Entweder depressiv oder Kabarett

Er ist, man kann es nicht anders sagen, ein Urgestein der saarländischen Kabarett-Szene und sicher einer der Urväter des hiesigen Mundart-Kabaretts. Nach längerer Kabarett-Abstinenz geht Jürgen Albers jetzt wieder auf die Bühne und bringt ein neues Programm mit.

Jürgen Albers bei einer Lesung. Bald ist er im Mia-Münster-Haus zu sehen. Foto: Breite. Foto: Breite

So richtig glauben konnten wir es ja nicht, als Jürgen Albers 1995 verkündete, er trete von der Kabarett-Bühne ab. Der vielseitige Saarbrücker, in Karate, Tanz und an der Gitarre gleichermaßen kompetent wie als Redakteur der SR-Sendung "Fragen an den Autor", hatte es Mitte der 1970er unter der Devise "Es Saarland is e rischdisches Gärdsche" als Vorkämpfer des saarländischen Mundart-Kabaretts zu Bekanntheit gebracht.

Albers mag Kabarett nur, wenn es auch politisch ist. Mitte der 90er aber tummelten sich auf einmal nur noch bissfreie Mundart-Comedians auf den Saar-Bühnen und hatten die Lacher auf ihrer Seite. Da verging ihm die Lust. Jetzt tritt er unter dem Motto "Einmal Gärdsche und zurück" wieder an. Auch in St. Wendel . Das Programm ist aber keineswegs ein Gärdsche "reloaded". Lauter neue Nummern habe er dafür geschrieben, betont Albers im Gespräch.

So ganz weg von der Bühne war er sowieso nie. Er habe damals erst die Gitarre an den Nagel gehängt und nur noch Satiren geschrieben und vorgelesen, sagt er. Dann sei er ins andere Extrem gefallen und habe nur noch Musik gemacht, mit der von ihm gegründeten Band "Die Kellerasseln", in der auch seine Frau mitwirkte. Sie verstanden sich als Beat-Kult-Band und spielten Songs von guten alten Heroen wie Bob Dylan oder den Kinks, deren Texte Albers in Standard-Deutsch oder Mundart nachdichtete, natürlich immer mit politischem Einschlag.

Aus den gesellschaftskritischen Büchern, die Albers in seiner SR-Sendung vorstellt, weiß er bestens Bescheid, was alles falsch läuft in der heutigen Zeit. In der Finanzwirtschaft etwa oder in der Religion. All diese Ideologien, die sich in der Politik oft als Alternativlosigkeit tarnen. Da könne man doch nicht ruhig sitzen bleiben, meint er: "Entweder man wird depressiv, wirft Bomben - oder macht Kabarett ". Seine Präferenz ist klar. Auch die Gitarre nimmt er wieder mit auf die Bühne. 21 Lieder wird er vortragen. "Davon sind nur fünf alte, die anderen ganz neu", sagt er.

In diesem Jahr feiert Albers quasi sein 40. Bühnenjubiläum. Was er auf der Bühne anprangert, das versucht er auch im Alltag zu vermeiden, also ein möglichst richtiges Leben im falschen zu führen. "Ich esse so wenig wie möglich Fleisch und lebe bescheiden in einem Altbau zur Miete", nennt er als Beispiel. Denn er wolle ja morgens noch in den Spiegel gucken können. Und statt ewig auf dem Smartphone rumzutippen, liest er lieber Montesquieu. Auch was dieser alte Menschenkenner uns heute noch oder wieder zu geben hat, wird man daher wohl bald erfahren. Man darf gespannt sein.

Jürgen Albers präsentiert sein Programm am Donnerstag, 22. Oktober, 19.30 Uhr, in der Stadt- und Kreisbibliothek im Mia-Münster-Haus in St. Wendel . Der Eintritt kostet drei Euro (nur Abendkasse). Reservierungen möglich unter der Telefonnummer (0 68 51) 8 09 19 40 oder bibliothek@sankt-wendel.de