Ende besiegelt: AJG-Chef legt nach

Ende besiegelt: AJG-Chef legt nach

Ein Schreiben des Schulleiters lässt keinen Zweifel: Trotz zahlreicher Rettungsversuche bleibt es beim Plan, das Arnold-Janssen-Gymnasium zu schließen. Ein genaues Ende für die katholische Schule steht aber nicht fest.

Lichtermarsch vor den Dom, Vereinsgründung als Rettungsanker , Unterschriftenaktion, sogar eine Audienz bei Papst Franziskus - all das soll nicht gefruchtet haben? Trotz aller Mühen, die Lehrer , Schüler, Eltern und Ehemalige bisher anstrengten: Das Arnold-Janssen-Gymnasium (AJG) bleibt auf dem Pfad der Abwicklung. An dem Entschluss, die katholische Traditionsschule in St. Wendel zu schließen, hat sich nichts geändert.

Mehr noch: Schulleiter Rainer Bommer und Rektor Pater Fabian Conrad legten nach, bestärken in einem der Redaktion vorliegenden Schreiben an Eltern und und Schüler den eingeschlagenen Kurs: "Zum nächsten Schuljahr (2017/18) nehmen wir wiederum keine neuen Schüler auf." Grund dafür - die wie eh und je ausweglose Lage aus Sicht des Ordens Steyler Missionare als bisheriger Träger des Privatgymnasiums: "Es hat sich keine Lösung zur Rettung der Schule ergeben." Gleichzeitig versicherte die Schulleitung abermals ihre Zusage, "die uns verbleibenden Schüler gut und sinnvoll zu beschulen".

Einen Stichtag für den Schlusspunkt gebe es weiterhin nicht. War im November 2015 seitens der Schulleitung bei der Bekanntgabe, das Gymnsaium nicht fortzuführen, von maximal fünf Jahren die Rede, währenddessen Unterricht am AJG noch sinnvoll angeboten werden könne, heißt es von der Pressestelle des Ordens: "Das lässt sich zu dem jetzigen Zeitpunkt nicht sagen." Es gebe kein Szenario, vielmehr werde "Schritt für Schritt ein Jahr nach dem anderen geplant".

Was Bommer vor etwas mehr als einem Jahr nicht ausschließen konnte, dass aufgrund der Ankündigung, das AJG zu schließen, Schüler vor Ablauf ihrer regulären Schulzeit sein Haus verlassen. Ordenssprecher Wolfgang Finke dazu: "Es gibt keine Tendenz dahingehend, dass vermehrt Schüler abgemeldet würden." Darum laufe der Schulbetrieb "weiterhin in geregelten Bahnen". Das treffe auch auf Zusatzangebote wie Skifreizeit und andere Fahrten zu. Dazu nochmals aus dem Schulleiterbrief: "Wir werden unseren SchülerInnen alles ermöglichen, so lange der Schulbetrieb bei uns sinnvoller Weise aufrechterhalten werden kann."

Dazu braucht es Lehrer . Nach Informationen der Saarbrücker Zeitung sollen sich die verbeamteten Lehrer größtenteils auf andere Stellen beworben, beim Saar-Bildungsministerium ihre Versetzung beantragt haben. Dies in dem Sinne, den am AJG angestellten Kollegen so lange wie möglich eine berufliche Perspektive zu sichern. Von den zurzeit 32 Lehrern seien nach Finkes Angaben elf staatliche, 21 angestellte Pädagogen. Zwar stehe das AJG "in enger Verbindung mit dem Bildungsministerium", was die Zukunft des Personals betreffe. Gleichzeitig widerspricht der Ordenspressemann: "Wir können keinen Exodus der Lehrkräfte feststellen." Im Gegenteil: Der Tenor im Kollegium sei, "dass sie so lange am AJG bleiben wollen, wie es geht."


Trägerwechsel und Übernahme sind mehrfach gescheitert


Wer soll die Schule retten? Eine Wende zeichnet sich nicht ab. Der bisherige Trägerorden der Steyler Missionare sieht sich finanziell nicht dazu in der Lage. Deren Pressesprecher Wolfgang Finke: "Die grundlegende Situation des Arnold-Janssen-Gymnasiums ist leider unverändert. Ein potenzieller Träger ist für die Schule nicht in Sicht."

Ein Versuch, das konfessionelle Traditionshaus neben den beiden staatlichen Gymnasien in St. Wendel zu erhalten, war im November 2015 gescheitert. Ein Schulträgerverein wollte den Weiterbetrieb durch Übernahme langfristig sichern. Das Unterfangen scheiterte an fehlenden Sponsoren. Schulchef Rainer Bommer nannte Ende Mai vergangenen Jahres während einer Versammlung 100 000 Euro als nötiges Grundkapital für den Erhalt. Damals waren 400 ehemalige Schüler, Lehrer und jede Menge Politgrößen zusammengekommen, machten sich fürs AJG stark. Währenddessen informierte ein enttäuschter Schülersprecher von der Nachricht aus dem Vatikan. Der höchste Kirchenmann der römisch-katholischen Kirche werde sich in die Interna nicht einmischen, tat Nicolas Klemm kund. Damit war auch die Reise nach Rom für die Katz. Seitdem scheint der Abgesang so gut wie unwiderruflich. Trotz einiger 1000 Unterschriften, mit denen zusätzlich öffentlich Druck auf den bisherigen Träger ausgeübt werden sollte.

Unterdessen schauten sich potenzielle Interessenten für das in absehbarer Zeit freiwerdende Gebäude vor Ort um, darunter die Bundespolizei und Fußball-Bundesligist TSG 1899 Hoffenheim. Beide machten allerdings einen Rückzieher.

Zum Thema:

Auf einen Blick Die Schülerzahl am Arnold-Janssen-Gymnasium (AJG) ist mittlerweile erheblich geschrumpft. Denn bereits zu diesem Schuljahr verzichteten die AJG-Verantwortlichen darauf, Neulinge in der fünften Klasse aufzunehmen. Somit brach bereits ein Jahrgang weg. Gleichzeitig verließen Abiturienten die 1899 für Jungen gegründete Bildungsanstalt, die sich erst 1984 für Mädchen geöffnet hat. Zum Vergleich: Anfang vergangenen Jahres zählte das Gymnasium - eines von dreien in der Kreisstadt - mehr als 410 Schüler. Aktuell sind es noch 317, wie Pressesprecher Wolfgang Finke bei den Steyler Missionaren im nordrhein-westfälischen Sankt Augustin auf Anfrage mitteilt. hgn

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