Ein Urgestein nimmt Abschied

Lokalmatador Dirk Spaniol fuhr in St. Wendel das letzte Rennen seiner Karriere. Unfall überschattet die Veranstaltung.

Sogar der Himmel weinte dicke Tränen beim Abschiedsrennen von Dirk Spaniol. Der 48-Jährige aus Hirzweiler zählt quasi zu den Gründungsmitgliedern der Supermoto-Szene. 22 Jahre mischte er bei den Rennen ganz vorne mit, zum krönenden Abschluss seiner Karriere hatte er sich sein Heimrennen ausgesucht: Vor 5000 Zuschauern drehte er beim zweiten Saisonlauf um die Internationale Deutsche Meisterschaft in St. Wendel seine finalen Runden. "Ich habe durch meinen Motorradhandel wenig Zeit zum Trainieren. Irgendwann musste es mal so weit sein, aber ganz weg bin ich durch mein Team ja nicht", sagte Spaniol. Der Hirzweiler ist als Chef seines DSR-Suzuki-Teams auch in Zukunft an den Rennstrecken unterwegs.

Als Fahrer aber gab er nun seinen Abschied. Um die Mittagszeit schwang sich Spaniol nach einem Starkregen noch mal aufs Mountainbike und begutachtete den mit Pfützen übersäten Geländeteil im Wendelinuspark. Vor dem ersten Lauf vollzog der S1-Pilot dann wie in all den Jahren sein traditionelles Vorbereitungs-Ritual: Spaniol schlüpfte in ein verbleichtes, löchriges Paar Kniestrümpfe. "Das sind Wanderstrümpfe, die hat mir meine Mutter vor 35 Jahren gekauft", erzählte er. Mit den Glücks-Accessoires an den Füßen raste Spaniol in beiden Läufen auf Rang elf. "Doch das Ergebnis ist heute zweitrangig", sagte er. In rund 25 Jahren Rennsport hat Spaniol viele Erfolge gefeiert und war immer für eine Überraschung gut. So wie vor fünf Jahren, als er vom Podest in St. Wendel seiner Katja den Heiratsantrag machte.

Während Spaniol sich innerlich auf die emotionale Winke-Winke-Tour vorbereitete, schielte Weggefährte Markus Volz in Richtung des Podiums. "Mit Slicks brauchen wir jetzt nicht rausgehen", meinte der 41-jährige Dirminger vor dem ersten Lauf auf dem nassen 1,3 Kilometer langen Kurs.

Am Start kam er gut weg und arbeitete Runde für Runde daran, den dritten Platz abzusichern. "Die Bedingungen waren extrem, die Offroad-Passage sehr schwierig zu fahren", erklärte Volz hinterher. Taktisch clever hielt er auf Vordermann Petr Vorlicek genügend Abstand, damit er mit wenig Dreck von dessen Hinterrad beschmissen wurde. Hinter Sieger André Plogmann und Vorlicek brauste Husquarna-Pilot Volz mit einem Vorsprung von fünf Sekunden vor Markus Class als Dritter über die Ziellinie. "Das war das Maximum", freute er sich. Im zweiten Lauf sah es anfangs schlecht für Volz aus: Er stürzte in einer Linkskurve und wurde bis auf Rang 20 durchgereicht. In Runde sechs ereignete sich dann aber ein folgenschwerer Unfall, der Lauf wurde abgebrochen (siehe Info). Nach einer Stunde Unterbrechung entschied sich die Rennleitung, den Lauf neu zu starten. Diesmal gewann der Wormser Class vor Andreas Buschberger. Volz kam mit fünf Sekunden Rückstand auf Rang drei an und somit zu seinem zweiten Podestplatz.

Gute Ergebnisse gab es beim Heimspiel auch für die Lokalmatadoren vom "Team Overchurch" aus Oberkirchen. Mit einem Start-Ziel-Sieg gewann der 34-jährige Andreas Jung das Finale der Klasse S5. "Ich habe für meinen Bruder Steffen die Strecke präpariert", scherzte er. Anschließend wiederholte Steffen Jung (43) seinen Vorjahreserfolg in der Ü40-Konkurrenz. "Beide Läufe gewonnen, es hat wieder gepasst", jubelte Steffen Jung. Teamkollege Christian Reiß aus Kusel fuhr in der Klasse S3 auf die Plätze eins und zwei.

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Abschied des Altmeisters: Dirk Spaniol war mit 48 Jahren so etwas wie der graue Wolf der Szene. In St. Wendel drehte er nun die letzten Runden.

"So ein Unfall macht betroffen" KTM-Pilot Philipp Prestel ist nach dem Unfall in der sechsten Runde des Supermoto-Rennens von St. Wendel mit dem Hubschrauber in die Saarbrücker Winterberg-Klinik geflogen worden (wir berichteten). Markus Volz war von dem Unfall erschüttert: "Ich kenne Philipp schon ein paar Jahre, so ein Unfall macht betroffen. Ich kenne aber keine Details." Vom Veranstalter gab es gestern keine Informationen. Laut einer Meldung von Radio Salü soll sich Prestel lebensgefährliche Kopfverletzungen zugezogen haben.

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