Stadtratssitzung: Eitel Sonnenschein über der Kreisstadt

Stadtratssitzung : Eitel Sonnenschein über der Kreisstadt

St. Wendel zählt zu den wirtschaftsstärksten Kommunen im Land. Das spiegelt sich auch im aktuellen Haushaltsentwurf wider.

Wenn Peter Klär (CDU) am Dienstagabend im Alsfasser Kulturzentrum die Stadtratssitzung eröffnet, wird er Zahlen im Köfferchen haben, die zeigen: der nordsaarländischen Kreisstadt geht es blendend. „Finanzwirtschaftlich haben wir fast eine Punktlandung hinbekommen, ohne die Leistungsfähigkeit der Stadt einzuschränken“, schwärmt der Verwaltungschef. Punktlandung, das wäre die schwarze Null gewesen – also ein ausgeglichener Haushalt. Das ist nicht ganz gelungen. Allerdings konnte das Defizit von 6,4 Millionen in 2017 auf aktuell 700 000 Euro gesenkt werden. „Wir haben sehr solide gewirtschaftet und sind deshalb auf einem sehr guten Weg“, sagt der Bürgermeister von 26 000 Menschen. Die leben in der zweitgrößten Stadt des Saarlandes. „Flächenmäßig“, präzisiert Klär, der seine Verwaltung deswegen vor besondere Herausforderungen gestellt sieht. Denn das Augenmerk müsse sowohl auf die Stadtentwicklung gerichtet sein, als auch auf den Erhalt einer funktionierenden Infrastruktur im eher ländlichen Bereich wie dem Ostertal. „Das ist auch für die Mitarbeiter eine große Herausforderung.“

Der von der Stadtverwaltung ausgearbeitete Haushaltsplan, über den die Ratsmitglieder abzustimmen haben, hat ein Gesamtvolumen von rund 60,5 Millionen Euro. Im Ergebnishaushalt stehen den Aufwendungen von knapp 57,6 Millionen Erträge von 56,9 Millionen gegenüber.

„Auch beim Blick auf den Finanzhaushalt besteht Grund zur Freude“, sagt Klär. Hier stehe ein Plus von 1,8 Millionen Euro. „Wir planen, in diesem Jahr keine weiteren Kassenkredite aufzunehmen.“ Im Investitionsbereich werde es keine Neuverschuldung geben – im Gegenteil: Die Stadt will Investitionskredite vergangener Jahre um 1,7 Millionen Euro tilgen. „Wir sind eine der Kommunen mit der geringsten Pro-Kopf-Verschuldung im gesamten Land“, hebt Klär hervor. Das sei zum einen der finanziellen Unterstützung durch Land und Landkreis zu verdanken, die Klär habe sichern können. Zum anderen schlage hier aber auch das disziplinierte und zielgerichtete Wirtschaften durch. Konsequente Ansiedlungspolitik und zukunftsorientierte Stadtplanung seien die Schlüssel zum Erfolg. Dadurch habe St. Wendel sich ein Profil als erfolgreicher und dynamischer Wirtschaftsstandort erarbeitet, in dem viele leistungsstarke Betriebe ansässig sind. Das versetze die Stadt in die Lage, weiterhin im Interesse ihrer Bürger zu investieren – auch im kulturellen und sportlichen Bereich. Und das bei laufender Sanierung des städtischen Etats mit vorgeschriebenen Einsparungen von derzeit 545 000 Euro pro Jahr.

Für Investitionen möchte die Stadt St. Wendel mit ihren Eigenbetrieben und Stadtwerken in 2018 rund 20 Millionen Euro bereitstellen. Das Volumen unterstreiche St. Wendels Ausnahmestellung als eine der wirtschaftsstärksten Kommunen im Land. Insgesamt 15 000 Menschen finden hier Arbeit.

Mit den Investitionen „sichern und schaffen wir Arbeitsplätze. Zudem wird es in diesem Jahr keine Gebührenerhöhungen für St. Wendel geben“, betont Klär. Die freiwilligen Sonderleistungen für die Bürger im sozialen Bereich, „die in anderen Kommunen kaum noch zu finden sind“, wie der Verwaltungschef betont, sollen auch im laufenden Jahr erhalten bleiben. Mit 1,8 Millionen Euro bezuschusst St. Wendel Kindergärten, Schulbeförderung, Freiwillige Ganztagsschulen, Kinderferienfreizeiten, Haus der Jugend und noch einiges mehr. Werde hier noch die kostenlose Hallennutzung hinzugerechnet, engagiere sich die Kreisstadt im Bereich „Soziale Leistungen für Vereine und Familien“ mit 3,2 Millionen Euro.

Ein großer Posten ist das Feld „Bauen und Dorferneuerung“. St. Wendel möchte in die Erhaltung der Infrastruktur der 25 Dorfgemeinschaftshäuser und Mehrzweckhallen, Friedhöfe sowie Grundschulen rund 1,8 Millionen Euro stecken. Hinzu kommt in Niederkirchen eine neue Friedhofshalle für 1,6 Millionen Euro sowie mehr als zwei Millionen über mehrere Jahre für ein neues Gemeindezentrum in Winterbach. Sieben Millionen sind für den Ausbau und die Sanierung des rund 1000 Kilometer langen Straßen- und Kanalnetzes vorgesehen. Für die Feuerwehren im Stadtgebiet sind rund 940 000 Euro veranschlagt, außerdem soll das Industriegebiet Hottenwald bei Bliesen um 22 000 Quadratmeter wachsen.

Mehr als 70 Veranstaltungen stehen 2018 auf dem Programm und unterstreichen St. Wendels Anspruch auf Ausnahmestellung im Bereich Sport und Kultur. Darunter finden sich zahlreiche Top-Events mit überregionaler Strahlkraft, als da wären das Fanta-Vier-Open-Air, der Lauf zur Rallye-Weltmeisterschaft, der Globus-Marathon, das internationale Zauberfestival, das Jazzfestival und das SR-Ferien-Open-Air, um nur einige zu nennen.

Dazu kommen zahlreiche Premium-Märkte. Im Haushaltsentwurf stehen für diesen Bereich knapp 630 000 Euro zur Verfügung. „Finanziert werden die Veranstaltungen zu einem Großteil über Sponsorengelder aus der freien Wirtschaft“, erläutert der Bürgermeister. Mit ihren mehr als 600 000 Besuchern würden die Veranstaltungen viel zum erfolgreichen Stadtmarketing der Kreisstadt beitragen, zudem Wirtschaftskraft und Umsatz stärken. „St. Wendel wird mittlerweile bespielt wie eine große Bühne.“ Nicht selten müsse man Veranstalter-Anfragen von außerhalb sogar ablehnen – weil die Stadt quasi ausgebucht sei. Das Fazit des Bürgermeisters lautet nicht nur deshalb: „Die St. Wendeler können, so denke ich, mit ihrer Stadt zufrieden sein.“