Fleißige Buche macht Tiere froh

Buche ist die Baumart im Nationalpark Hunsrück-Hochwald. In diesem Jahr hat das Gehölz reichlich geblüht und gefruchtet. Was das bedeutet, erklärt Förster Konrad Funk, Mitarbeiter im Nationalpark Hunsrück-Hochwald.

Erinnern Sie sich noch an Ihre gelben Wanderschuhe vom Frühjahrsspaziergang im Wald? Der Pollenflug unserer Bäume hatte sie so eingefärbt. Und die haben dieses Jahr reichlich geblüht, allen voran die Buche, die auch in den vergangenen Jahren nicht faul war. So kündigt sich schon wieder ein Mastjahr an, wie es die Förster nennen. Der Begriff stammt aus der Zeit, als Bauern die Hausschweine zur Mast in den Wald trieben, die sich dann Eicheln und Bucheckern gütlich taten.

Der nasse Sommer hat die Bäume ordentlich mit Wasser versorgt, so dass der Fruchtanhang nicht vorzeitig abgeworfen, sondern fertig ausgebildet werden konnte. Das ist bei einem Spaziergang deutlich zu sehen. Die Zweige der Buchen hängen durch die Last der Früchte ähnlich einer Trauerweide stark nach unten, manch einer ist sogar gebrochen. Tonnen an Samen werden zu Boden fallen, prophezeit der Experte. Im vergangenen Jahr hatte die Eiche die Buche noch übertrumpft, dieses Jahr steht die Buche wieder auf Platz eins. Der Nationalpark mit seinen 2000 Hektar an alten Buchenbeständen hat bei der Samenbörse ordentlich Aktien am Markt. Ein gewaltiger Anschub für die Buchennaturverjüngung ist zu erwarten, auch wenn von den Millionen und Abermillionen Samen nicht alle keimen werden.

Wildschweine bekommen mittlerweile bei dem guten Nahrungsangebot das ganze Jahr über Frischlinge. Anscheinend sorgenlos stehen sie vor der Wahl, ob sie zuerst noch den Maisfeldern einen Besuch abstatten oder lieber gleich den Weg in den Wald zu Bucheckern und Eicheln - ihrem angestammten Gabentisch - nehmen sollen. Aber nicht nur die großen Wildtiere, auch viele andere Tierarten profitieren von dem herbstlichen Früchtereichtum. So werden sich auch Buch- und Bergfinken an den Bucheckern erfreuen. Die Eichhörnchen kommen gar nicht nach, die Haselnüsse am Waldrand zu ernten, auch hier wurde im Übermaß produziert.

Orange-rot leuchten die Früchte der Vogelbeere. Sie stellt nicht nur bunte Farbtupfer am Waldesrand dar, sondern bietet den Weichfressern wie Amsel und vielen anderen Vögeln reichlich Nahrung. Für die Bereitstellung eines solchen Gabentisches haben sich die Bäume doch auch sehr stark verausgabt. Die vergangenen warmen Tage haben gezeigt, wie wenig Wasser trotz des nassen Sommers noch im Boden ist. Eine vorzeitige Verfärbung der Bäume im Wald, gerade der Buche, ist erkennbar. Diese ist wohl nicht dem bevorstehenden Herbst, sondern eher der Wassernot und dem Stress durch die reichliche Fruchtausbildung geschuldet. Zweifelsfrei, die Buche hat alles gegeben. Ihr Jahresring 2016 wird für alle Zeit sichtbar sehr schmal ausfallen. So hofft der Förster, dass sie im nächsten Frühling wieder ihr frisches Blattwerk austreibt und den Nationalpark verzaubert.

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Bucheckern gewittert: Darauf steht Wildschwein als Leibspeise. Foto: Uli Deck/dpa Foto: Uli Deck/dpa
Für die Amsel sind die strahlend roten Vogelbeeren ein Leckerbissen. FotO: Tim Brakemeier/dpa

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