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„Eine humanitäre Verpflichtung“

„Eine humanitäre Verpflichtung“

Die Kommunen im Landkreis St. Wendel haben 2015 bislang 692 Flüchtlinge aufgenommen. Bis Ende des Jahres werden etwa 450 weitere hinzukommen. Diese Zahlen nannte Landrat Udo Recktenwald in der Kreistagssitzung am Montag. Landrat und Kreistag lobten die hohe Hilfsbereitschaft in der Region. Recktenwald: „Wir haben eine humanitäre Verpflichtung zur Aufnahme der Kriegsflüchtlinge.“

Die Zahlen, die Landrat Recktenwald dem Kreistag vorgelegt hat, unterstreichen die Dynamik: 2013 kamen im St. Wendeler Land 38 Flüchtlinge an. 2014 waren es 198. Von Januar bis September dieses Jahres suchten im Landkreis schon 692 Menschen Schutz. In den verbleibenden drei Monaten rechnet Recktenwald mit 450 weiteren Asylsuchenden. Nach ihrer Anerkennung haben mittlerweile 161 Flüchtlinge den Landkreis verlassen oder planen den Wegzug.

Von den insgesamt 928 Asylbewerbern (2013 bis jetzt) kommen 868 aus Syrien. "Fast jeder von ihnen wird anerkannt", sagte Udo Recktenwald : "Das bietet die Chance, frühzeitig mit der Integration zu beginnen." Die Syrer seien zudem sehr integrationswillig. 37 Menschen sind aus Eritrea geflüchtet, 21 aus dem Irak und zwei aus Afghanistan.

28 minderjährige Flüchtlinge, die ohne Eltern unterwegs waren, sind in einem Gebäude der SHG-Kliniken in St. Wendel untergebracht. Weitere 30 werden nach Eiweiler kommen, betreut von der Diakonie. Insgesamt 54 Jugendliche wird das Jugendamt Saarlouis im Max-Braun-Zentrum in Steinberg-Deckenhardt unterbringen.

Die enorme Zahl an Hilfesuchenden stellt den Landkreis und die Kommunen vor große Herausforderungen. Udo Recktenwald berichtete detailliert über die aktuelle Lage. So haben Anfang September bei einem regionalen Flüchtlingsgipfel Vertreter des Kreises und der Gemeinden die weitere Vorgehensweise besprochen. Die Untere Bauaufsicht des Landkreises wird die Kommunen bei der Beurteilung unterstützen, ob Wohnungen geeignet sind. Die Datenbank leer stehender Häuser wird aktualisiert. Kurzfristige Unterbringungsmöglichkeiten werden ermittelt, um so einen Puffer zu schaffen und die Belegung von Hallen und Dorfgemeinschaftshäusern zu vermeiden.

In die ehemalige Grundschule Furschweiler kommt ein zentrales Möbellager, das Deutsche Rote Kreuz (DRK) im Kreis sammelt Kleider für die Bedürftigen. Die Bauhöfe erhalten Unterstützung durch Bürgerarbeiter. Die Sprachförderung wird ausgebaut, ebenso die Betreuung der ehrenamtlichen Helfer. Sozialamt und Hartz-IV-Behörde werden stärker zusammenarbeiten, damit die Hilfe aus einer Hand kommen kann.

In der Kreisverwaltung sind mehrere Ämter mit dem Flüchtlingsthema befasst. Das Ordnungsamt verteilt die Ankommenden auf die Kommunen, Sozialamt und Jobcenter sind für die finanziellen Hilfen zuständig, das Jugendamt für die unbegleiteten Minderjährigen. Die Kreisvolkshochschule bietet Sprachkurse an, die Ehrenamtsagentur betreut die Netzwerke der ehrenamtlichen Helfer. Bei der Betreuung der Flüchtlinge spielen die Ehrenamtlichen eine große Rolle. Das unterstrich der Landrat: "Das ist ein großartiges Gemeinschaftswerk."

"Wer zu uns kommt, ist herzlich willkommen", betonte Udo Recktenwald . Er sei stolz auf die Menschlichkeit in Deutschland und habe kein Verständnis für andere europäische Länder, die sich sperren. Der Landrat: "Wenn das Saarland so viele Flüchtlinge aufgenommen hat, wie ganz Spanien, muss man sich fragen, ob Europa noch eine Wertegemeinschaft ist."

Allerdings müsse der, der kommt und hierbleiben will, sich auch integrieren. Recktenwald: "Ich erlebe eine hohe Bereitschaft dazu." Die Neubürger müssten die Regeln unserer Gesellschaft beachten. Zudem dürfe es keine Ungleichbehandlung mit sozial schwachen Einheimischen geben: "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht zwei Welten schaffen."

Die Hilfe für die Flüchtlinge wird den Kreishaushalt belasten. "Wir werden Mehrausgaben haben", sagte Recktenwald: "Das müssen wir auch schultern."

Die Flüchtlingshilfe sei eine humanitäre Verpflichtung, betonte der Vorsitzende der SPD-Fraktion , Magnus Jung . Sie sei aber auch eine Chance für den ländlichen Raum. Jung und der CDU-Fraktionsvorsitzende Stefan Spaniol dankten den hauptamtlichen Mitarbeitern und ehrenamtlichen Helfern, die sich um die Hilfesuchenden kümmern: Spaniol: "Sie leben die Willkommenskultur im Landkreis."

Zum Thema:

Auf einen BlickAktuell haben die Kommunen im Kreis St. Wendel von 2013 bis September 2015 so viele Flüchtlinge aufgenommen: St. Wendel : 247, Nohfelden: 104, Oberthal: 74, Tholey: 125, Freisen: 95, Namborn: 78, Marpingen: 124, Nonnweiler: 81.Auch mit Blick auf die Integration ist für Landrat Udo Recktenwald die dezentrale Unterbringung wichtig: "Das ist der richtige und vernünftige Weg." vf