Fleißarbeit mit Kultstatus

Eine Krone aus frühlingsfrischem Grün, verziert mit 2000 bunten Eiern. Über diesen Hingucker staunen Jahr für Jahr Besucher des St. Wendeler Ostermarktes. Der Brunnenschmuck ist ab morgen an Ort und Stelle.

Ein Ostermarkt ohne sie? Unvorstellbar. Die Krone auf dem Brunnen des Schlossplatzes in der St. Wendeler Innenstadt ist Kult. Seit 18 Jahren dient sie nun schon als ganz besonderer Blickfang. Und auch dieses Jahr können die Besucher das Schmuckstück wieder auf ihrem Stammplatz bewundern. Am Mittwoch, 2. März, kommt die Krone auf den Brunnen . Doch wie kommt sie dort überhaupt hin?

"Jedes Jahr vor Ostern nehmen wir uns 14 Tage lang Zeit, um die Krone zu basteln und aufzustellen", erzählt Christa Wiese. Die Leiterin des Osterkronen-Teams und fünf weitere Frauen treffen sich dazu in einer Garage des Friedhofamts in St. Wendel . Zunächst bauen sie das Metallgerüst auf und umwickeln dieses mit Stroh. "Dann kommt das Grün. Die Thuja-Äste befestigen wir mit Draht", erklärt Wiese weiter. Anschließend müssen die Frauen die Krone wieder auseinander bauen. Sie sei einfach zu groß, um sie komplett zum Schlossplatz zu transportieren. Erst wenn die Krone auf dem Brunnen steht, hängen die Frauen die Ostereier auf. Insgesamt 2000 Stück. Zwei bis drei Tage dauert es, bis jedes Ei an seinem Platz ist. "Das Schmücken ist immer der Höhepunkt", sagt Wiese und betont: "Alle Eier am Brunnen sind echt." Nur das riesige Ei auf der Spitze sei aus Kunststoff. Ein Floristikhandel stelle die Hühner- und Gänseeier zur Verfügung. "Aber wir bemalen jedes einzelne Ei persönlich", erzählt Wiese stolz.

Sie und ihr Team versuchen, die Krone jedes Jahr etwas anders zu gestalten. Dazu zeichnen die Frauen einen Plan, der vorgibt, wie das Schmuckstück letztendlich aussehen soll. "Den Plan ändern wir aber auch manchmal. Während des Bastelns kommen uns oft neue Inspirationen", erklärt Wiese. Sie ist hauptberuflich Schneiderin und hat für gewöhnlich nichts mit Blumen und Kränzen zu tun. Auch Mechtild Marx kümmert sich in ihrem Alltag nicht um Grünzeug. Sondern um Kinder. Die 58-Jähirge ist die Jüngste im Team und arbeitet normalerweise in der Nachmittagsbetreuung einer Schule. Das Basteln an der Osterkrone muss sie mit ihrem Job unter einen Hut bringen. "Das ist manchmal ganz schön stressig", sagt sie.

Oft tüfteln die Frauen von morgens bis in den späten Nachmittag an dem Brunnenschmuck. Und trotzen dabei auch ihrem größten Feind: Dem Wetter. "Dieses Jahr ist es wirklich besonders kalt. Wir haben in der Garage keine Heizung", berichtet Marx. Sie trägt daher Handschuhe und eine dicke Jacke. Außerdem haben die Frauen noch weitere Maßnahmen gegen die Kälte eingeleitet. "Wir haben uns einen kleinen Heizlüfter besorgt und stellen uns auf Styroporplatten", erzählt Wiese, "die sorgen wenigstens ein bisschen für warme Füße." Doch kaltes, nasses Wetter sind sie bereits gewöhnt. Marx erinnert sich: "Einmal hat es so stark geregnet, dass wir uns beim Schmücken auf dem Schlossplatz zwischendurch immer wieder trocknen mussten." Dennoch hat des Osterkornen-Team jedes Jahr viel Spaß beim Basteln. "Die Gemeinschaft ist das Schönste", sagt Wiese. Auch neue Mitglieder seien stets willkommen. Die 61-Jährige hilft schon seit 17 Jahren, den Brunnen in der Innenstadt zu dekorieren. Nur beim ersten Mal, im Jahr 1998, war sie nicht dabei. Die Idee, solch eine Krone zu bauen, hatte Maria Funk. Sie gründete das Osterkronen-Team, nach ihrem Besuch im Frankenland. Dort hat die Tradition auch ihren Ursprung. "Im Frankenland gibt es nicht so viel Wasser. Um das kostbare Gut zu ehren, säubern die Männer im Frühjahr die Brunnen ", erklärt Wiese. Anschließend sei es die Aufgabe der Frauen , den Brunnen zu schmücken. Maria Funk habe diese Tradition nach St. Wendel gebracht. "Mir ist es wichtig, den Brauch weiterzuführen", sagt Wiese. Sie schwärmt: "Die Krone ist das Herz des Ostermarktes." Und das solle sie auch in Zukunft bleiben.