Fastnachtstreiben mit gebremstem Schaum

Fastnachtstreiben mit gebremstem Schaum

Seit dem 11. November sind auch in unserer Region wieder die Narren los. Die Fastnachtssession ist eröffnet. Bis Aschermittwoch dürfen die Anhänger des Karnevals ihrem Hobby frönen. Wir wollten in einer Blitzumfrage wissen, wie die Leser das närrische Treiben in den Hallen oder auf der Straße mitverfolgen.

Sind wir Saarländer doch nicht die Fastnachtsnarren, für die wir gern gehalten werden? Unzählige Kappensitzungen, tolle Umzüge und Kostümierungen an den närrischen Tagen zeugen eigentlich eher von Begeisterung über das karnevalistische Treiben. Eine Blitzumfrage der Saarbrücker Zeitung kam jetzt allerdings zu einem etwas überraschenden Ergebnis. Zwar ist unsere Umfrage nicht repräsentativ, sie gibt aber doch einige interessante Fingerzeige.

Über mehrere Tage hinweg wurden 307 Leser aus dem Kreis Neunkirchen und dem gesamten Saarpfalz-Kreis befragt - nach dem, was bei der Umfrage herauskommt, wäre das Ostsaarland alles andere als eine Narrenhochburg, die Fastnachtsbooze befänden sich demnach in der Unterzahl.

So wurde unter anderem folgende Frage gestellt: "Sind Sie an Fastnacht regelmäßig unterwegs, um sich Karnevalsumzüge anzusehen?" Lediglich 27 Prozent antworteten mit "Ja!". 24 Prozent der Befragten gaben an, eher selten zur Straßenfastnacht zu gehen. Die große Mehrheit, 49 Prozent, antwortete mit "Nein, da gehe ich nicht hin!". Bei der nächsten Frage wollten wir wissen, ob die Leser regelmäßig Kappensitzungen in der Region besuchen. Hier fällt das Ergebnis noch deutlicher aus. Gerade einmal 15 Prozent antworteten mit "Ja!", 21 Prozent tun dies eher selten. 64 Prozent sind von den Prunksitzungen nicht gerade begeistert und antworteten mit "Nein!". Bei der dritten Frage ging es um die Mitgliedschaft in einem Karnevalsverein. Nur sechs Prozent gaben an, selbst aktiv zu sein. 94 Prozent gehören keiner närrischen Gemeinschaft an. Obwohl sich die allgemeine Fastnachtsbegeisterung somit eher in Grenzen hält in Neunkirchen und der Saarpfalz, nehmen nur wenige während der tollen Tage Reißaus. Auf die Frage "Gehören Sie zu denjenigen, die nichts mit Fastnacht am Hut haben und in der heißen Phase bewusst Urlaub nehmen und verreisen?", wie dies in den klassischen Karnevalshochburgen am Rhein nicht unüblich ist, antworten nur 27 Prozent mit "Ja!". 73 Prozent der Befragten bleiben auch an den närrischen Tagen im Land.

Letztlich wollten wir von unseren Leserinnen und Lesern wissen, was sie an der Fastnacht konkret begeistert beziehungsweise was sie stört. Während einige die "überbordende Kreativität" und das "hohe Engagement der Ausführenden" loben, kritisieren andere die negativen Begleiterscheinungen der Fastnacht, vor allem den übermäßigen Alkoholkonsum, der häufig alle Hemmschwellen fallen lasse. Etliche Befragte stört an Fastnacht die "aufgesetzte Fröhlichkeit". So sagte ein Befragter: "Ich brauche keinen äußeren Anlass, um fröhlich zu sein." Ein anderer sprach von "Humor auf Knopfdruck". Vor allem die professionelle Fastnacht in den Hochburgen bekommt ihr Fett weg - mit "Büttenreden unter der Gürtellinie" oder "nerviger und einfach schlechter Musik". Es gibt aber auch andere Meinungen, Leute, die sich einfach freuen über das ausgelassene Feiern. "Als verkleideter Narr einmal das sagen zu dürfen, was man sich als ,Normalo' außerhalb der närrischen Zeit nicht getraut", findet ein Befragter so schlecht nicht.

Befürworter und Gegner der Fastnacht sind sich im einen Punkt nahezu einig: Sie honorieren das große Engagement der aktiven Narren - gemeint sind hier die Vereine, in denen das Ehrenamt im Vordergrund steht. Einige, die selbst nicht bei der Narretei mitmachen wollen, freuen sich mit den Narren mit. Eine Leserin meinte zum Beispiel: "Fastnacht gehört zur Kultur und zum Brauchtum dazu, auch wenn man selbst vielleicht eher nichts daran hat." Ein Leser ist der Auffassung, es solle jeder machen, was ihm gefällt. Ihn störe das Treiben zwar nicht, es sei ihm aber auch egal.

Etliche Leserinnen und Leser gaben an, zwar die Narretei nicht live in Hallen oder auf der Straße zu verfolgen, sehr wohl aber am heimischen Fernseher. Eine Leserin verwies darauf, dass dies auch dem Alter geschuldet sei, in der Jugend sei man schon eher mittendrin im Treiben gewesen.

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Zur SacheSZ-Umfrage-Center: Es gibt viele Themen, die die Saarländer bewegen und die intensiv diskutiert werden. Damit die Meinung der Leser in Zukunft noch größere Beachtung findet, hat die Saarbrücker Zeitung ihr Umfrage-Center neu gestaltet. Wer da mitmachen möchte, muss sich einmalig registrieren. Und wer schon an einer der Befragungen unter sz-umfrage.de teilgenommen hat, kann seine Login-Daten weiter nutzen.Umfrage-Teilnehmer werden mit Punkten belohnt. Ab 20 Punkten können diese in verschiedene Einkaufsgutscheine umgewandelt werden. klö