Ein durchwachsenes Jahr

Ein arbeitsreiches Jahr liegt hinter den Bauern. An diesem Sonntag wird im Kreis das Erntedankfest gefeiert. Einigermaßen zufriedenstellend fällt die Ernte dieses Mal aus. Bei einem Besuch in der St. Wendeler Redaktion erklärt Kreisbauern-Vorsitzender Peter Scherer, mit welchen Herausforderungen die Bauern zu kämpfen hatten.

Nein, langweilig war dieses Jahr aus Sicht der Bauern nicht. Gab es doch immer wieder neue Wetterkapriolen, auf die sie sich einstellen mussten. Sowohl der ausgebliebene Winter als auch die teils heftigen Regengüsse im Sommer sorgten regelmäßig für Sorgenfalten auf den Stirnen von Landwirten. "Im Frühjahr haben die Bauern um das Futter fürs Vieh gefürchtet", berichtet Peter Scherer, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes in St. Wendel . Dann habe sich die Futtersituation plötzlich entspannt.

Es ist schon Tradition, dass der Kreisbauern-Chef im Vorfeld des Erntedankfestes der Redaktion in St. Wendel einen Besuch abstattet und Bilanz zieht. Sie fällt in diesem Jahr eher bescheiden aus.

Doch wo viel Schatten, da ist auch immer Licht. "Es war ein schwieriges Jahr für die Landwirte", sagt Scherer. Das habe sich bereits im vergangenen Herbst abgezeichnet, als es Probleme gab, die Wintersaat auf die Felder zu bringen. Durch den fehlenden Winter blieb auch die so genannte Frostgare aus. "Wenn der Boden friert und dann wieder taut, entsteht Bewegung im Boden", erklärt der Kreisbauern-Chef. Dadurch werde die Erde auf natürliche Weise aufgelockert. Ohne diese Lockerung war der Boden im Frühjahr fest und schwierig zu bewirtschaften. "Insgesamt haben es lange Feucht- und Trockenperioden schwierig gemacht, die Arbeiten zu organisieren", so Scherer.

So auch bei der Getreideernte. Zunächst hatte das Korn im Frühjahr durch die Trockenheit gelitten. Anfang Juli kam der Regen und die Natur konnte sich erholen. Früher als gewohnt machten sich die Bauern bereits Mitte Juli daran, das Getreide zu ernten. Doch dann setzte eine lange Regenphase ein. "Teilweise mussten die Landwirte vier bis sechs Wochen auf die Ernte warten", weiß Scherer.

Die Folge: Beim Korn, das zu lange auf dem Feld stand, gab es eine Qualitätseinbuße. Auch Verluste mussten die Bauern hinnehmen. Da das Korn von oben nach unten reift, ist in der Regel eine gewisse Standfestigkeit der Halme gegeben. Doch ist die Reife bis zum Boden fortgeschritten, werden die Halme anfällig, und die teils kräftigen Schauer im Sommer zwangen sie zu Boden. So waren diese schwer bis gar nicht mit den Erntemaschinen aufzunehmen.

Mit Sorgenfalten auf der Stirn beäugen die Landwirte auch die Preisentwicklung am Weltmarkt. "Vor drei Jahren war der Preis für Weizen auf dem Höhepunkt", erinnert sich Scherer. Seither geht es nach unten. Aktuell kosten 100 Kilo Weizen 13 Euro. "Der Markt ist satt", erklärt Scherer. Weltweit sei die Ernte gut. Das drückt die Preise.

Waren die Milchbauern im vergangenen Jahr noch die Gewinner in Sachen Preisentwicklung, gibt es nun einen Dämpfer. Auch hier setzt ein Abwärtstrend ein. Grund hierfür ist unter anderem das Importembargo von Russland. "Es gibt noch keinen Grund zur Panik, aber es ist zu erwarten, dass die Milchpreise im Winter sinken", so Scherers Prognose. Schwankungen am Weltmarkt ließen sich im Nachhinein gut erklären, aber leider nicht voraussehen. Das mache die Arbeit der Landwirte oft so schwierig.

Positives gibt es bei der Kartoffelernte zu berichten. Die Erträge sind gut. Gleiches zeichnet sich für die Maisernte ab, die in diesen Tagen begonnen hat. Auf den Grünlandflächen waren in diesem Jahr bis zu vier Schnitte möglich. Auch das ein Grund zur Freude.

Scherer wünscht sich einen Goldenen Oktober, wie er sich dieser Tage anzukündigen scheint. Die Bauern sind einigermaßen zufrieden mit der Ernte und können das Erntedankfest an diesem Sonntag feiern. Dann geht die Arbeit auch schon weiter. Es werden die Grundlagen für nächstes Jahr gelegt.