Fresenius-Werk in St. Wendel fasziniert zur Langen Nacht der Industrie

Lange Nacht der Industrie : Fresenius fasziniert mit Hightech

Lange Nacht der Industrie lockte zahlreiche Besucher nach St. Wendel. In Gruppen wurden sie durchs Werk geführt.

„Das muss die Zukunft sein“ – diesen Gedanken dürften jüngst wohl die meisten der rund 100 Besucher des Fresenius Medical Care-Werkes in St. Wendel gehabt haben. Vollautomatisierte Produktionshallen, autonome Transportwagen, die sich selbstständig ihren Weg und ihre nächste Aufgabe suchen, futuristisch wirkende Roboterarme, die zügig und millimetergenau Sachen drehen, heben, schweißen oder verpacken. Mit einem Wort: Hightech. Und das mitten im beschaulich wirkenden St. Wendeler Land.

Anlässlich der „Langen Nacht der Industrie“ öffneten 16 Betriebe im Saarland für einen Abend ihre Tore für die Öffentlichkeit. Darunter auch das Produktionswerk des Fresenius-Konzerns in der nordsaarländischen Kreisstadt, das zu den führenden auf diesem Gebiet der Medizintechnik zählt. Mehr als 2000 Mitarbeiter produzieren hier täglich hochmoderne Produkte, die in die gesamte Welt zur Behandlung von Patienten mit chronischen Nierenversagen verwendet werden. Dazu zählen vor allem „künstliche Nieren“, so genannte Dialysatoren. Rund 70 Millionen produzierte das Werk im vergangenen Jahr davon. Und das zum größten Teil vollgehend automatisch. Die gerade einmal 35 Mikrometer dicken Hohlfasern, das „Herzstück“ eines jeden Dialysators, werden beispielsweise komplett von Maschinen hergestellt und fertig verpackt. Der Mensch muss nur Eingreifen, wenn es zu Störungen im Betriebsablauf kommt.

Trotz der weitesgehenden Vollautomatisierung konnte das Werk seine Mitarbeiteranzahl in den vergangenen Jahren steigern. „Das liegt vor allen an den steigenden Produktionsmengen“, erklärt Svenja Grotzfeld, Personalleiterin des Werkes. In den Jahren 2013 und 2014 investierte das Unternehmen mehr als 100 Millionen Euro in den Standort, um die Produktionskapazitäten zu erweitern. Und die sind teilweise astronomisch hoch. Pro Anlage werden rund 1000 Dialysefasern gleichzeitig produziert. Im Jahr sind das etwa 18 Millionen Kilometer Hohlfasern – oder um bei astronomischen Einheiten zu bleiben: knappe 47 Mal die Strecke zwischen Erde und Mond.

Auch wenn Maschinen einen großen Teil der Arbeit im Werk verrichten, der Mensch wird weiterhin einen wichtigen Aspekt im Unternehmen bleiben, heißt es. Man stelle immerhin Produkte her, die Leben erhalten, betont Grotzfeld. Auch so zeigte das Unternehmen an diesem Abend, dass es auf ein starkes Teamplay baut. Bei ihrem knapp zweistündigen Rundgang lieferten die Mitarbeiter an verschiedenen Stationen allerlei Informationen für die Besucher, die in sechs Gruppen über das Gelände geleitet wurden, und beantworteten dazwischen immer wieder Fragen. Unterbrochen wurden die Vorträge lediglich durch einen der 26 autonom handelnden Transportwagen, die die langen Gänge des Werkes befuhren und sich immer mal zwischen die Gäste und die vortragenden Mitarbeiter drängten. Angst davor, unter die Räder zu kommen, musste jedoch keiner haben. Stand man den Transportwagen unbeabsichtigt im Weg, blieben diese kurz vor einem stehen und fuhren erst dann weiter, wenn man aus dem Weg ging.

An dieser modernen Maschine werden Fasern für Dialysemembranen zusammengesponnen. Foto: Johannes Krzeslack/Fresenius Medical Care

Das Zusammenspiel zwischen Technik und Mensch begeisterte an diesem Abend aber nicht nur die Besucher des 1974 eröffneten Werkes. „Wenn ich schlecht drauf bin, gehe ich immer wieder hier durch die Gänge und fühle mich wie beflügelt“, erklärt Gertrud Klinkner, die in der Unternehmenskommunikation von Fresenius Medical Care arbeitet und den Rundgang mitorganisiert hat. Vor allem das genaue Timing der vollautomatiserten Anlagen begeistere sie und erinnere „an ein Uhrwerk“. Den Abend schätzt sie insgesamt als „gut gelungen“ ein. Auch wenn man dem einen oder anderen Besucher die Erschöpfung nach dem zweistündigen Rundgang angesehen habe, wie sie zugibt. Über platte Füße hörte man trotzdem keinen Besucher oder Mitarbeiter an diesem Abend klagen. Viele waren wahrscheinlich einfach „beflügelt“ von diesem Einblick in die futuristische Hightech-Welt, die sich im sonst so beschaulichen St. Wendeler Land verbirgt.