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Frauenfastnacht in St. Wendel Alsfassen war wieder einmal gut besucht

Prekäre Verhältnisse : St Wendeler Frauen wandeln auf neuen Wegen

Nachwuchsprobleme zwingen Frauen zu einer kriminellen Handlung: Sie haben in Alsfassen die Kinderarbeit eingeführt.

Die Katholische Frauengemeinschaft (kfd) aus Alsfassen geht neu Wege. Bei zwei Fastnachtsshows im Kulturzentrum schlüpft die Theatergruppe in verschiedene Rolle und stellt singend und tanzend ihre frisch eröffnete Agentur für Personalmanagement vor. „Auf das, was danach kommt“, singt die umgeschulte Belegschaft einer Theatergruppe zur Präsentation ihres unglaublich fachmännischen Angebotes. Leiterin Evi Färber gesteht allerdings: „Ja Nachwuchsprobleme spielen eine Rolle. Wir sind zu einer kriminellen Handlung gezwungen und müssen Kinderarbeit einführen“.

Der Nachwuchs verbreitet viel Spaß und tanzt zu den Erkennungsmelodien der früheren Leinwandstars Bibi Blocksberg, Biene Maja und Pipi Langstrumpf. Die musikalische Früherziehung stimmt, hingegen ist die gymnastische Ausbildung mehrerer Leiharbeiter katastrophal. „Sie sollen für einen Festvertrag vortanzen“, teilt Agenturleiter Färber mit. Wegen dem dürftigen Aerobic-Auftritt in Zeitlupentempo müssen die Herren sich künftig weiterhin mit prekären Verträgen begnügen.

Auch die „3 Hühner“ sind auf dem Arbeitsmarkt nicht vermittelbar. „Ich habe 40 Grad Fieber und am Morgen ein gekochtes Ei gelegt“, berichtet das dumme Hinkel Agathe (Christina Schönecker). Mary (Marianne Riotte Brill), die letzte deutschsprachige Putzfrau vor der Autobahn, soll stundenweise bei der kfd die Bude putzen. Aber sie fegt wenig und tratscht viel. Ihr Mann habe zwei Millionen im Lotto abgeräumt und ein Wasserbett angeschafft. „Er hat gesagt, das ist der Ozean der Liebe. Haha, es war das Tote Meer“, klagt Mary.

Außer der weit unter dem Mindestlohn zahlenden Frauengemeinschaft wird wohl kaum noch jemand die altmodische Reinigungskraft engagieren. Denn heutzutage tragen moderne Hausfrauen Hotpants und schwingen tanzend Besen und Schrubber. Zwischendrin wagt die Personalmanagement-Agentur auch den Blick auf das Rentnerdasein. Aber die älteren Herrschaften zählen mehr oder minder zu den Karteileichen. Hilde (Christina Schönecker) berichtet, dass ihr Mann an einer Tiefe von zehn Zentimetern im Kühlschrank die Butter nicht mehr finde. Deshalb brauche er sich für einen Minijob erst gar nicht zu bewerben.

Auch Waltraud und Mariechen (Christina Schönecker, Evi Färber) haben ihre Sorgen. Heinz-Günter (Edda Klein) kann nicht einschlafen, weil er im Bett auf seinem Gebiss liegt. Ehefrau Monika (Monika Egler) hält fest: „Er ist der einzige Mann auf dieser Welt, der sich selbst in den Hintern beißen kann“. Für die Kunstschaffenden bietet die Agentur besondere Seminare an. Doch Leiterin Maria Weier verzweifelt bei der Umsetzung eines Krimi-Theaterprojektes an der Inkompetenz der Darsteller. Mal agieren sie in einer Szene zu schnell, dann zu langsam oder wandeln den Thriller zum Musical um.

Die Leiterin kritisiert die talentfreie Gruppe, die postwendend eine Meuterei anzettelt. Mit ein paar Laiendarstellern aus dem Publikum kriegt sie schließlich die Szene in den Kasten. Toilette besetzt! Davor hüpfende Damen zeigen die Entstehung des irischen Volkstanzes. Kurz vor Feierabend tauchen noch die Lästerschwestern (Marion Meyer, Monika Egler, Maria Weier) auf und zum Schluss singt die komplette Belegschaft den Werbeslogan der neuen Agentur: „Wir sind jung und stark“.