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Statistik: Dramatischer Anstieg der Wildunfälle im Kreis

Statistik : Dramatischer Anstieg der Wildunfälle im Kreis

St. Wendeler Polizei legt die Statistik der Verkehrsunfälle vor. Insgesamt hat es 2016 öfter gekracht als im Jahr zuvor.

Ob klein oder groß, junges oder älteres Modell, Benziner oder Diesel — Autos gibt es im Saarland in Hülle und Fülle. 729 260 Fahrzeuge waren es 2016. Alleine 72 004 davon gehören in den Landkreis St. Wendel. Tendenz steigend. So war es zumindest laut Statistik in den zurückliegenden Jahren. „Je mehr Fahrzeuge, desto höher die Unfallwahrscheinlichkeit“, sagt Martin Walter, Chef der St. Wendeler Polizeiinspektion. Und genau um diese Unfälle im Straßenverkehr geht es in dem Zahlenwerk, das der Polizeirat zusammen mit Polizeihauptkommissar Albert Feidt vorstellt.

Ländliche Struktur, ein nicht so eng gestricktes Netz beim Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) wie in der Landeshauptstadt und viele Pendler sind drei der Gründe, welche die Beamten mit Blick auf die Fahrzeugdichte im Landkreis anführen. 3163 Unfälle zählt die Statistik im Jahr 2016. Ein leichter Anstieg gegenüber 2015. Da krachte es 3046 Mal. Walter macht auf eine statistische Besonderheit im Landkreis St. Wendel aufmerksam. Die Zahl der Verkehrsunfälle (3163) und die Zahl der Straftaten (3566) halten sich fast die Waage.

Bei 2841 von den insgesamt 3163 Verkehrsunfällen ging es glimpflich aus. Es blieb bei Sachschaden. „Hier werden auch Parkrempler erfasst“, erläutert Feidt. Bei 322 Unfällen sind Menschen verletzt worden. Im Vergleich zu 2015 (305) ist dies ein Plus von 5,3 Prozent. Einen traurigen Anstieg weist die Statistik auch bei der Zahl der im Straßenverkehr Getöteten aus: Fünf Menschen starben 2016 bei Unfällen, zwei waren es 2015. Albert Feidt deutet auf eine Grafik in seinen Unterlagen. Die Linie darauf verläuft im Zickzack. Es sind die Zahlen der Todesopfer, die mal sinken und mal steigen. 2016 führt eine Gemeinde die Rubrik der Getöteten an: drei Menschen verloren in der Gemeinde Freisen bei Unfällen ihr Leben. Darunter auch eine 31-jährige Mutter dreier Kinder. Je ein Verkehrsopfer gab es in den Gemeinden Nohfelden und Nonnweiler.

Am häufigsten krachte es in der Kreisstadt St. Wendel. 1315 Mal. Dabei wurden in 135 Fällen Menschen leicht verletzt, bei 36 Unfällen schwer. Schwerverletzt, das bedeutet, dass die Person mindestens 24 Stunden im Krankenhaus verbracht hat. „Alle drei Tage gibt es einen Unfall mit Leichtverletzten“, bricht Feidt die Statistik überspitzt runter. Die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge lässt es bereits vermuten: Meist sind Autos (232) an Unfällen mit Verletzten beteiligt, gefolgt von Motorrädern (26).

Aber wer verursacht all diese Crashs? Einmal mehr sind es tatsächlich junge Fahrer, die diesen Teil der Statistik anführen. Die Gruppe der 18- bis 24-Jährigen verursachte 57 Unfälle mit Verletzten, die Gruppe der 25- bis 34-Jährigen 50. Daher ist Walter froh, dass es zwei Verkehrssicherheitsberater bei der St. Wendeler Wache gibt. „Sie sind in Sachen Präventionsarbeit aktiv“, sagt der Polizeirat. Was die ältere Generation am Steuer betrifft, so fallen diese in der Statistik nicht sonderlich ins Auge. Bei der Gruppe der Fahrer, die älter sind als 75, wurden lediglich 17 Unfälle mit Verletzten registriert.

