1. Saarland
  2. St. Wendel
  3. St. Wendel

Düstere Zeiten für Schafhirten in der Region

Düstere Zeiten für Schafhirten in der Region

St. Wendel. Die wirtschaftlichen Bedingungen für Schäfer haben sich in den vergangenen Jahren im Saarland dramatisch verschlechtert. Deshalb sei die Zahl der hauptamtlichen Betriebe rapide zurückgegangen. Obwohl "die Schafhaltung als Feuerwehr in der Landschaftspflege" gelte, sagt Werner Staub (Foto: SZ)

St. Wendel. Die wirtschaftlichen Bedingungen für Schäfer haben sich in den vergangenen Jahren im Saarland dramatisch verschlechtert. Deshalb sei die Zahl der hauptamtlichen Betriebe rapide zurückgegangen. Obwohl "die Schafhaltung als Feuerwehr in der Landschaftspflege" gelte, sagt Werner Staub (Foto: SZ). Der 62-jährige Oberthaler ist Bioland-Schäfermeister und Chef des saarländischen Landesverbands der Schaf- und Ziegenhalter. Er befürchtet, dass sich der Negativtrend die kommenden Jahre fortsetzt. "Wir brauchen dringend bessere Rahmenbedingungen seitens der Politik, die uns wirtschaftlich besser stellen", fordert Staub. Unter anderem setze er dabei auf Ausgleichszahlungen aus dem Staatstopf. Denn Schäfer bewirtschafteten Grünflächen, die als Kulturgut gelten. "Jeder will schöne Wiesen und den Erhalt dieser Flächen. Aber bezahlen will niemand dafür", kritisiert der Oberthaler. Anders bei den Landwirten, die Subventionen der Europäischen Union (EU) dafür bekämen, dass sie Felder brach liegen lassen. "Wir wollen anderen landwirtschaftlichen Betrieben gleichgestellt werden", mahnt er an. Eine zusätzliche Gefahr für den Fortbestand des Schäfers als Vollzeit-Job sieht Werner Staub in der Biomasse. Hintergrund: Moderne Kraftwerke setzen zunehmend auf Mais und Co. als Energiebringer. Dafür müssen die Rohstoffe angebaut werden. Gleichzeitig verschwinden aber Weidegebiete für Schafe. Staub: "Das ist eine Konkurrenz, da die Landwirte Einnahmen von Betreibern der Biomassekraftwerke garantiert bekommen." Ein Schäfer lasse seine Tiere lediglich auf Grundstücken der Bauern weiden. Und an Nachwuchs in seiner Branche sei kaum zu denken. Zwar sei sein Beruf interessant. Wenn aber junge Leute die langen Arbeitszeiten bei gleichzeitig geringen Einkünften sehen, ließen sie es lieber bleiben und entschieden sich für Jobs, die ihren Lebensunterhalt eher sicherten. Ein Schafhirte brauche mindestens 350 Tiere, um überleben zu können. "35 000 Euro sollte man im Jahr schon einnehmen", gibt der Verbandsvorsitzende an. Schuld seien gleich mehrere Faktoren auf der Einnahmenseite. "Unsere Produkte bringen keine gerechte Entlohnung mehr", resümiert Staub. Das Geschäft mit der Wolle verursache nur noch Kosten. "Der Rohstoff ist kein Geldgeber mehr, weil Kunstfaser billiger ist." Die Produktionskosten könnten Schäfer aber kaum noch drücken. Denn um Schafe zu scheren, benötige der Schäfer Personal, was entlohnt werden will. Der Abnahmepreis pro Kilo Wolle liege zurzeit bei 60 Cent. Und ein Schaf bringe zwischen drei und vier Kilo Wolle auf die Waage. Des Weiteren sei der Marktpreis für Lammfleisch viel zu niedrig. Rund zwei Euro bringe das Kilo, macht im Schnitt 80 Euro pro Tier. Auch das decke kaum die Kosten. Drittes Dilemma: Das Geschäft mit Schafdung, über Jahre als Dünger eingesetzt, ist komplett zusammengebrochen. Seit 20 Jahren bereits habe laut Staub industriell gefertigter Dünger Schafsmist abgelöst. Staub: "Wir stehen mit dem Rücken an der Wand." "Wir stehen mit dem Rücken an der Wand."Schäfer Werner Staub

Auf einen BlickDer Landesverband der Schaf- und Ziegenhalter im Saarland (LVSZ) hat nach Angaben seines Vorsitzenden Werner Staub (62) aus Oberthal zurzeit rund 220 Mitglieder. Davon seien sieben hauptberufliche Schäfer im Saarland. Drei davon arbeiten im Landkreis St. Wendel (Oberthal, Oberlinxweiler und St. Wendel), die übrigen haben ihre Betriebe im Landkreis Merzig-Wadern und Saarpfalz-Kreis (Bliesgau). Der LVSZ ist der einzige vom saarländischen Wirtschaftsministerium anerkannte Verein für Schaf- und Ziegenzucht. Er hat seinen Sitz bei der Geschäftsstelle der : Landwirtschaftskammer für das Saarland, Dillinger Straße 67, in Lebach; Tel (0 68 81) 92 82 01, Fax (0 68 81) 92 81 00. hgn