob ich Interesse habe, das Lokal zu übernehmen“, berichtet Neu-Wirt Gerber. Nach einem Gespräch mit dem Hauseigentümer hat er sich eine Bedenkzeit von vier Wochen erbeten. „Ich habe mich bei anderen Gastronomen umgehört, wie es so läuft und was die Zukunft verspricht“, schildert der 63-Jährige.

Zunächst hatte er danach schon abgesagt. „Wir haben uns dann noch einmal im Lokal getroffen und im Dezember habe ich für ein Jahr zugesagt“, teilt er mit. Seine Idee war zu diesem Zeitpunkt, das Lokal an Weiberfastnacht zu eröffnen. Sechs Wochen wird die Gaststätte renoviert, es wird entrümpelt, im Inneren geschrubbt, geputzt, die Wände werden hell gestrichen. Immer mit dabei: Gerbers Mutter Gerlinde mit 81 Jahren. „Es war richtig viel zu tun“, sagt er.

„Was tue ich mir mit 63 Jahren hier an“

Parallel durchläuft Gerber zur Anmeldung der Gaststätte sämtliche Behördengänge und absolviert einen Hygiene-Lehrgang. „Für mich war alles in der Gastronomiebranche totales Neuland. Ich habe mich gefragt: Was tue ich mir mit 63 Jahren hier an und steige wieder mitten ins Arbeitsleben ein“, sagt Gerber, der nach seinem Job auf der Grube seit zehn Jahren seinen Ruhestand genossen hat.

Er weiß, in der Selbstständigkeit ist jetzt sein Organisationstalent mehr als je gefragt, und als Mitorganisator des alljährlichen Harley-Davidson-Treffens in Winterbach hat er die nötige Begabung dafür eh drauf. „Das ‘Max und Moritz’ soll ein Treffpunkt für jedermann in der Ortsmitte von Winterbach werden“, lautet sein Plan. An einen festen Getränkehändler will er sich vertraglich nicht binden. „Die Getränke besorge ich selbst“, hat er vor, damit der Gast zu einem ganz moderaten Preis sein Bierchen zischen kann. Neun Bedienungen hat Gerber für den Job hinter der Theke engagiert und angemeldet.

Seit Fastnacht wieder Kneipenbetrieb im „Max und Moritz“

Und an Weiberfastnacht war es dann so weit: Das „Max und Moritz“, die Kultkneipe im Dorf, hat wieder auf. „Über die Fastnachtstage war das Lokal brechend voll“, erzählt Gerber von einer sehr guten Wiedereröffnung. Neben dem normalen Thekenbetrieb werden jetzt die Tischfußballer aus Winterbach im Nebenraum auf Torejagd gehen. Die Harley-Freunde werden sich am Stammtisch treffen, ebenso die Fußballer der Sportfreunde Winterbach und die Anhänger des Fußball-Drittligisten 1. FC Saarbrücken, Gerbers Lieblingsverein.

Traditionskneipe mit langer Historie

Beim Blick in die Historie hat auch das Gebäude in dem 2000-Einwohner-Ort eine lange Tradition. Vor 100 Jahren betrieb Nikolaus Klos, in Winterbach „Schnetze Nikla“ genannt, darin ein Kolonialwarengeschäft.

Im Jahre 1984 ging die Gaststätte „Max und Moritz“ an den Start. „Das waren früher zwei Lokalräume. Die Jüngeren sind in den Moritz gegangen und die über 30-Jährigen haben sich im Max getroffen“, schaut Gerber auf seine frühere Zeit als Gast zurück.

Kneipen-Pläne für das kommende Jahr

Das 40-jährige Bestehen des Lokals soll vom 13. bis 15. September groß gefeiert werden. „Ich habe alle vorigen Wirte angeschrieben. Sieben haben mir schon zugesagt“, freut er sich. Gemeinsam mit seinen Vorgängern wird Gerber vor dem Lokal eine Stunde lang 100 Liter Freibier zapfen.

Als Fußballfan will er auch während der Europameisterschaft vom 14. Juni bis 14. Juli das „Max und Moritz“ zu einem Stadiontreff machen. „Aber alles nach und nach, zuerst muss ich sehen, wie alles läuft“, sagt Neu-Wirt Gerber.

Gerlinde Gerber, Bedienung Helga Kossowski und Betreiber Bernd Gerber (von links) im „Max und Moritz“ hinter der Theke

Gerlinde Gerber, Bedienung Helga Kossowski und Betreiber Bernd Gerber (von links) im „Max und Moritz“ hinter der Theke

Foto: Frank Faber

Das „Max und Moritz“ ist donnerstags und freitags ab 15 Uhr und Samstag und Sonntag ab 16 Uhr geöffnet.

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