Der Grund, weshalb es so häufig kracht, ist wenig überraschend. Überhöhte Geschwindigkeit führt am häufigsten zu Unfällen: in 28,2 Prozent der Fälle. Missachtete Vorfahrt (13,8 Prozent), zu geringer Abstand (8,5) und Alkohol- oder Drogeneinfluss sind weitere Unfallursachen. 44 Mal krachte es 2016, weil der Fahrer angetrunken oder berauscht am Steuer saß. Diese Zahl sei zwar noch immer zu hoch, wertet Feidt, aber ein Vergleich mit Vorjahren zeigt: Sie ist gesunken. Einsicht bei den Fahrern? Das hoffen die Beamten, doch Martin Walter weiß „Alkoholsündern drohen empfindliche Strafen.“ Hier greife die Justiz deutlicher durch als an anderer Stelle. Im ländlichen Raum einige Monate ohne Führerschein zu riskieren — da gebe es eine Hemmschwelle.

Als besorgniserregend stuft Martin Walter die Zahl der Wildunfälle im Landkreis ein. Mit 951 registrierten Zusammenstößen mit Tieren sei ein neuer Höchststand erreicht. Nirgendwo im Saarland sei die Zahl höher. „Erschreckend sorglos werden jene Streckenabschnitte mit dem Warnhinweis auf Wildwechsel durchfahren“, findet der Polizeirat deutliche Worte. Er appelliert eindringlich an Autofahrer, mit mehr Umsicht und verringerter Geschwindigkeit unterwegs zu sein. Feidt erinnert sich an einen Unfall mit einer verletzen Person auf der Landstraße zwischen Urexweiler und Remmesweiler. Gerade bei Zusammenstößen mit Wildschweinen bestehe die Gefahr, dass auch Menschen Blessuren erleiden.

Aber wie verhalte ich mich, wenn ein Reh ins Auto gelaufen ist? „Anhalten, das Fahrzeug beziehungsweise die Unfallstelle und sich selbst absichern“, erläutert Feidt. Dann am besten per Notruf die Polizei anrufen. Die Beamten sagen dann, wie es weitergeht und kümmern sich, dass der Jagdpächter informiert wird.

Die L 131 zwischen St. Wendel und Werschweiler, die B 41 bei Nohfelden, die L 315 bei Freisen oder die L 130 zwischen Remmesweiler und Urexweiler sind Strecken, auf denen es verstärkt zu Wildunfällen kommt. Um die Zahl der Zusammenstöße mit Reh, Fuchs oder Wildschwein zu verringern, will Martin Walter auch den Kontakt zu Jagdpächtern suchen.

Wenn es an bestimmten Streckenabschnitten gehäuft zu Unfällen kommt, ist auch das in der Statistik erkennbar. Gefahrenpotenzial für Auffahrunfälle, Zusammenstöße beim Fahrbahnwechsel oder mit parkenden Wagen bietet die Bahnhofstraße in dem Abschnitt zwischen Wilhelmstraße, der Straße Zur Mott und Parkstraße. Wie Feidt erläutert, wüssten die Fahrer an dieser Stelle oft nicht genau, wo ihre Spur ist. Daher sollen die Markierung erneuert und so zwei Fahrstreifen deutlich gekennzeichnet werden. Auch im Bereich davor gebe es durch das Parken Probleme.

An dem Thema Sicherheit im Straßenverkehr dranbleiben — das sei laut Walter Dank der Verkehrsunfallkommission möglich. In der Statistik der Verkehrsunfälle sei der Landkreis St. Wendel überrepräsentiert. „Es ist wichtig, im Straßenverkehr mit Umsicht, Weitsicht und Vorsicht unterwegs zu sein“, sagt der St. Wendeler Polizeichef.