Ein spektakuläres Fest

Über 150 000 geschätzte Besucher, 503 Busse mit Tagestouristen: Der am Sonntag zu Ende gegangene Weihnachts- und Mittelaltermarkt in St. Wendel hat mit mehr Attraktionen seinen Erlebnischarakter gesteigert.

Besuch aus dem Morgenland: Könige hatten ihr Lager in der Mott aufgeschlagen.
Dichtes Gedränge herrschte am Sonntag, dem letzten Markttag, vor der Pyramide auf dem Schloßplatz. Die beiden Wochenenden waren die wahren Besuchermagnete.

Mittelalterliches Spectaculum und vorweihnachtliche Stimmung zu verbreiten, beide Ansprüche vereint der Weihnachts- und Mittelaltermarkt in der Kreisstadt zu einer Komposition. "Uns hat es in St. Wendel noch etwas besser gefallen als in Trier", wertet eine Teilnehmerin der Reisegruppe aus dem niederländischen Maastricht am Sonntagabend. 503 Busse haben während des Marktes St. Wendel angesteuert, darunter Tagestouristen aus dem französischen Saint Etienne und aus Gstaad in der Schweiz. Während der drei verregneten Tage stellten Reisegesellschaften das Gros des Publikums. Laut Thomas Wüst, Pressesprecher der Stadt St. Wendel , haben geschätzte 150 000 Gäste den Weihnachtsmarkt besucht. "Das erste Wochenende sah gefühlt nach einem neuen Besucherrekord aus", so Wüst. Stimmt.

Bei einem solchen Massenandrang sind auch schnell mal gefälschte 50-Euro-Scheine in der Kasse eines Standbetreibers gelandet. Nach Angabe der Polizei seien die falschen Banknoten leicht von echten zu unterscheiden gewesen. "Außer dem Falschgeld ist uns noch ein Diebstahl gemeldet worden, ansonsten war es eine ruhige Veranstaltung", berichtet der St. Wendeler Polizeichef Martin Walter. Ständige Präsenz der Beamten zahle sich aus.

Und die war wie gewohnt international. Nach den US-Militärpolizisten am ersten Wochenende haben Ordnungshüter aus Luxemburg und Frankreich, die St. Wendeler Dienststelle am Samstag beim Streifengang unterstützt. So wie bei den uniformierten Beamten, so wechselte in der Woche die Künstlergruppe. Einen harten Job muss der slowenische Eisbildhauer Miro Rismondo verrichten, bis aus dem Eisblock ein Drache oder die Eiskönigin wird. Mit einem Phönix und dem geflügelten Pferd Pegasus stellt Eiskünstler Rismondo die Ambivalenz zwischen den Elementen Eis und Feuer her. Abendlich umgarnen die Darsteller des Theaters Feuervogel die bei den milden Temperaturen Tränen vergießende Eiskönigin, zu einer telegenen Musik-Feuershow. Auf dem Schlossplatz schlagen zwei Akteure der Gruppe Castra Vita wie Rittersleute in einem Mittelalterfilm mit brennenden Schwertern aufeinander ein. "Die Vorführungen sind einfach klasse und dazu noch kostenlos", sagt Besucherin Anja Martin aus Heidelberg. Ganze neun Tage ist Wegelaberer und Herold Kalibo im Einsatz, er verzichtet dabei auf ein Mikrofon. Kalibos Stimme klingt am Ende dementsprechend mitgenommen. Die Spielleute der Gruppen Rebule, Triskilian und Valkenviur sind wie Gaukler Hubertus bester Laune. "In erster Linie gefällt mir, dass man den Mittelaltermarkt vom Weihnachtsmarkt getrennt hat", meint Tim Schmidt aus St. Ingbert. Der im Vorjahr erweiterte Mittelalterzauber auf der Mott präsentiert Handwerker bei der Arbeit, Krämer und Marktleute bieten ein vielseitiges Warenangebot feil. Auf der Wanderinsel lässt Puppenspielerin Imke die Marionetten Lady Schnee und Baron von Frost für die Kinder tanzen. Nicht ganz so gut kommt am Sonntag die Absage des Krippenspiels von Karl Antoine, dem Chef von Show-Service-Diana, bei der großen Schar von wartenden Kindern an. Antoine war nicht einverstanden, dass der Feuervogel vor Beginn der Weihnachtsgeschichte noch in seiner Nähe erscheint und Feuer spuckt. Eine Nummer kleiner geht es im Zwergenwald zu. 200 zipfelbemützte Kerlchen haben sich in der Miniaturwelt getummelt, auch wenn sie ein Teil eines Großereignisses waren.