Doppelt so viele Verkehrstote

Auslöser für die meisten Unfälle im Landkreis: Fahrer sind zu schnell unterwegs. Damit liegt die Region laut St. Wendels Polizeichef Martin Walter über dem Landesdurchschnitt.

Es kracht wieder häufiger auf den Straßen im St. Wendeler Land. Seit zwei Jahren legen die Verkehrsunfälle kontinuierlich zu. Das weisen die Statistiker bei der Polizei aus. Demnach registrierten die Beamten vergangenes Jahr 2853 Einsätze. 80 mehr als zwölf Monate zuvor. Und nicht nur das: Auch die Opferzahlen zeigen nach oben. 440 Verletzte forderten Unglücke auf unseren Straßen 2013, vier mehr als davor.

Polizei : Analyse der Gründe

Besonders dramatisch: Acht Menschen kamen im Vorjahr laut aktueller Unfallbilanz der St. Wendeler Polizeiinspektion ums Leben. Das sind doppelt so viele Tote wie ein Jahr zuvor. Damit erreicht die Statistik den Stand von 2008. Seitdem waren die Sterbefälle durch Unfälle im Straßenverkehr kontinuierlich zurückgegangen. Für St. Wendels Polizeichef Martin Walter Grund, sich Gedanken zu machen, diese neuerliche Entwicklung umzukehren. "Diese Steigerung bereitet Anlass zur Sorge und lässt Handlungsbedarf erkennen." Dazu will er mit Kollegen die betreffenden Unfälle abermals analysieren. Dabei ereigneten sich vier von ihnen in der Kreisstadt sowie je zwei in Nohfelden und Marpingen.

Ein tragischer Fall trug sich in Berschweiler im Januar 2013 zu. Damals erfasste ein Autofahrer die 20-Jährige aus dem Marpinger Ortsteil mit seinem Wagen und schleuderte sie auf die Gegenfahrbahn. Dort wurde sie von einem weiteren Auto überrollt. Der Mann am Steuer machte sich zuerst auf und davon, wurde aber wenig später entlarvt. Er ist mittlerweile verurteilt.

Bei Niederlinxweiler prallten im März vergangenen Jahres zwei Wagen zusammen. Der Unfall endete für eine Nambornerin (68) tödlich. Im Mai erwischte es in Niederkirchen einen 25 Jahre alten Motorradfahrer aus Ottweiler, der mit seiner Maschine gegen die Leitplanken schleuderte. Er war auf der Stelle tot.

Auf solch verhängnisvolle Weise gingen indes nur die wenigsten Zusammenstöße aus. Zumeist blieb es nach der Unfallstatistik bei Blechschäden. Wenn es dazu kam, waren die meisten Fahrer zu schnell unterwegs. Das machte 21, 9 Prozent aus. Hierbei ist der Landkreis Spitzenreiter im Saarland, wo durchschnittlich die Geschwindigkeit anteilsmäßig mit 11,3 Prozent an dritter Stelle der Hauptursachen hinter Vorfahrts- und Abbiegefehlern rangiert.

Risikogruppe: Junge Fahrer

Die 18- bis 24-Jährigen sind diejenigen, auf deren Kappe nach Polizeiangaben die meisten Unfälle gehen. Sie sind 75 Mal als Verursacher vermerkt. Die Gruppe mit dem zweithöchsten Unfallrisiko sind demnach die Fahrer zwischen 25 und 34 Jahren. 52 Mal tauchen sie in den Akten auf. Von "keiner besonderen Risikogruppe" spricht Walter hingegen bei der Generation über 65. Hier seien nur 28 Menschen für einen Unfall verantwortlich gewesen. "Hieraus lässt sich schließen, dass vor allem die Zielgruppe Junge Fahrer im Fokus polizeilicher Verkehrssicherheitsarbeit stehen muss."

Wenn es zu einem Unfall kommt, dann sind in den meisten Fällen Autofahrer daran beteiligt. Ein Blick auf die Unglücke mit Verletzten oder Toten: Hier richteten Autofahrer 258 Zusammenstöße an. Der Anteil liegt bei knapp 80 Prozent. Gefolgt von Motorradfahrern (7,6 Prozent) und Radlern (5,5).

Auch wenn die Gesamtlage auf den Straßen in der Region nicht überdurchschnittlich besorgniserregend sei, will Martin Walter an der Verkehrssicherheit arbeiten. Dazu sucht er auch außerhalb der Polizei den Kontakt mit Unterstützern. "Anerkannte Unfallschwerpunkte" sollten beseitigt werden: überwachen, auf Fehler hinweisen und gefährliche Strecken entschärfen gingen einher.

Die Polizei hat bei 62 Unfällen Fahrer erwischt, die betrunken oder von Drogen benebelt waren. Laut Unfallstatistik 2013 für den Landkreis St. Wendel waren es ein Jahr zuvor 57 Fälle - eine Steigerung um 8,7 Prozent. Polizeichef Martin Walter geht davon aus, dass nicht unbedingt mehr Menschen mit Alkohol oder Drogen fahren. Vielmehr seien Ermittler landesweit zunehmend besser geschult, Rauschmittel zu erkennen.